Die Bürger sollen an die Hand genommen und beraten werden, wenn es um Erneuerbare Energien geht, wünscht sich der Umweltausschuss in Werne. © picture alliance/dpa/dpa-tmn
Umweltschutz in Werne

„Wir denken immer noch wie vor 50 Jahren“: Rege Diskussion über Klimakonzept in Werne

Mehr Beratung für die Bürger und Handwerke, mehr Transparenz in Sachen Klimaschutz-Maßnahmen. Beim Umweltausschuss herrschte rege Diskussion über das Klimaschutzkonzept, das derzeit erstellt wird.

Das Klimaschutzkonzept der Stadt Werne kommt langsam voran. Der Klimaschutzmanager Johannes zur Bonsen hat am Mittwoch (2. Juni) im Mobilitäts- und Umweltausschuss die neuesten Entwicklungen vorgestellt. Die Ausschussmitglieder fielen daraufhin wegen noch vieler offener Fragen in eine rege Diskussion über die Finanzierbarkeit des Klimaschutzes für den Bürger, die hohen Kosten von mehreren Millionen Euro und die Überprüfbarkeit des Klimaschutzwandels in Werne.

Dagny Dammermann (Sachkundige Bürgerin FDP) zu den Kosten: „Das klingt wie ein Freifahrtschein. Ich wünsche mir schon eine konkrete Auflistung der Maßnahmen.“ Als Beispiel führte sie den Fuhrpark der Stadt an, wann welches Fahrzeug abgängig sei. Dem entgegnete Ralf Bülte (Baudezernent): „Das ist nur der Hinweis, dass Klimaschutz Geld kostet.“ Entsprechend müsse die Stadt bereit sein, etwas auszugeben. Laut Denise Jücker (Sachkundige Bürgerin FDP) seien hohe Kosten in Ordnung, nur die nötige Transparenz sei parallel dazu inklusive konkreter Maßnahmen wichtig.

Jücker: „Klimaschutz darf nicht zum Luxus verkommen“

Auch die Themen Eigeninitiative der Bürger und Information waren Teil der Diskussion: Jücker beunruhige etwa, dass zur Erreichung des Klimaziels viel in die Eigenverantwortung der Bürger falle. Das sei zwar erstmal gut, aber: „Das kann sich nicht jeder leisten. Klimaschutz darf nicht zum Luxus verkommen.“ Um alle Bürger mitzunehmen und als Politik nicht alles „in Eigenregie“ zu machen, wünscht sich Dammermann zum einen Beratung in Energiethemen seitens der Stadt für die Bürger und bei Veranstaltungen wie dem Baufrühling oder dem Auto- und Modefrühling aufzuklären.

Christoph Schade (Grüne) merkte darüber hinaus an, dass der Beratung der Bürger, aber auch der Handwerke und Gewerke, wichtig sei. „Ich weiß, dass die in diesen Bereichen manchmal unenthusiastisch sind. Da wird abgeraten von besonderen Dämmungen. Da sollte auch die IHK eingebunden werden.“ So solle verhindert werden, dass der Handwerker mit der Ölheizung daher komme oder gegen Solar wettere. Ansonsten drohe die Gefahr, dass der begeisterte Bürger wieder abspringe.

Ulrich Höltmann (SPD) bat die Verwaltung außerdem darum zu prüfen, wenn eine Fläche für PV (Fotovoltaik) genutzt werde, wie viel Maisfläche man dadurch im Gegenzug einspare. Denn es handele sich um das gleiche Energiepotenzial, als wenn man den Biogas-Ausbau forciere.

Statt „Jung kauft Alt“ Anreiz für Ältere, große Wohnungen zu verlassen

Dem Vorschlag stellte sich Ferdinand Schulze Froning (CDU) allerdings entgegen: „Biogas produziert kontinuierlich Strom, auch wenn kein Wind weht, und die PV-Anlagen nur im Sommer. Biogas-Anlagen können eine gewisse Energie speichern in Form von Pflanzenmasse. Das Konzept was mir fehlt, ist die Flächeneinsparung. Wohnbaugebiete versiegeln die Böden. Da ist kein Lebensmittelanbau möglich.“

Jürgen Regener (CDU) regte außerdem an, das bekannte Wohnungsraumprogramm „Jung kauft Alt“ umzukehren, sodass älteren Menschen, die meist in größeren Wohnungen und Häusern wohnten, ein Anreiz geschaffen werde, um in kleinere Wohnungen umzuziehen und Wohnraum für Familien zu schaffen. Er wünscht sich, dass ältere Häuser energetisch saniert und neue Häuser den Energiestandards entsprechend errichtet werden.

„Wir denken immer noch wie vor 50 Jahren und dass wir unendliche Ressourcen haben“, kritisierte Andreas Drohmann (Grüne) derweil. Wichtig sei, es nicht vom einzelnen Menschen aus zu denken, sondern von der Welt im Allgemeinen. Wichtig sei es, sich selber im Wachstum zu beschneiden. Immer größer und immer weiter könne nicht mehr das Ziel sein. Es dürfe nicht noch mehr Emissionen geben, nicht noch mehr versiegelte Fläche.

Ralf Bülte (Baudezernent) informierte den Ausschuss über die Ergebnisse des vergangenen Klimabeirates:

  • Die Konflikte beim Bau von Windrädern sollen reduziert werden, indem man die Nachbarn stärker mitnehme
  • Haushalte sollen in Sachen PV gezielt angesprochen werden
  • Außerdem war es der Wunsch des Beirates, die PV-Anlagen erst auf Privat- und Gewerbedächer zu bringen, bevor man in die Fläche gehe
  • In Sachen Radanteil im Verkehr sei zu klären, ob man diesen von 25 auf 40 steigere. „Bevor wir die Ziele festlegen, müssen wir gucken, durch welche Maßnahmen das realisierbar ist und dann müssen wir weiterreden“, so Bülte. „Ich bin dafür, dass wir da sehr ambitioniert rangehen.“ Aber Bottrop beispielsweise läge nach Jahren intensiven Verkehrswandels aktuell erst bei 38 Prozent. „Wir kommen bundesweit derzeit nicht nach vorne.“
  • Auch ein Kontrollsystem für den Klimaschutz zur Überwachung der Maßnahmen sei angeregt worden.
Über die Autorin
Redakteurin
Gebürtige Münsterländerin, seit April 2018 Redakteurin bei den Ruhr Nachrichten, von 2016 bis 2018 Volontärin bei Lensing Media. Studierte Sprachwissenschaften, Politik und Journalistik an der TU Dortmund und Entwicklungspolitik an der Philipps-Universität Marburg. Zuletzt arbeitete sie beim Online-Magazin Digital Development Debates.
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Eva-Maria Spiller

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