Aldi lässt sich dünne Plastikbeutel bezahlen - Vorbild für Werner Lebensmittel-Händler?

dzPlastik-Müll

Aldi ist der erste Discounter, der dünne Plastiktüten nicht mehr kostenlos anbietet. Doch es geht auch ganz ohne das Teufelszeug. Das beweist Clemens Overmann mit seinem Geschäft in Werne.

Werne

, 11.06.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie sind transparent, aus Plastik und bis dato in den meisten Supermärkten kostenlos: Knotenbeutel auf der Rolle. Praktisch in jeder Gemüse- und Obstabteilung sind die Plastiktüten vorhanden. Dies soll Kunden mitunter dazu verleiten, den gesamten Einkauf in viele dieser kleinen Tüten zu verpacken. Schließlich kosten (Plastik-)Tragetaschen an der Kasse Geld.

Aldi Süd und Nord haben diesem Umstand den Kampf angesagt. Zumindest symbolisch. Ab diesem Sommer kostet jeder Knotenbeutel an der Kasse einen Cent. Ein genaueres Datum nannte das Unternehmen noch nicht. Als Vorbild dient eine Vorschrift in Italien. Dort müssen Supermarkt-Kunden seit Anfang 2018 einen bis drei Cent Gebühr pro Knotenbeutel zahlen.

Andere Händler halten sich mit Aussagen bedeckt

„Wir würden uns freuen, wenn andere Händler mitziehen“, sagt Kristina Bell, die bei Aldi Süd für Qualitätssicherung und Unternehmensverantwortung im Einkauf zuständig ist. Doch ob das passiert, ist noch unklar.

Lidl und K&K äußerten sich auf Anfrage dieser Redaktion zum Thema nicht. Eine Unternehmenssprecherin von K&K sagte lediglich: „Zu solchen Inhalten sagen wir generell nichts.“ Es scheint, als wäre bei den betreffenden Unternehmen nach dem Schritt von Aldi ordentlich Druck auf dem Kessel.

Aldi lässt sich dünne Plastikbeutel bezahlen - Vorbild für Werner Lebensmittel-Händler?

Ein typisches Bild im Supermarkt: Das Obst wird in einer Plastiktüte (Knotenbeutel) verpackt. Umweltfreundlich ist das nicht. © dpa

Die Rewe-Group (zu der auch Penny gehört) verweist immerhin auf die sogenannten Mehrwegfrischenetze aus Baumwolle als umweltfreundlichere Alternative zu den Knotenbeuteln. In Rewe-Märkten gibt es diese seit 2018, bei Penny seit April 2019.

Knotenbeutel dienen nur Hygienezwecken

„Mit dieser hygienischen und praktischen Alternative zum Knotenbeutel haben die Kunden bei uns die Möglichkeit, komplett auf Einwegplastik zu verzichten. Das Angebot wird von unseren Kunden gut angenommen“, so Pressesprecherin Kristina Schütz.

Wie Verbraucher Plastikmüll beim Einkaufen einsparen können:
  • Unverpackte Lebensmittel einkaufen.
  • Immer den eigenen Korb, die Tasche oder den Beutel mitbringen.
  • Oftmals akzeptieren Händler auch mitgebrachte Verpackungen.
  • Für Obst und Gemüse gibt es kleine, leichte Stoffbeutel. Die meisten Supermärkte akzeptieren diese.
  • In Rewe- oder Penny-Märkten die Mehrwegfrischenetze nutzen.
(Quelle: Verbraucherzentrale)

Eine Zweckentfremdung der Knotenbeutel für das Verpacken des gesamten Einkaufes habe man bisher nicht feststellen können. „Die Tüten dienen ohnehin nur Hygienezwecken bei unverpackten Lebensmitteln und sind keine Einkaufstüte“, so Schütz.

Ob diese Tüten jedoch in Zukunft im Rewe oder Penny Geld kosten werden, ließ die Pressesprecherin offen. Man wolle aber bezüglich der Mehrwegfrischenetze perspektivisch eine belastbare Bilanz ziehen.

Es geht auch ohne Plastik

Dass es fast gänzlich ohne Plastik geht, zeigt hingegen Clemens Overmann mit seinem Lebensmittel-Geschäft in der Werner Innenstadt. Plastiktüten, egal ob groß oder klein, gehören hier schon lange der Vergangenheit an. „Man muss es wollen und den Kunden schmackhaft machen“, so der Inhaber. Viele Kunden-Gespräche habe er darum in der Vergangenheit geführt.

Warum Plastik unserer Umwelt schadet:
  • Kunststoffe sind chemisch sehr stabil.
  • Produkte aus Plastik zerfallen nur in immer kleinere Teilchen.
  • Vollständig abgebaut werden diese Teilchen nie (Mikroplastik).
  • Gelangt Plastik als wilder Müll in die Umwelt/Gewässer hat das schwerwiegende Folgen.
  • In den Mägen vieler Seevögel kann man massenhaft Kunststoffstückchen finden. Die Tiere verhungern mit vollem Magen. Sie halten das Plastik für Nahrung.
  • Es besteht zudem der Verdacht, dass die Partikel über die Nahrungskette zum Menschen zurückkehren.
  • Mögliche Folgen davon sind noch nicht absehbar.

    (Quelle: Verbraucherzentrale)

„Wir arbeiten hier so wie in den 70er-Jahren. Damals ging es ohne Plastik und heute geht es das auch.“ Overmann vermarktet in seinem Laden vorwiegend regionale Produkte aus der näheren Umgebung. Viele (Bio-) Produkte stammen direkt aus Werne und Umgebung.

Papier- ersetzen Plastiktüten

Zum Verpacken der Ware verwenden seine Mitarbeiter Papiertüten, Papiertaschen oder Zeitungspapier. Je nach Größe und Menge der eingekauften Produkte. Doch kosten diese Beutel den Kunden etwas? „Es kommt auf die eingekaufte Menge und die Art des Beutels an“, so Clemens.

Wer nur ein bis drei Artikel einkauft und nach einer Papiertasche verlangt, der zahlt 25 Cent. „Diese Dinge könnte man ja alternativ auch tragen oder in einer selbst mitgebrachten Tasche verstauen“, begründet Overmann. Bei größeren Einkaufsmengen seien die Papiertaschen hingegen kostenlos.

Papiertüten seien generell kostenlos. Das sind jene Tüten, in denen loses Gemüse oder Obst verpackt wird. „Unsere Kundschaft nimmt das an. Wir sind auf einem gutem Weg“, sagt Clemens. Mit Blick auf die Auslage am Dienstagmittag springen lediglich Himbeeren in einer Plastikschale ins Auge. „Ja, manchmal können wir das noch nicht vermeiden, aber wir arbeiten daran.“

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