Tafel-Vorsitzende zu Corona-Situation: „Für viele wird Weihnachten armselig“

dzTafeln in Kreis Unna

Drei Tafel-Ausgabestellen im Kreis Unna sind derzeit geschlossen, viele Mitarbeiter gehören zur Risikogruppe. Für die Weihnachtszeit bittet die Unnaer Tafel um die Mithilfe der Bevölkerung.

Werne

, 12.11.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Seit Mitte Oktober ist die Tafel in Werne geschlossen. Und das wird zunächst auch bis Ende November diesen Jahres so bleiben, sagt Dieter Schimmel, Koordinator der Tafelausgabe Werne, auf Anfrage. Das Problem: Die aktuellen Coronazahlen in Werne und der Umstand, dass viele der Werner Helfer durch ihr fortgeschrittenes Alter selbst zur Risikogruppe gehören. Ende des Monats werde man entscheiden, wie es mit den Öffnungszeiten der Werner Tafel weitergeht, so Schimmel.

Auf 57 bis 70 Haushalte, also bis zu 240 Personen, schätzt Ulrike Trümper, Erste Vorsitzende der Unnaer Tafel, die Anzahl der Menschen, die Kunden bei der Werner Tafel sind. Dem gegenüber steht die Gesundheit der Mitarbeiter der einzelnen Ausgabestellen. „In Werne sind die Mitarbeiter zwischen 75 und 85 Jahren alt. Die haben gesagt, wir lassen die Ausgabestelle zu, solange die Zahlen nicht runtergehen“, so Trümper. Viele seien seit circa 12 Jahren jeden Mittwoch in der Tafel. „Solche Menschen kann man nicht ersetzen.“ Und jüngere Menschen stünden in Brot und Lohn und tagsüber nicht verfügbar, Schüler, die zeitweise mithalfen, seien mittlerweile im Studium. „Die Tafelkunden müssen das mittragen, dass mal 4 Wochen zu ist. Ich sehe auch die Verantwortung, die man für die Menschen hat in Coronazeiten.“

Trümper: „Wir versuchen jetzt, den Laden aufrechtzuerhalten“

Wie sich die Lage bei der Unnaer Tafeln seit Ausbruch der Pandemie entwickelt hat? „Schrecklich“, sagt die Erste Vorsitzende der Unnaer Tafel. Dass die Hygienebestimmungen eingehalten werden, sei klar. Doch neben den meist älteren Mitarbeitern in der Risikogruppe hätten auch viele 1-Euro-Jobber schwere Grunderkrankungen. Und die Studenten fehlen. „Wir versuchen jetzt, den Laden aufrechtzuerhalten. Die Waren müssen weiter abgeholt werden, sonst hat man keine Spender mehr.“

Dieter Schimmel, Koordinator der Tafelausgabe Werne.

Dieter Schimmel, Koordinator der Tafelausgabe Werne. © (A) Dominik Gumprich

8 Ausgabestellen zählt die Unnaer Tafel kreisweit. Lünen, Werne und Selm sind derzeit geschlossen. In Unna gibt es die Möglichkeit, die Waren an die Kunden über ein Fenster auszugeben. Das wolle man bald auch in Selm probieren. In Werne gebe es nicht die entsprechenden Gegebenheiten, um diese Art von Warenausgabe durchzuführen, so Trümper. Für sie ist unklar, wie sich die Kunden derzeit versorgen. Und macht klar, dass die Tafeln in erster Linie dafür da sind, Lebensmittel zu retten und keine staatliche Art von Versorgung anböten. „Die älteren Mitarbeiter haben das Recht wie jeder andere, sich zu schützen. Die Glocken schlagen in Coronazeiten anders.“ Wann eine Einrichtung schließt, liegt ganz im Ermessen der einzelnen Ausgabestellen.

Belieferung der Tafel-Kunden in Lünen hat nicht funktioniert

In Lünen habe die Tafel zeitweise versucht, die Kunden zu Hause zu beliefern, erklärt Trümper. Das habe aber nicht so gut geklappt. „Das kann man keinem zumuten“, so die Erste Vorsitzende. Zum einen seien die Kunden teilweise nicht zu Hause gewesen, zum anderen wollten viele Kunden nicht als Kunden der Tafel erkannt werden, wenn dort das Tafelauto vorfahre. „Das hat auch mit dem Schutz der Menschen zu tun, sodass letztendlich nur übrig bleibt, dass man zu macht. Wer richtig Not hat, kann nach Unna kommen“, sagt Trümper. „Wir haben sehr viel Ware. Wir bekommen aus den Geschäften viel mehr als sonst, weil viele weniger gezielt einkaufen gehen.“ Auch große Kühlunternehmen stellten der Tafel Waren zur Verfügung.

Und was kann man tun, wenn man derzeit helfen will? „Weihnachten steht vor der Tür, für viele wird es sehr armselig. Ich fände es gut, wenn Menschen Gutscheine spenden, damit sich die Leute was kaufen können. Das, was sie eigentlich wirklich wollen. Süßigkeiten und Kaffee bekommen die Kunden von uns“, sagt Trümper, und denkt dabei etwa an ein Stück Fleisch. Es gebe zu Weihnachten Menschen, die sehr liebevolle Päckchen packten, andere hingegen packten ihre alten Sachen in die Kartons.

Zur Höhe der Gutscheine sagt die Erste Vorsitzende der Unnaer Tafel: „Das muss keine riesen Summe sein, 15 Euro würden schon reichen. Lebensmittelgutscheine gibt es in jedem Laden, das kann aber auch für ein Restaurant sein, wo sie dann nach der Pandemie mal frühstücken können. Etwas, das persönlich ist.“

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