Werne hat ein Müllproblem. Das ist seit Jahren bekannt. Doch es hat sich nichts getan. © Raimund Hölscher (A)
Meinung

Vermüllung Wernes – Bankrott-Erklärung der Politik

Die FDP fordert ein Konzept gegen die Vermüllung Wernes. Große Zustimmung. Schließlich haben das alle anderen Fraktionen auch schon gefordert. Was ist seitdem passiert? Gar nichts.

Im jüngsten Ausschuss für den Kommunalbetrieb stand ein Antrag der Freien Demokraten gegen die Vermüllung Wernes zur Diskussion. Die Liberalen fordern ein Konzept gegen Verschmutzung und überquellende Abfallbehälter. Große Zustimmung seitens der anderen Parteien. Schließlich habe man diese Forderung selbst schon vor Jahren gestellt.

Ja und, frage ich mich? Wenn das Problem so alt ist, wenn die Politik so oft schon den Finger in die Wunde gelegt hat – warum ist dann anscheinend bis heute nichts passiert? Der Rat und seine Ausschüsse sind schließlich die gestaltende Kraft in Werne. Wenn diese Kraft nur Forderungen formuliert, aber nicht weiterverfolgt, gleicht das für mich einer politischen Bankrott-Erklärung.

Wohlgemerkt – es gibt zahlreiche politische Forderungen, die Aktionismus gleichen. Sie sollen dem Bürger demonstrieren „Seht her, uns als euren Volksvertretern ist das Problem bekannt und wir fordern Abhilfe“. Doch von vornherein ist klar, dass die Forderung ins Leere läuft. Dazu zählt für mich etwa die politische Entscheidung, dem Eigentümer des Gammelhauses an der Südmauer mit Enteignung zu drohen. Denn die Kompetenz der Kommune ist hier gering.

Müll-Problem ist auch ein Finanz-Problem

Ganz anders sieht das tatsächlich beim Müllproblem im öffentlichen Raum Wernes aus. Das ist kein Kompetenz-Problem. Eher ein Finanz-Problem. Denn die Sauberkeit unserer Stadt kostet Geld. Der Bauhof – oder eine beauftragte Firma – müsste die Müllbehälter häufiger kontrollieren und leeren, gegebenenfalls mehr und größere Behälter aufstellen.

Parallel müsste man versuchen, auf die öffentliche Meinung einzuwirken und ein Bewusstsein für eine saubere und müllfreie Umwelt zu schaffen. Möglicherweise durch gezielte Ansprache von Gruppen, die besonders gedankenlos ihren Müll hinter sich lassen. Denn schließlich fliegen Chipstüten, Flaschen und Plastikbeutel nicht von alleine durch die Gegend.

Ehrenamtliche für die Müllbeseitigung

ln Werne sind Ehrenamtliche auf vielen Feldern unterwegs. Etwa bei der Tafel, im Hospizverein und in vielen anderen Bereichen. Warum nicht Freiwillige für die Müllbeseitigung rekrutieren? Schließlich haben bei „Werne putzt sich raus“ mehrere Hundert Bürgerinnen und Bürger 4 Kubikmeter Unrat aufgeklaubt. Freiwillig und an einem Samstag.

Wenn ich in andere Städte komme und mit Graffiti verunstaltete Fassaden und massenweise Müll sehe, schalte ich gedanklich schon den Rückwärtsgang ein. Ein riesiges Graffiti-Problem hat Werne zum Glück nicht. Ein Müllproblem schon.

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Jörg Heckenkamp
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