An der Marga-Spiegel-Sekundarschule in Werne ist am Mittwoch ein Coronafall bekannt geworden. © (A) Felix Püschner
Coronavirus in Werne

Trotz Coronafall an Marga-Spiegel-Schule: Gesundheitsamt testet Klasse nicht

An der Werner Marga-Spiegel-Schule ist am Mittwoch (30. September) ein neuer Coronafall bekannt geworden. Obwohl das Schulkind beim letzten Kontakt mit seiner Klasse offenbar schon Symptome zeigte, will das Gesundheitsamt die Klasse nicht testen.

An der Marga-Spiegel-Schule in Werne ist am Mittwoch (30. September) ein Coronafall bekannt geworden. Dennoch hat das Gesundheitsamt des Kreises Unna entschieden, den Klassenverbund nicht testen zu lassen. Dafür hat die Mutter einer Schülerin in der Klasse kein Verständnis.

Die Wernerin (Name der Redaktion bekannt) ist in der Altenpflege tätig. Ihre Tochter geht auf die Marga-Spiegel-Sekundarschule – in die Klasse, in der nun der neue Fall bekannt geworden ist. Dass die Klasse ihrer Tochter nicht auf das Coronavirus getestet wird, kann die Wernerin nicht verstehen.

Am Montag wurde der betroffene Schüler der Klasse auf das Virus getestet. Am Mittwoch dann habe die Schule das positive Ergebnis verkündet, so die Mutter. Am Donnerstag (22. September) letzter Woche war das Kind zum letzten Mal in der Schule und habe laut der Wernerin schon da über Beschwerden geklagt. Die Klasse habe an diesem Tag eine wichtige Arbeit geschrieben, so die Wernerin. Danach sei der Schüler weiter telefonisch mit der Schule in Verbindung geblieben, um abzuklären, wie er weiter vorgehen soll.

„Das Kind wurde uns am Montag als symptomatisch gemeldet“

Zwischen dem letzten Kontakt des nun nachweislich infizierten Kindes zu seiner Klasse am Donnerstag (24. September) und seinem Coronatest am Montag lagen also drei Tage. Trotzdem sieht das Gesundheitsamt des Kreises Unna keinen Anlass dafür, den ganzen Klassenverbund zu testen. Alle können weiterhin zur Schule gehen.

Die Begründung des Kreises Unna: „Das Kind wurde uns am Montag (28. September) als symptomatisch gemeldet. Gemäß den Vorgaben des RKI [Robert-Koch-Institut, Anm. d. Red.] wird bei der Kontaktpersonenermittlung 48 Stunden zurückgegangen. In diesem Zeitraum gab es keinen Schul-/Klassenkontakt“, so die Pressesprecherin Constanze Rauert. Grundsätzlich gelte, wer Symptome habe, müsse sich an einen Arzt wenden, um das weitere Vorgehen abzuklären.

Laut Robert-Koch-Institut müssen „Personen mit Kontakt ab 48h vor Probenabnahmedatum“ nachverfolgt werden. Zu den unmittelbaren Kontaktpersonen (Kategorie 1) gehören solche, die zu einem nachweislich Infizierten einen mehr als 15-minütigen Kontakt mit einem geringeren Abstand als 1,5 Meter hatten. In dieselbe Kategorie fallen aber auch Kontaktpersonen, die sich mit der nachweislich infizierten Personen in einer relativ beengten Raumsituation „unabhängig von der individuellen Risikoermittlung“ aufgehalten haben.

„Die ganzen Aerosole fliegen doch im Klassenraum rum“

Auf die Information, dass der Schüler offenbar schon am Donnerstag (22. September) über Symptome geklagt hatte, ging der Kreis Unna nicht ein. Die Werner Mutter hat ihre Tochter am Donnerstag zunächst zu Hause behalten. Auch, weil sie im Beruf mit alten Menschen zu tun hat, die bekanntlich zur Risikogruppe gehören, macht sich die Wernerin Sorgen. „Die ganzen Aerosole fliegen doch im Klassenraum rum.“ Dass das Gesundheitsamt die Klasse nicht testen will, gehe ihrer Meinung nach „gar nicht“.

Auch eine Nachfrage bei ihrer Hausärztin stellte sich ebenfalls als ernüchternd heraus: Wenn das Gesundheitsamt eine Testung für nicht nötig erachte, dann könne man sich nur auf eigene Kosten testen lassen. Kostenpunkt: rund 140 Euro. „Ich habe ziemlich Schiss und ich muss am Wochenende wieder arbeiten“, so die Wernerin. „Wenn es nur ein Verdacht wäre, dann könnte ich das Vorgehen des Gesundheitsamtes ja verstehen.“

Die Schulleitung der Marga-Spiegel Sekundarschule war zu diesem Fall am Donnerstag trotz mehrfacher Anfragen nicht zu erreichen. Das Jugenddezernat meldete sich am späten Donnerstagnachmittag zurück, verwies jedoch auf die Anordnungen des Gesundheitsamtes des Kreises Unna. Zwischenzeitlich war von der Mutter aber zu hören, dass die Schulleitung versuche, eine Testung beim Kreis Unna durchzubekommen.

Über die Autorin
Redakteurin
Gebürtige Münsterländerin, seit April 2018 Redakteurin bei den Ruhr Nachrichten, von 2016 bis 2018 Volontärin bei Lensing Media. Studierte Sprachwissenschaften, Politik und Journalistik an der TU Dortmund und Entwicklungspolitik an der Philipps-Universität Marburg. Zuletzt arbeitete sie beim Online-Magazin Digital Development Debates.
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Eva-Maria Spiller

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