CDU und FDP plakatieren Werne zu - Was sagen die anderen Parteien?

dzKommunalwahlkampf 2020

Seit dem Wochenende hängen so gut wie alle Laternenmasten voll mit Plakaten von CDU und FDP. Wenn die anderen Parteien plakatieren wollten, fänden sie kaum noch Platz. Sie wollen aber nicht.

Werne

, 31.07.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit dem Wochenende 25./26. Juli 2020 ist Werne im Wahlkampfmodus. CDU und FDP sind massiv in die Werbe-Offensive gegangen. Die Liberalen werben für ein gutes Ergebnis bei der Stadtratswahl, die CDU darüber hinaus für ihren Bürgermeister-Kandidaten Dominik Bulinski. Wenn die anderen Werner Parteien ihre Papp-Schilder aufhängen wollten, fänden sie kaum noch Platz. Sie wollen aber gar nicht.

Jedenfalls nicht so. Die Wahlwerbung mit den sogenannten A0-Plakaten an Laternenmasten bleibt in diesem Jahr wohl die Domäne von Christdemokraten und Liberalen. „Wir werden, unter anderem corona-geschuldet, in diesem Jahr nur einen minimalistischen Wahlkampf führen“, sagt SPD-Parteichef Siegfried Scholz auf Anfrage der Redaktion. Auf die Laternen-Plakate verzichte seine Partei komplett.

SPD: „Wir hätten keinen Platz für Plakate gefunden“

„Selbst wenn wir hätten aufhängen wollen, hätten wir kaum noch Platz gefunden“, sagt er mit einem Seitenhieb auf die massive Plakatierung von CDU und FDP. An klassischer Plakatwerbung würden die Genossen vier große Plakatwände aufstellen. Ansonsten wolle man auf den persönlichen Kontakt setzen. Zum Beispiel an Wahlkampfständen. „Aber corona-bedingt werden wir ganz klein anfangen und schauen, wie Wahlkampf unter den Hygiene-Vorschriften möglich ist.“

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Außerdem würden die Genossen Flyer in die Briefkästen verteilen („Wir gehen mit Maske und Handschuhen los“) und würden in den einzelnen 19 Wahlbezirken Wernes kleine, persönliche Aktionen starten, wie Brötchen verteilen oder Bratwurst grillen.

Die SPD verzichtet weitgehend auf die Plakatierung, stellt nur vier große Wände auf, wie hier an der Steintor-Kreuzung.

Die SPD verzichtet weitgehend auf die Plakatierung, stellt nur vier große Wände auf, wie hier an der Steintor-Kreuzung. © Jörg Heckenkamp

Die UWW hat bereits angekündigt, sie werde in diesem Wahlkampf auf Wahlinfostände sowie Plakate verzichten. „Zur Schonung der Umwelt werden keine Plakate aufgehängt“, sagt Vorsitzender Reinhard Stalz: „Der aktuellen Situation geschuldet, machen Wahl-Infostände, die mit Abstand, Maske und gegebenenfalls auch der Desinfektion von Wahlwerbeartikeln durchgeführt werden müssten, für uns keinen Sinn.“

Die Unabhängige Wählergemeinschaft Werne wolle niemandem zusätzlichen Infektionsrisiken aussetzen und sich selbst auch nicht. Sie setzte mehr auf Werbung in den digitalen Medien. Stalz: „Die hierdurch an Werbemitteln gesparten Kosten werden gespendet.“

Gleich doppelstöckig hängen die A0-Plakate von CDU und FDP an der Münsterstraße.

Gleich doppelstöckig hängen die A0-Plakate von CDU und FDP an der Münsterstraße. © Jörg Heckenkamp

Ähnlich sieht das bei den Bündnisgrünen aus. Beisitzer Maximilian Falkenberg sagt auf Anfrage der Redaktion: „Unser Wahlkampf ist dieses Mal hauptsächlich digital.“ Man werde ein Werbe-Video drehen und damit um Wählerstimmen buhlen. Plakatieren würden die Grünen wie üblich nicht, „bis auf zwei oder drei am Ortseingang“, sagt Falkenberg. Das eingesparte Geld würde an gemeinnützige Organisationen gespendet.

Der Bürgermeister-Kandidat der Grünen, Benedikt Striepens, differenziert: „Wir machen schon etwas Plakatwerbung, und darunter wird auch das ein oder andere Mal der Kopf des grünen Bürgermeister-Kandidaten zu sehen sein.“ Er macht deutlich, dass sein Kampf ums Bürgermeister-Amt aus dem Impuls heraus kommt, den Wählern eine tatsächliche Wahl zu ermöglich. Außerdem erhoffe er sich eine Wechselwirkung zu seiner Partei.

Linke verzichtet „aus Umweltgründen“ auf Plakate

Plakate von den Linken wird man im Kommunalwahlkampf 2020 nicht sehen, sagt Ratsherr Martin Pausch auf Anfrage: „Schon aus Umweltgründen verzichten wir darauf.“ Stattdessen werde man Wahlkampfstände in Stockum und Werne organisieren und versuchen, mit den Bürgern direkt ins Gespräch zu kommen. Pausch: „Selbstverständlich unter Einhaltung der Corona-Schutzvorschriften.“

Anmerkung: Bürgermeister Lothar Christ ist noch im Urlaub, daher verfügen wir über keine Angaben über seine Wahlkampf-Strategie.

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