Das Fachwerkhaus Südmauer 27 verfällt seit Jahren. Nun will die Politik stärkere juristische Mittel einsetzen. © Jörg Heckenkamp
Meinung

Südmauer 27 in Werne verfällt: Die neuen Daumenschrauben sind wirkungslos

Seit Jahren verfällt ein prägnantes Gebäude in der Innenstadt von Werne. Nun will die Politik dem Eigentümer Daumenschrauben anlegen und rechtliche Schritte einleiten. Notfalls bis zur Enteignung.

Es ist ein prägnantes, denkmalgeschütztes (die Fassade) Gebäude nahe der Fußgängerzone in Werne. Das Fachwerkhaus an der Südmauer 27, gegenüber von Elektro Steinkuhl. Seit Jahren kümmert sich der Eigentümer nicht um den Erhalt, reagiert nur mit dem Nötigsten auf Anordnungen der Denkmalbehörde. Jetzt will die Politik dem Eigentümer Daumenschrauben anlegen.

In der jüngsten Sitzung des zuständigen Ausschusses für Stadtentwicklung und Planung stimmten die Anwesenden einhellig für einen Antrag der SPD. Darin fordern die Sozialdemokraten „Geeignete rechtliche Schritte gegen den Eigentümer der Immobilie Südmauer 27“. Die Verwaltung wird damit beauftragt, solche Schritte vorzubereiten, um das Objekt nachhaltig zu sichern sowie für eine Instandsetzung zu sorgen.

„Das Haus haben wir seit 17 Jahren in der Diskussion“

Benedikt Lange von der FDP sah den Antrag zwiespältig: „Eine Enteignung ist ein scharfes Schwert“. Einer Enteignung wolle er so nicht zustimmen. Seitens der SPD hieß es, dass das „ja nur der letzte Schritt“ sei. „Aber es muss jetzt mal Zug in die Sache kommen.“ Adelheid Hauschopp-Francke (SPD) warf ein, „dass wir diese Immobilie schon seit 17 Jahren in der Diskussion haben.“ Es müsse endlich was passieren.

Klaus Schlüter von den Bündnisgrünen stimmte dem zu: „Wir wollen uns von dem Eigentümer nicht länger an der Nase herumführen lassen.“ Doch die Tanzbär-Rolle wird die Politik und die Verwaltung wahrscheinlich noch länger einnehmen. Denn der SPD-Antrag ist entgegen der Auffassung von Benedikt Lange alles andere als ein scharfes Schwert.

Der Eigentümer dürfte die Folgen dieses Beschlusses eher so werten wie ein Kind, dass voller Ernst mit dem Holzschwert vor den Erwachsenen herumfuchtelt, die sich pflichtschuldig erschrocken zeigen, aber innerlich nur schmunzeln. Denn von Seiten der Denkmalbehörde können zwar Anordnungen kommen, das Gebäude zu erhalten. Etwa, wenn ein Loch im Dach ist.

Vergebliche Ansprache des Eigentümers

Aber wie der Eigentümer das macht, ob fachmännisch durch einen Dachdecker oder einfach mittels ein Folie – das kann Petra Göbel vom Denkmalschutz der Stadt Werne nicht anordnen. Auf Anfrage der Politik meinte Göbel, dass ihr schärfstes Schwert „die persönliche Ansprache“ ist. Verbunden mit der Hoffnung auf Einsicht. In diesem Falle offenbar seit 17 Jahren vergeblich.

Ein anderes rechtliches Instrument ist die Verkehrssicherungspflicht. Doch auch hier muss der Eigentümer sein Objekt nur so sichern, dass von ihm keine Gefahr für die Öffentlichkeit ausgeht. Mehr nicht.

Die Enteignungs-Androhung ist in diesem Falle wirkungslos.

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Redaktion Werne
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Jörg Heckenkamp
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