Tatort Kita? Wegen des Vorwurfs der Misshandlung zogen die Verantwortlichen personelle Konsequenzen in der Kita Jona. Eine Mitarbeiterin wurde suspendiert. © Andrea Wellerdiek
Meinung

Vorwürfe in Kita Jona: Jugendamt hätte mehr Verantwortung übernehmen müssen

Die Vorwürfe gegen eine Erzieherin in der Kita Jona in Werne sind nur schwer zu beweisen. Ernst nehmen sollte man sie aber. Dazu zählt auch das Jugendamt, das mehr Verantwortung hätte übernehmen müssen. Ein Kommentar.

Die Vorwürfe gegen eine Erzieherin in der Kita Jona in Werne sorgen für Diskussionen. Sie soll mehreren Kindern in einem abgedunkelten Raum Geistergeschichten erzählt haben. Sätze wie „wenn du das zu Hause erzählst, werden die Geister kommen und dich töten“, sollen gefallen sein. Außerdem soll sie ein Kind auf den Kopf geschlagen haben. Ob all diese schweren Vorwürfe stimmen, wird nur schwer zu beweisen sein. Es steht Aussage gegen Aussage.

Fünf Kinder, die sich mit der mittlerweile suspendierten Erzieherin im Nebenraum des Gruppenraums aufgehalten haben, berichteten allerdings unabhängig voneinander, dass die Erzieherin ihnen mit Geistergeschichten Angst eingejagt hat. Sie haben auch gesagt, dass sie nichts davon zu Hause erzählen dürften. Ein sechstes Kind wurde Zeugin und traf ebenfalls diese Aussagen.

Ich glaube nicht, dass sich sechs Kinder im Alter von drei bis fünf Jahren so etwas ausdenken können, um sich gegen die Erzieherin zu verbünden oder ihr einen Streich zu spielen. Die Kinder haben sich daheim auffällig verhalten. Einige hatten plötzlich Angst im Dunkeln oder vor dem Einschlafen. Sie sprachen von Vampiren und Geistern, die sie töten können. Es sind Aussagen, die alle Beteiligten Ernst nehmen sollten.

Kinder wurden in beängstigende Situation gebracht

Wie Ernst die Erzieherin selbst die Situation eingeschätzt hat, ist ungewiss. Unklar ist auch, ob sie die Tür bewusst geschlossen hielt, das Zimmer mit der dimmbaren Beleuchtung tatsächlich bewusst abdunkelte und handgreiflich wurde. Vielleicht hat sie den Kindern einfach nur Geschichten erzählen wollen, in denen Geister vorkommen.

Klar ist, dass die Kinder in eine beängstigende Situation gebracht worden sind, die sie nachhaltig beschäftigt hat. Und von der sie doch irgendwann den Eltern erzählten, als sie allen Mut zusammen genommen haben. So etwas darf in einem Kindergarten nicht passieren. Vor allem nicht einer langjährigen Erzieherin.
Was auch immer in dem Nebenraum passiert ist: Sie hätte den Kindern die Angst nehmen, nicht geben müssen.

Stattdessen haben die Eltern der betroffenen Kinder in ihrer Sorge reagiert – trotz der Kritik anderer Eltern aus der Kita. Nachdem Kita-Leitung, Träger und Jugendamt informiert wurden, gab es personelle Konsequenzen mit der Suspendierung der Erzieherin und der Neubesetzung der Kita-Leitung. Die Vorwürfe hätten sich nicht erhärtet, hieß es seitens des Trägers und des Jugendamtes. Ein fader Beigeschmack bleibt aber.

Nur Mitarbeiter des Trägers haben die Erzieherin zu den Vorfällen befragt. Man habe keine Hinweise zu den Aussagen der Kinder gefunden, erklärte Jutta Heinert, Geschäftsleiterin des Kirchenkreises Hamm, der Träger der Kita ist. Das Jugendamt als ausführende und externe Instanz hätte die Erzieherin ebenso in jedem Fall befragen müssen. Doch das ist nicht passiert.

Die Begründung: Man habe keine Personalverantwortung und man sei nicht die Staatsanwaltschaft und damit die Ermittlungsbehörde, erklärte Dirk Mahltig, Jugenddezernent der Stadt Werne, auf Anfrage. Das ist mir persönlich zu einfach.

Wenn es um den Kinderschutz und das Wohl von Kindern in einer Einrichtung in meiner Stadt geht, muss das Jugendamt sich einschalten, die Verantwortung übernehmen und alles für die Aufklärung tun. Dabei muss es egal sein, ob es sich um eine städtische oder kirchliche Einrichtung handelt. Nun liegt es in der Hand der Polizei, rund um die Vorwürfe der Misshandlung und Körperverletzung gegen die Erzieherin zu ermitteln.

Über die Autorin
Redaktion Werne
Studium der Sportwissenschaft. Nach dem Volontariat bei Lensing Media zunächst verantwortlich für die digitale Sonntagszeitung, nun in der Lokalredaktion Werne der Ruhr Nachrichten.
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Andrea Wellerdiek

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