Auf der Auto-Kundgebung am Freitagnachmittag in Werne verkündete Verdi eine Ausdehnung des Streiks bei Amazon. © Jörg Heckenkamp
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Verdi-Streik im Weihnachtsgeschäft: „Wird nicht letzter Kampf gewesen sein“

Die An- und Abfahrt zur „Autokino-Demo“ von Verdi dauerte länger als die eigentliche Kundgebung. Auf der verkündete die Gewerkschaft zwei für Amazon unangenehme Überraschungen.

Für 13.30 Uhr am Freitag, 27. November 2020, war die Protestkundgebung per Auto angekündigt. Ab etwa 13 Uhr rollte ein Fahrzeug nach dem anderen auf den Parkplatz am Solebad Werne. Dort hatte Verdi die Protestaktion für den Amazon-Streik organisiert. Doch bis die rund 200 Fahrzeuge Aufstellung genommen hatten, dauerte es einige Zeit.

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Verdi-Protest auf dem Solebad-Parkplatz

Die eigentliche Kundgebung begann um 14 Uhr und dauerte keine halbe Stunde. Der Werner Amazon-Vertrauenleutesprecher Aziz Vonkralik verkündete in seinem Beitrag die erste Überraschung: „Wir weiten den Streik um zwei Tage bis einschließlich Dienstag aus.“ Ursprünglich sollte der am späten Mittwochabend begonnene Streik Samstag enden. Nun weitete Verdi ihn auf Montag und Dienstag aus (Sonntag wird nicht gearbeitet).

Verdi kündigt weitere Streiks bei Amazon an

Die zweite Überraschung, eher eine unheilvolle Drohung, sprach dann der für Werne zuständige Gewerkschaftssekretär Karsten Rupprecht aus. „Ich glaube, das wird nicht der letzte Arbeitskampf in diesem Jahr gewesen sein.“

Als dritter Redner hatte Nils Böhlke von der Verdi-Landesfachgruppenleitung in Düsseldorf den immensen Reichtum von Amazon-Eigner Jeff Bezos angeprangert und gefordert, dass die Mitarbeiter einen gerechten Anteil davon bekämen. „Wir wollen einen gerechten Tarifvertrag des Einzelhandels und wir wollen einen Tarifvertrag für gute Gesundheit“, erneuerte Böhlke die bekannten Verdi-Forderungen gegenüber Amazon.

Verdi-Kundgebung in Form eines „Autokinos“

Die Kundgebung war aufgrund der Corona-Hygiene-Schutzverordnungen in Form einer „Autokino-Demo“ organisiert. Die Teilnehmer – die Polizei spricht von 200 Fahrzeugen und 270 Personen – fuhren mit ihren Wagen auf den Parkplatz und sollten sich im oder in unmittelbarer Nähe ihres Wagens aufhalten. Außerdem war Mund-Nase-Schutz Pflicht.

Das alles hat, auch dank mehrmaliger Aufrufe der Organisatoren, gut geklappt. Polizei oder Ordnungsamt mussten nicht einschreiten. Nach der Kundgebung war noch ein Autokorso geplant. Die Polizei bahnte den 200 Karossen vom Solebad-Parkplatz einen Weg an der Innenstadt vorbei. Auf dem Parkplatz von Amazon im Wahrbrink löste sich der Korso dann auf.

Zu den Forderungen von Verdi entgegnet Amazon-Sprecher Thorsten Schwindhammer: „Amazon bietet ein Umfeld, in dem man gerne arbeitet, sich einbringen und erfolgreich sein kann. Tatsache ist, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Amazon bereits von exzellenten Löhnen, exzellenten Zusatzleistungen und exzellenten Karrierechancen profitieren.“ Der Streik habe keinen Einfluss auf Kundenlieferungen, da der aller größte Teil der Mitarbeiter am Standort Werne normal arbeite.

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Redaktion Werne
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Jörg Heckenkamp
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