Nagelstudio-Prozess: „Wenn das so weitergeht, dann sitzen wir Ostern noch hier“

dzMenschenhandel

Steuerbetrug und Geldwäsche in Werne: Am Dienstag gingen die Verhandlungen am Landgericht Münster im Nagelstudio-Prozess weiter. Ein Trio muss mit langen Freiheitsstrafen rechnen.

von Matthias Münch

Werne

, 11.11.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Geschäfte in Werne, in Münster und etlichen anderen Städten des Landes NRW waren offenbar so einträglich, dass es auf ein paar Tausend Euro nicht ankam. Das wurde am Dienstag, 10. November, im Nagelstudio-Prozess am Landgericht Münster deutlich.

Auf dem Zeugenstuhl saß ein Beamter der Zollfahndung, der die Durchsuchungen und Ermittlungen gegen einen vietnamesischen Clan koordiniert hatte. Er berichtete über die Funde, die er und seine Kollegen in den diversen Nagelstudios und in Unterkünften der illegal beschäftigten Menschen gemacht hatten.

Staatsanwältin Elfi Lechtape beklagt die zähe Prozessstrategie der Verteidigung.

Staatsanwältin Elfi Lechtape beklagt die zähe Prozessstrategie der Verteidigung. © Matthias Münch

Die landesweiten Razzien liegen ein Jahr zurück. Zu fast allen Objekten hatte der 55-jährige deutsch-vietnamesische Clan-Chef offenbar die Schlüssel. Neben Dokumenten stießen die Fahnder auch immer wieder auf herrenloses Bargeld, so der Zollbeamte. Allein in Greven waren es in der Summe mehr als 20.000 Euro, auf die seither nie jemand Anspruch erhoben habe. Der Zoll ordnete das Geld dann dem Hauptbeschuldigten zu und pfändete es.

Längere Freiheitsstrafen für Trio?

Neben dem 55-jährigen Boss sitzen seit Dienstag nur noch dessen 48 Jahre alter Bruder und ihre gemeinsame 38-jährige Nichte vor Gericht. Denn am vorherigen Prozesstag, dem vergangenen Freitag, hatte die 12. Große Strafkammer den dritten von ursprünglich sechs Angeklagten auf freien Fuß gelassen.

Mit einer Geldauflage stellte sie das Verfahren gegen einen 41-jährigen Vietnamesen aus Paderborn vorläufig ein. Das für ihn zu erwartende Strafmaß hätte die Dauer der mittlerweile einjährigen Untersuchungshaft nicht überschritten. Mit längeren Freiheitsstrafen muss wohl das im Prozess verbliebene Trio rechnen.

Steuerbetrug, Menschenhandel und Geldwäsche

Es bildet laut Anklage den harten Kern des Clans, der für millionenschweren Steuerbetrug, Menschenhandel und Geldwäsche verantwortlich sein soll. Wegen des Aussageverhaltens der Angeklagten, muss die Kammer die Beweisaufnahme sehr akribisch und kleinschrittig handhaben. Über diese zähe Strategie der Verteidigung zeigte sich die Staatsanwältin im Gespräch mit unserer Redaktion sichtlich genervt: „Wenn das so weitergeht, dann sitzen wir Ostern noch hier.“

Der Prozess wird am Donnerstag, 12. November, fortgesetzt. Allein im November sind sechs weitere Verhandlungstage terminiert.

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