Wenn man wie Christoph Feldmann (38) seit vielen Jahren als Taxifahrer unterwegs ist, bekommt man jede Menge kuriose Geschichten mit. Ein paar davon hat uns der Werner auf einer Tour erzählt.

Werne

, 23.07.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Einsteigen bitte! Christoph Feldmann (38) vom gleichnamigen Werner Taxiunternehmen stellt den Taxameter an. Für unsere kleine Tour durch Werne hat er uns ein paar nette Geschichten angekündigt. „Wenn ich ein Buch schreiben würde, dann wäre es bestimmt ein Bestseller“, sagt er und grinst.

Na, dann legen Sie mal los, Herr Feldmann...

Irgendwo hat jede Fahrt ihren Anfang. In unserem Fall ist es das Werner Stadthaus. Und wir wollen natürlich wissen: Wie fing eigentlich Feldmanns Taxi-Laufbahn an? Er selbst fahre jetzt schon 17 Jahre, das Unternehmen gebe es aber bereits seit 1988 und im Prinzip sei auch tatsächlich jedes Familienmitglied im Geschäft: Mutter, Schwester, Ehefrau, Bruder. Sogar die Tochter sei schon mit von der Partie. Die ist zwar erst eineinhalb Jahre alt, eifert dem Papa aber schon im Bobbycar nach. Personenbeförderung scheint der Familie also im Blut zu liegen.

„Wenn ich nicht gerade Taxi fahre, dann arbeite ich bei der Bahn.“
Taxifahrer Christoph Feldmann

Während Feldmann das erzählt, kommen wir am Werner Bahnhof an. Bus und Bahn – da könnte beim Taxifahrer doch vielleicht die Laune etwas in den Keller gehen, oder? Ist ja schließlich irgendwie schon Konkurrenz. Aber Feldmann grinst schon wieder. „Nö“, sagt er. „Wenn ich nicht gerade Taxi fahre, dann arbeite ich bei der Bahn.“ Als Elektriker in der Werkstatt. Ein Taxifahrer, der bei der Bahn arbeitet. Alle Achtung, der Mann fährt anscheinend problemlos zweigleisig.

Die kuriosen, besonderen Geschichten erlebt er aber, wenn er hinterm Lenkrad seiner E-Klasse sitzt. „Da war mal dieses Brautpaar“, sagt Feldmann – und lacht schon wieder. Er habe die frisch Verheirateten gerade vom Standesamt abgeholt und nach Hause bringen wollen, als unter ihnen plötzlich eine Diskussion um den Wohnungsschlüssel ausbrach: „Hast du ihn?“ – „Nein, du!“

Die beiden hätten sich dann ein bisschen in die Haare bekommen. „Und dann sagte der Bräutigam, ich solle sie bitte direkt zum Amtsgericht fahren. Er wolle die Scheidung. Das stellte sich zum Glück als Scherz heraus“, erinnert sich Feldmann.

Pizzalieferung ins Krankenhaus

Eigentlich habe Feldmann ein gutes Gespür für die Gemütslage seiner Fahrgäste. Kein Wunder, denn viele von ihnen sind echte Stammgäste: „Die begleitet man über viele Jahre. Erst holt man sie von der Schule ab. Und ein paar Jahre später bringt man sie zur Party. Wenn man sie dann abholt, schlafen sie auch schon mal im Taxi ein. Das ist aber völlig okay.“

Als wir am Krankenhaus ankommen, packt Feldmann direkt die nächsten Anekdoten aus. Das Hauptgeschäft des Unternehmens seien nämlich Krankenfahrten. Und die führen nicht nur zum Christophorus-Krankenhaus. „Ich habe auch schon mal eine Dame zur Reha nach Konstanz am Bodensee gebracht. 650 Kilometer – und dann hatte sie auch noch einen Vogel im Käfig dabei, der die ganze Zeit munter gezwitschert hat“, erzählt Feldmann. Eine nervige Fahrt also? „Ach was, das war doch unterhaltsam.“ So, so...

Scheidungswünsche auf dem Rückweg vom Standesamt und 650 Kilometer Vogelgezwitscher

Ein Navi benötigt Feldmann für die Fahrten mit seiner neuen E-Klasse nicht – es sei denn, es geht in irgendwelche verborgenen Seitenstraßen in die Nachbarstädte. Die Wege zum Flughafen nach Hannover oder Frankfurt kennt er im Schlaf, denn dort fährt er seine Fahrgäste regelmäßig hin. Auch deswegen hatte das Vorgängertaxi nach ein paar Jahren schon 750.000 Kilometer auf dem Tacho. © Felix Püschner

Und wenn er keine Patienten und ihre gefiederten Freunde durch halb Deutschland transportiert, dann können es – innerhalb Wernes – auch schon mal Pizza und Burger sein. Das Krankenhausessen ist nun mal nicht jedermanns Sache. Doch plötzlich geht Feldmanns Laune doch ein wenig in den Keller.

„Wenn man Menschen über viele Jahre begleitet, dann bekommt man natürlich auch die schlechten Sachen mit. Gerade bei Krankentransporten. Wenn auf einmal ein Stammkunde nicht mehr da ist und man sich denken kann, was passiert ist – dann ist das schon traurig“, sagt Feldmann.

Er selbst pflegt fast schon eine freundschaftliche Beziehung zu einigen seiner Kunden. Aber er sei nicht der Typ, der sich von solchen Dingen lange herunterziehen lässt. Dazu erlebe er viel zu viele positive Geschichten.

Werne oder Dänemark – Hauptsache Urlaub

Dazu gehört auch die Geschichte, die der 38-Jährige erzählt, als wir am Solebad ankommen. Erholung und ein bisschen Urlaubsfeeling finden hier nämlich offensichtlich nicht nur die Werner und Besucher aus den Nachbarstädten, sondern auch Leute aus dem Ausland.

So, wie die Familie aus Frankreich, die sich vor einiger Zeit auf den Weg nach Dänemark machte, aber mit dem Auto in Werne liegen blieb. „Die entschlossen sich dann kurzerhand, ihren Urlaub hier zu verbringen. Und ich durfte sie drei Tage lang durch die Gegend fahren“, sagt Feldmann.

Was der ganze Urlaubsspaß die Familie inklusive Werkstattreparatur und Taxifahrten gekostet hat, weiß Feldmann nicht. Die Fahrt, die wir mit dem Werner durch die Lippestadt gemacht haben, endet am Markt und kostet knapp 21 Euro. Für gut 20 Minuten voller amüsanter Geschichten ist das kein schlechter Preis.

  • Im August steigen die Taxipreise im Kreis Unna. Eine Tour von 5 Kilometern und 2 Minuten Wartezeit kostet im Tagtarif dann beispielsweise 14,60 Euro (bislang 13,70 Euro). Bei Nachtfahrten sind es 15,50 Euro (bisher 14, 60 Euro).
  • Nicht alle Taxiunternehmen halten die Erhöhung für ausreichend - auch wegen der steigenden Betriebskosten. Christoph Feldmann sagt zu den Preisen: „Natürlich will jeder Fahrgast so günstig wie möglich von A nach B. Allerdings müssen auch wir Taxiunternehmen Geld verdienen.“
  • Die nachgefragteste Route für das Taxiunternehmen Feldmann seien Fahrten aus Stockum in die Werner Innenstadt, zum Einkaufen oder zum Solebad.
  • Feldmann ist das einzige Fahrtunternehmen in Werne, das überhaupt noch ein Taxi hat – und zwar genau eins. Bei den übrigen Fahrzeugen handelt es sich um Mietwagen. Der Vorteil: Hierfür brauchen die Fahrer – von denen es bei Taxi Feldmann derzeit 18 gibt – keinen Taxischein.
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