Politik kritisiert Vorgehen bei Surfworld in Werne im Stadtentwicklungsausschuss

dzWellensurf-Anlage in Werne

Um die Planung der Surfworld in Werne weiter voranzutreiben, brauchte der Projektträger Dr. Michael Detering das „Okay“ des Stadtentwicklungsausschusses. Der hatte aber einige Kritikpunkte an dem bisherigen Verfahren.

Werne

, 23.09.2020, 12:33 Uhr / Lesedauer: 3 min

Im Stadtentwicklungsausschuss am Dienstagabend (22. September) hat es im Alten Rathaus in Werne Lob für die Surfworld gegeben, die auf dem alten Zechengelände an der Flöz-Zollverein-Straße entstehen soll. Mit dem bisherigen Vorgehen von Projektträger und Stadt waren einige Mitglieder des Ausschusses allerdings alles andere als zufrieden.

Allen voran, Benedikt Striepens von den Grünen: Nach einer ausführlichen Vorstellung des Projektes durch den Träger Dr. Michael Detering aus Werne und Lobesworten von CDU und SPD, sagte der Fraktionssprecher der Grünen: „Ich finde die Dramaturgie, wie die Surfworld öffentlich gemacht wurde, alles andere als gut. Durch die Presse ist der Eindruck entstanden, das sei schon beschlossen, obwohl es noch gar nicht im Ausschuss diskutiert wurde. Mit dem Nebenton, dass es für 49 Euro schon Earlybirds-Eintrittkarten gibt. Das finde ich bedenklich.“ Auch der Hinweis von Detering, man könne mit der Anlage nun die olympische Disziplin in Werne anbieten, gehe dem Fraktionssprecher viel zu schnell.

„Warum konnte die Vorstellung nicht heute Abend stattfinden?“

Obwohl Markus Rusche von der CDU das Projekt noch wenige Minuten vorher mit den Worten „Die CDU-Fraktion ist begeistert von der Kreativität des Projektes“ lobte, fiel Rusche in die Kritik von Striepens ein: „Warum konnte die Vorstellung nicht heute Abend stattfinden? Dann wäre die Politik ganz normal informiert worden. Dann hätte man frei entscheiden können.“

Die Stadt hatte die Verwaltungsvorlage für die Surfworld einen Tag nach der Kommunalwahl (14. September) auf den Weg in den Ausschuss gegeben, mit Bitte um Beschluss, den Flächennutzungsplan der Zeche von unter anderem „Bergbau“, Wald- und Bahnfläche in „Wassersport- und Forschungszentrum“ zu ändern. Außerdem wurde über einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan beschlossen. Einen Tag später, am 15. September, hatten Stadt und Projektträger zum Pressetermin eingeladen. Dort hatte Bürgermeister Lothar Christ unter anderem erklärt, dass er das Projekt aus dem Wahlkampf habe heraushalten wollen, um es nicht zu gefährden.

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Detering und Bürgermeister Christ begründeten das Vorgehen wie folgt: Die Verwaltungsvorlage werde in der Regel zehn Tage vor einer Ausschusssitzung kommuniziert. Ohne Erklärung des Projektes und entsprechenden Pressetermin, so Christs Befürchtung, wäre die Idee der Surfwelt von Öffentlichkeit und Presse möglicherweise falsch aufgenommen worden. Detering: „Die große Gefahr wäre gewesen, dass ich das nicht selber hätte erklären können. Wenn es in den falschen Hals kommt und zerredet wird, dann ist das Projekt weg.“ Rusche: „Aber wenn wir jetzt nein sagen würden, dann wären die Politiker die Dummen.“

Konkurrenz-Projekt in Krefeld sitzt Werner Surfworld im Nacken

Die Eile für den Beschluss erklärte Detering wie folgt: „Wir sind leider nicht alleine auf der Welt. Vier dieser Projekte sind in Planung, die übrigen drei sind schon eine Weile in der Presse.“ Eines entsteht in Stade, eines in München, doch am meisten Sorge machten dem Ingenieur und der Stadt die Surfwelt, die nur 100 Kilometer entfernt in Krefeld entsteht. „Da will man 2023 in Betrieb gehen“, so Detering. „Wenn wir nach den Krefeldern kommen, haben wir einen Wettbewerbsnachteil.“ Christ merkte darüber hinaus an, dass die Stadt die Politik am 3. Juni vollumfänglich nicht-öffentlich informiert habe und seither sei nichts moniert worden.

Christian Thöne (FDP) und Adelheid Hauschopp-Franke (SPD) begrüßten das Projekt. Thöne: „Es ist ein großes Projekt, was in dem Zusammenhang punktgenau gespielt werden sollte. Das war der richtige Weg.“ Hauschopp-Franke: „Diese Geschichte müssen wir alle unterstützen. Wir haben die Möglichkeit, Arbeitsplätze zu schaffen und haben einen Synergieeffekt mit der Forschung und die Möglichkeit, Werne attraktiver für alle zu machen. Und am wichtigsten: Die Idee kommt von einem Werner Bürger. Deshalb den größten Respekt. Top, wir sind total dabei. Der richtige Zeitpunkt war dieser.“

Am Ende wurde der Beschluss mit einer Enthaltung von Benedikt Striepens (Grüne) einstimmig beschlossen. Gleichzeitig kündigten die Parteienvertreter an, die Fortschritte des Projektes kritisch zu verfolgen, um auch Versprechen wie dem Betrieb mit erneuerbarer Energie im Blick zu behalten. Detering: „Gucken Sie uns gern auf die Finger.“

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