Unfallflucht, ja oder nein? 27-jähriger redet sich mit Wasserflasche heraus

dzAmtsgericht Lünen

Nach einem Rempler mit einem anderen Auto soll der 27-jährige Fahrer bewusst abgehauen sein. Behauptet jedenfalls ein Zeuge. Der Fahrer präsentiert eine ganz andere Version der Geschichte.

von Sylvia Mönnig

Werne, Lünen

, 07.08.2020, 15:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach einer Kollision mit einem anderen Auto sollte ein junger Mann aus Werne verschwunden sein, ohne sich um den angerichteten Schaden zu kümmern. Vor Gericht beteuerte er nun aber, gar nichts von einem Unfall gewusst zu haben.

Am Mittag des 20. Mai 2019, so zumindest schilderte es ein Anwohner im Bereich der Straße Beckingshof später, hörte er einen lauten Knall. Er schaute daraufhin aus dem Fenster, sah den jungen Werner, wie er zu seiner Heckklappe ging, die öffnete, sich seine und eine fremde Stoßstange anguckte, wieder in den Wagen stieg und davonfuhr.

Halterin entdeckt 500 Euro teuren Schaden an ihrem Pkw

Danach ermittelte der Zeuge die Halterin des anderen Fahrzeugs, wies sie auf den Vorfall hin und die entdeckte tatsächlich einen offenbar frischen und etwa 500 Euro teuren Schaden. Daraufhin wurde dem 27-Jährigen, den der Zeuge vom Fenster aus beobachtete, unerlaubtes Entfernen vom Unfallort zur Last gelegt.

Erst eine Woche später, so erinnerte sich der Werner nun im Prozess vor dem Amtsgericht Lünen, habe er von dem Unfall erfahren. „Ich wusste gar nichts davon“, beteuerte er. Tatsächlich sei er an dem Mittag ausgestiegen, aber nicht, um sich irgendetwas anzusehen, sondern um eine Flasche Wasser aus dem Kofferraum zu holen.

27-Jähriger kann sich nicht an anderes Auto erinnern

Die habe er vergessen und deshalb noch einmal gestoppt. An ein anderes Auto könne er sich gar nicht erinnern. Passend dazu erklärte sein Bekannter, der ihm das Auto leihweise zur Verfügung stellte, bis auf eine alte Macke, die er selbst verursacht habe, nichts gesehen zu haben.

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Der damalige Zeuge blieb jedoch bei seiner Version und verwies erneut auf einen lauten Knall. Er hatte keine Zweifel: „Das war eindeutig ein Auto, das auf ein anderes Auto gefahren ist.“ Zudem erklärte er, dass der junge Werner nichts aus dem Kofferraum geholt habe – „kein Stück“.

Richter will an „lauten Knall“ nicht glauben

In dieser Situation hätte das Gericht das Gutachten eines Kfz-Sachverständigen einholen können. Allerdings machte der Richter aus seinem Herzen keine Mördergrube. Er erklärte, dass er Bedenken habe, den „lauten Knall“ mit dem vorhandenen Schadensbild in Einklang zu bringen. Auch wies er darauf hin, dass der Zwischenfall bereits länger als ein Jahr zurücklag und der Werner zudem keine Voreintragungen im Strafregister hatte.

Unter diesen Voraussetzungen wurde das Verfahren vorläufig eingestellt und dem 27-Jährigen aufgegeben, bis Mitte Oktober 150 Euro Geldbuße zugunsten des Verkehrsclub Deutschland zu zahlen. Erfüllt er diese Auflage in der gebotenen Frist, kann seine Akte endgültig zugeklappt werden. Ansonsten wird der Fall neu aufgerollt.

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