Trotz starker Schmerzen: Werner wartet in Corona-Krise auf Operation

dzCoronavirus in Werne

Norbert Siemund leidet seit vergangenem Herbst unter starken Rückenschmerzen. Eigentlich müsste der Werner operiert werden. Doch wegen der Corona-Krise ist das im Moment nicht möglich.

Werne

, 16.04.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Norbert Siemund aus Werne leidet unter starken Rückenschmerzen. „Mir zieht es über das Gesäß bis in den Oberschenkel. Wenn ich in der Nacht Wadenkrämpfe habe, wache ich auf.“ Wie ein permanenter Hexenschuss fühle sich das an. Manchmal, sagt Siemund, habe er Glück. Denn wenn die Krämpfe ausblieben, dann könne er zumindest durchschlafen. Der Werner muss operiert werden. Doch wegen der Corona-Krise ist das im Moment nicht möglich.

Im September vergangenen Jahres fingen seine Rückenschmerzen an. Daraufhin ging Siemund zum Arzt. Bei einem Eingriff wurden einige Nerven, die vom Rücken ins Gehirn führen, abgetötet. Nach einigen Wochen aber seien die Schmerzen wieder aufgetreten. Der Eingriff wurde wiederholt. Doch alles ohne langanhaltenden Erfolg. „Die Schmerzen blieben“, sagt Siemund.

Schmerzen könnten mit einer OP behoben werden

„Ich bin dann zum Orthopäden gegangen. Der sagte mir, dass man am besten ein CT machen sollte“, erinnert sich der Werner. Per Zufall bekam Siemund einen Termin in der Wirbelsäulenchirurgie des Werner St.-Christophorus-Krankenhauses Ende März. Die Diagnose: ein Bandscheibenvorfall und Talg-Fett-Masse, die auf den Spinalkanal im Rücken drücke.

Würde man die Masse entfernen, wäre Norbert Siemund wieder schmerzfrei, sagt ihm der Arzt. Doch wegen des Coronavirus dürften derzeit keine aufschiebbaren Operationen durchgeführt werden. Enttäuscht und mit dem Hinweis, sich Ende April wieder zu melden, geht Siemund nach Hause.

Drei Schmerztabletten nimmt Norbert Siemund täglich: morgens eine Ibuprofen 800, mittags eine Tilidin (ein Opioid) und abends noch eine Ibuprofen 800. Wenn die Schmerzen ganz stark sind, weicht die Ibuprofen einer zweiten Tilidin. „Ich stopfe mich mit Schmerzmitteln voll bis zum Anschlag“, sagt Siemund. „Meine Lebensqualität ist gleich null.“

Mehr als 50 Meter kann Norbert Siemund nicht mehr laufen

Mehr als 50 Meter am Stück könne er nicht mehr laufen, sagt der Werner. Alle Erledigungen im Alltag macht seine Frau.

„Selbst wenn das Krankenhaus ab dem 30. April wieder operieren darf: Wie lange muss ich dann warten?“, fragt Siemund. Schließlich sei er ja nicht der Einzige, der auf einen OP-Termin warte.

„Es geht nicht gegen das Krankenhaus“, sagt Siemund. „Ich habe ein tolles Gespräch mit dem Arzt gehabt und hatte das Gefühl, ihm tat das selber leid, dass er mich nicht operieren kann.“ Doch wenn er gleichzeitig lese, dass andere Krankenhäuser in Deutschland wegen Unterbeschäftigung über Kurzarbeit nachdenken, dann ärgere ihn das.

„Es geht nicht um die Kapazitäten“, sagt Ludger Risse, Pflegedirektor und Standortleiter des St.-Christophorus-Krankenhauses in Werne. Wir sind sehr vorsichtig, weil auch Menschen ohne Symptome Virusträger sein können.“ Bestehe Lebensgefahr, gehe das natürlich vor.

Menschen, die operiert werden müssen, werden auf das Coronavirus getestet und müssen sich dann bis zum negativen Test und der OP isolieren.

Dauerbetrieb unter Vollschutz wäre Ressourcenverschwendung

„Ansonsten müssten wir alle Patienten unter Vollschutz operieren. Das würde einen Ressourcenverbrauch machen, der nicht passt.“ Generell sei die Anordnung, zeitunkritische Operationen zu verschieben. „Das ist auch sinnvoll“, sagt Risse. Andernfalls könnten Virusträger das Krankenhauspersonal infizieren und für Ausfälle sorgen. „Deswegen sind wir da sehr zurückhaltend, was wir behandeln.“

Viele Patienten riefen an, um sich nach dem Stand ihrer Behandlung zu informieren. Viele hätten Verständnis. Andere sagten ihre OP von sich aus ab.

„Schmerz ist so eine Abwägungssache“, sagt Risse. Denn dabei müsse man auch bewerten, ob durch Schmerzmedikamente Nebenwirkungen oder weitere Komplikationen auftreten könnten. Generell empfiehlt der Standortleiter Patienten, sich zu den Geschäftszeiten an das Sekretariat des Krankenhauses zu wenden (Tel. 02389/1280).

Norbert Siemund nahm daraufhin noch einmal Kontakt zur Wirbelsäulenchirurgie auf und schildert seine Symptome. Dort hieß es, dass der Arzt derzeit im Urlaub sei und Siemund bis nächste Woche warten solle. Nun bleibt dem Werner nur eines: Warten.

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