Die Komödie am Kurfürstendamm (v.l. Katja Weitzenböck, Dominic Raacke, Jana Klinge und Romanus Fuhrmann) gastiert mit dem Stück „Die Niere“ in Werne. © Michael Petersohn/www.polarized
Kultur in Krisenzeiten

Theater in Werne: So sieht der Spielplan für die Saison 2021/22 aus

Musical, Theater, Kabarett – der Kulturbetrieb bleibt in Zeiten der Pandemie weiter auf der Strecke. Dennoch stehen die Planungen nicht still. Worauf darf sich das Werner Theaterpublikum noch freuen?

Verschieben geht vor Absagen – unter diesem Motto steht die Planung des Theaterprogramms durch das Kulturbüro der Stadt seit Monaten. Genau genommen seit Beginn der Pandemie. „Wir möchten nicht einfach alle Planungen fallen lassen. Wir wollen die Verträge aufrecht und die Agenturen dadurch am Leben erhalten. Klar ist aber auch: Sicherheit hat absolute Priorität. Die Sicherheit des Publikums – und die Sicherheit der Künstler“, sagt Marlies Schmid-Goßheger vom Kulturbüro.

Verschieben musste die Stadt die geplanten Theater- und Kabarett-Stücke in den vergangenen Monaten zuhauf. Angefangen beim Traumtheater Salomé bis hin zu „Günna unterwegs“. Letzteres sogar gleich zweimal. Möglicherweise gibt‘s das Programm des Kabarettisten 2021 in Werne unter freiem Himmel zu sehen. Open-Air-Veranstaltungen wären in Zeiten, in denen der Kolpingsaal an der Münsterstraße nur bedingt oder gar nicht genutzt werden kann, eine willkommene Alternative.

Diese Theaterstücke sind für die Saison 2021/22 in Werne geplant

Die Gastspiele „Oskar Schindlers Liste“ sowie „Schtonk“ und „Mr. President first“ fielen ebenfalls ins Wasser – und tauchen daher nun im Programm für die Theater-Saison 2021/2022 auf. Die Mitglieder des Ausschusses für Kultur, Partnerschaften, Stadtmarketing und Brauchtumspflege hätten in ihrer kommenden Sitzung eigentlich grünes Licht für das Programm geben sollen. Dass besagte Sitzung nun abgesagt wurde, bedeutet nun aber keinesfalls, dass die Pläne des Kulturbüros direkt wieder im Mülleimer landen.

Schließlich ist es noch eine Weile hin, bis zum Saisonstart – und damit noch jede Menge Luft für die politische Zustimmung. Und was erwartet das Werner Theaterpublikum in der kommenden Spielzeit nach jetzigem Stand? Wir geben einen Überblick…

Eine wahre Geschichte: Oskar Schindlers Liste (November 2021)

Insgesamt 14 Schauspieler in 27 Rollen sollen in dem Stück „Oskar Schindlers Liste“ auf der Bühne stehen. Die Handlung beginnt auf einem Dachboden im niedersächsischen Hildesheim im Jahr 1997: Die Kinder des verstorbenen Ehepaares Staehr lösen den Hausstand ihrer Eltern auf – und ahnen noch nicht, dass sie einen Koffer von Oskar Schindler finden werden, in dem zig Original-Listen sowie Fotos und Briefe lagern. Was folgt, ist eine Reise in die Vergangenheit.

Dem deutschen Unternehmer Oskar Schindler war es 1945 gelungen, mehr als 1.000 Juden vor den NS-Vernichtungslagern zu bewahren. Steven Spielberg hatte Oskar Schindler bereits 1993 in Hollywood ein filmisches Denkmal gesetzt hat. 2018 kam der Stoff in einer ganz eigenen Fassung weltweit erstmals auf die Theaterbühne. „Die Welturaufführung übertraf alle Erwartungen und hinterließ bei jeder der fast 50 Vorstellungen ein zutiefst bewegtes und berührtes Publikum“, heißt es in der Vorschau des Kulturbüros.

Auf ein Neues: Marlies Schmid-Goßheger zeigt ein Plakat für die Satire „Schtonk“. Das Stück wurde auf Dezember 2021 verlegt.
Auf ein Neues: Marlies Schmid-Goßheger zeigt ein Plakat für die Satire „Schtonk“. Das Stück wurde auf Dezember 2021 verlegt. © Andrea Wellerdiek © Andrea Wellerdiek

Feinste Realsatire – ungebremst aktuell: Schtonk! (Dezember 2021)

Die Realsatire „Schtonk!“ basiert auf dem Film von Helmut Dietl aus dem Jahr 1992 – und wirkt „in Zeiten von Fake News und Rechtspopulismus ungebremst aktuell“, wie es in der Programmankündigung heißt. Zum Inhalt: Hermann Willié ist Skandalreporter – und seit Kurzem stolzer Besitzer der etwas heruntergekommenen Jacht des von ihm hochverehrten NS-Reichsmarschalls Hermann Göring.

Dummerweise hat Willié sich mit dieser Investition finanziell überhoben. Nun ist er auf der Suche nach einem echten Knüller, einer journalistischen Sensation. Die scheint auch gefunden, als ihm von einem Antiquitätenverkäufer das geheime Tagebuch des Führers angeboten wird. Williés Veröffentlichung sorgt für weltweites Aufsehen. Doch dann gerät der erhoffte Hype zu einem fatalen Desaster.

Ein echter Glücksfall: Dinge, die ich sicher weiß (Januar 2022)

Was das Publikum vom Schauspiel „Dinge, die ich sicher weiß“ von Andrew Bovell erwarten kann? Ganz einfach: „Ein Glücksfall für das Theater – und ein Fest für Schauspieler ist dieses humorvoll melancholische, auch an deutschsprachigen Theatern viel gespielte Wellmade Play, in dem jedes Wort an der richtigen Stelle steht: Kein Satz wird zu viel, aber auch kein Wort zu wenig gesagt“, heißt es in der Vorschau.

Im Zentrum des Stücks steht die Familie Price. Es geht um Hoffnungen, Pläne, Geheimnisse, um streiten, lachen und versöhnen. Bovell erklärt den Inhalt selbst so: „Das Stück entfaltet sich anhand der vier Jahreszeiten, in denen je eines der erwachsenen Kinder eine Identitätskrise erlebt. Der Akzent des Stückes liegt dabei nicht so sehr auf diesen vier Krisen, sondern auf den Auswirkungen, die sie für die Eltern (den nach seiner vorzeitigen Entlassung zum Hobby-Rosenzüchter gewordenen Bob und Fran, die als Krankenschwester die Familie ernährt) haben“.

Auch nach der Wahl noch gut: Mr. President first (Februar 2022)

Um die Vorlage für das Boulevardstück von Stefan Zimmermann zu finden, muss man nicht lange suchen. Aber – so heißt es in der Ankündigung: „Bei allem Dialogwitz, aller Situationskomik geht es hier nicht um simples Trump-Bashing, sondern um die Frage, wie sich die Spielregeln der politischen Willensbildung und auch -manipulation in Zeiten noch nie dagewesener Medienvielfalt verändern. Eine ebenso spannende wie unterhaltsame Auseinandersetzung mit dem Rechtspopulismus.“

Zum Inhalt: Ein Milliardär gründet eine neue Partei und macht den einflussreichen Fernsehstar Edward Tishler zu ihrem Präsidentschaftskandidaten. Geschickt nutzt man die moderne Vielfalt der Medienkanäle, Tishlers Umfragewerte schnellen in die Höhe, die Partei feiert ihn. Als er jedoch beginnt, seine streng vorgegebene Rolle zu verlassen, wendet sich das Blatt zugunsten des politischen Gegners. Seine Lage scheint zunehmend ausweglos, zumal er ins Visier dunkler Mächte gerät.

Ping-Pong-Dialoge mit tiefgründiger Frage: Die Niere (März 2022)

Das, was das man in der Programmvorschau über die Komödie von Stefan Vögel findet, klingt vielversprechend: „Stefan Vögel hat eine Komödie geschrieben, die nicht an die Nieren, sondern ans Herz geht. Seine Ping-Pong-Dialoge werfen die Frage auf, woran sich eine Liebesbeziehung misst. Und am Ende stellt sich die alles entscheidende Frage: Liebling, was bist Du bereit, für mich zu tun?“

Zum Inhalt: Nach einer gemeinsamen Vorsorgeuntersuchung kommen Arnold, ein erfolgreicher Architekt, und seine Ehefrau Kathrin nach Hause. Er ist kerngesund, doch bei ihr wurde ein Nierenleiden festgestellt, weswegen sie eine Spenderniere braucht. Die beiden erwarten jeden Augenblick Besuch von ihren Freunden Diana und Götz, mit denen sie einen sensationellen Auftrag feiern wollen, den Arnold an Land gezogen hat. Doch nun steht ganz klar die Frage im Raum: Ist Arnold bereit, seiner Frau eine Niere zu spenden?

Er ist überfordert und zögert – umso mehr Überraschung löst sein Freund Götz bei allen Beteiligten aus: Er hat die passende Blutgruppe und bietet sofort an, eine Niere für Kathrin zu spenden. Nun bricht ein regelrechter Hahnenkampf um die Organspende aus, bei dem alle Beteiligten Federn lassen müssen.

Aktuelle Veranstaltungen

In der laufenden Theatersaison 2020/21 stehen noch drei Veranstaltungen auf dem Programm: das Traumtheater Salomé am 16. März sowie die beiden Musicals Udo Jürgens (15. April) und Spatz und Engel (28. Mai). Ob diese stattfinden können, ist angesichts der unklaren Lage derzeit noch nicht absehbar.

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Redakteur
Geboren 1984 in Dortmund, studierte Soziologie und Germanistik in Bochum und ist seit 2018 Redakteur bei Lensing Media.
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