Von Zebrastreifen-Softies und Autos ohne Blinker

dzMeinung

Wer aus einer Metropole in eine Kleinstadt wie Werne wechselt, freut sich unter anderem über die entspannte Lage im Straßenverkehr. Doch mit der Zeit ist nicht mehr alles Gold, was glänzt.

Werne

, 13.01.2019 / Lesedauer: 3 min

Als ich vor acht Jahren beruflich von Dortmund in meine Heimatstadt Werne zurückkehrte (und eineinhalb Jahre später auch privat), hat mir der Werner „Dorf“-Verkehr manches Schmunzeln ins Gesicht gezaubert. An den rauen Verkehrsalltag einer Großstadt gewöhnt, fand ich es rührend, wie früh Autofahrer vor dem Zebrastreifen stoppen, um einen Fußgänger auch ja nicht das Gefühl der Bedrängnis zu geben. In Dortmund wären mindestens noch drei Pkw über den Zebrastreifen gebraust.

Bei Gelb an der Ampel stoppen? Unfallträchtig!

Den einen oder anderen Auffahrunfall habe ich beinahe verursacht, weil meine Vordermänner doch tatsächlich bei Gelb an der Ampel anhielten. In Dortmund wären noch mindestens….. Sie ahnen es. Apropos Ampel: Abends, musste ich voller Erstaunen feststellen, ist die viel befahrene Steintor-Kreuzung ampelfrei. Ausgeschaltet. Ab 22 Uhr oder so. Ich wusste beim Erstkontakt gar nicht genau, wie ich mich verhalten sollte. Wollte schon die Polizei über die defekte Lichtzeichenanlage informieren. Gut, dass ich mich nicht lächerlich gemacht habe.

„Manche Autos scheinen keinen Blinker mehr zu besitzen.“
Autor Jörg Heckenkamp

Doch im Laufe der Jahre hat mein romantisch verklärter Blick auf das vorbildliche Verkehrsverhalten der Kleinstädter Eintrübungen erfahren. Während ich immer noch häufig die Zebrastreifen-Softies früh abstoppen sehe, macht sich in anderer Hinsicht ein gefährlicher Schlendrian breit. Manche Autos scheinen keinen Blinker mehr zu besitzen. Sie kurven jedenfalls ohne Anzeige um die Ecke. Was den Hintermann (also mich) zum Bremsmanöver zwingt, da ich von Geradeausfahrt ausgehe und nicht mit dem Abbiegen und der damit einhergehenden Fahrt-Verlangsamung rechne. Muss das sein?

Oder, auch das muss mal gesagt sein, die Zweckentfremdung beziehungsweise Überbeanspruchung des Behindertenausweises im Pkw. Erst neulich sah ich ein älteres Ehepaar, das seinen Wagen in der Mittagszeit seelenruhig in der Fußgängerzone vor der Sparkasse parkte. Und zwar so, dass der Fahrradständer der Bank nur noch mit Mühe nutzbar war. Zielstrebig marschierten die älteren Herrschaften Richtung Café. Muss das sein?

Bastlerisches Geschick führt zu Krach-Vehikeln

Wir wechseln vom Vier- zum motorisierten Zweirad. Banden von Motorrad-Enthusiasten mit wummernden Krädern machen zum Glück unser Werne nicht unsicher. Aber immer noch der ein oder andere Moped-Freak, der sein bastlerisches Geschick offenbar bei der Manipulation von Motor und Vergaser sowie dem Ausräumen des Schalldämpfers unter Beweis stellt. Die Leistung dieser aufgemotzten Krach-Vehikel steht im diametralen Gegensatz zu ihrer Lautstärke. Muss das sein?

Kommen wir zu den Radfahrern. Einer Fortbewegungsart, der ich viel Gutes abgewinnen kann. Aber nicht tagsüber in der Fußgängerzone. Auch wenn es lästig ist, das Rad zu schieben: Von 8 bis 19 Uhr ist es nun mal verboten. Punkt.

„Von 8 bis 19 Uhr ist das Radfahren in der Fußgängerzone nun mal verboten. Punkt.“
Autor Jörg Heckenkamp

Manche sind sich ihres verbotswidrigen Treibens offenbar bewusst und versuchen, mit möglichst hohem Tempo die illegale Zone zu verlassen. Was die Sache nicht besser, im Gegenteil, noch gefährlicher macht. Nein, das muss nicht sein.

Und jetzt, fragen Sie vielleicht, wettert der gute Herr Heckenkamp nun noch gegen das Verkehrsverhalten von Werner Fußgängern? Treten sie ihm vielleicht zu laut aufs Trottoir oder gehen zu langsam über den Zebrastreifen? Keine Sorge, der Werner Passant agiert geradezu vorbildlich. Nichts zu meckern. Jedenfalls, wenn er alleine ist. Führt er jedoch einen Vierbeiner an der Leine, sieht das schon GANZ ANDERS aus.

Aber das ist ein anderes Klagelied.

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