Wirt ist entsetzt über Platzverweis für Straßenmusiker: „So macht man die Innenstadt kaputt“

dzStraßenmusik in Werne

Nachdem ein Straßenmusiker vom Marktplatz verbannt wurde, ist ein Wirt entsetzt: „Das ist ein ganz trauriges Handeln. Man macht aufgrund der Reaktion einer Person die ganze Innenstadt kaputt.“

Werne

, 25.09.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit Trompete und Trommeln: Zuletzt ist immer wieder ein Straßenmusiker auf dem Marktplatz in Werne zu sehen. Während sich viele Zuhörer über die musikalische Untermalung freuen, ärgert es andere. Am Dienstagabend (15. September) hat sich aber mindestens ein Bürger davon gestört gefühlt und wegen Lärmbelästigung die Polizei gerufen.

Die wiederum hat den Musiker, der mit einem anderen Kollegen an diesem Abend gespielt hatte, des Platzes verwiesen. Sehr zum Ärger vieler Gäste, wie Andreas Nozar, Betreiber des am Marktplatz ansässigen Restaurants Stilvoll im Rathaus erklärt: „Alle Gäste fanden es toll. Es kam keinen einzigen Gast, der sich beschwert hat.“ Ganz im Gegenteil: Sie hätten die sehr schöne Atmosphäre genossen.

Viel Zuspruch für den Straßenmusiker in Werne

„Der Künstler hat Zuspruch bekommen. Man weiß ja auch, dass sie im Moment kein Geld verdienen können“, sagt Nozar. Umso unverständlicher ist seiner Meinung nach deshalb das Handeln des Ordnungsamtes. Schon in den Tagen vor dem Platzverweis durch die Polizei hätten Mitarbeiter des privaten Sicherheitsdienstes BKA in Werne den Musiker angesprochen und darum gebeten, mit dem Musizieren - unterstützt durch einen Verstärker - aufzuhören. Am Dienstagabend folgte dann der Platzverweis durch die Polizeibeamten.

Wie Werner Kneip aus dem Ordnungsamt der Stadt Werne erklärte, gebe es anders als in anderen Städten in Werne keine „Spielregeln“ für Straßenmusiker. Hier gilt aber das vom Land NRW aufgelegte Landesimmissionsgesetz. Darin heißt es etwa, dass Tongeräte oder Geräte, die der Schallerzeugung oder Schallwiedergabe dienen (sprich Verstärker), auf öffentlichen verboten sind, sobald andere Bürger dadurch belästigt werden können.

Jetzt lesen

Laut Kneip müssen Straßenmusiker in Werne ihren öffentlichen Auftritt nicht genehmigen lassen. „Wir schreiten nur ein, wenn sich jemand durch Lärmbelästigung gestört fühlt“, erklärt Werner Kneip.

Das sorgt bei Andreas Nozar aus dem Stilvoll für Kopfschütteln. „Das ist ein ganz trauriges Handeln der Stadt, wenn aufgrund einer Person ein Musiker des Platzes verwiesen wird und damit die ganze Innenstadt kaputt macht.“ Er betont noch einmal, dass alle seine Gäste die Musik nicht als störend, sondern als angenehm empfunden hätten.

„In der Innenstadt soll es doch gesellig sein“

Der Straßenmusiker, der selbst für die Redaktion bislang nicht erreichbar war, spielt regelmäßig auf dem Marktplatz. Er musiziert etwa für eine Stunde - meistens ab 18.30 Uhr, wie Andreas Nozar beobachtet hat. Eine Uhrzeit, die für den Betreiber und Wirt des Stilvoll im Rathaus für Straßenmusik völlig vertretbar ist. Die Beschwerde über Lärmbelästigung findet er unsäglich: „In der Innenstadt soll es gesellig sein, es soll belebt sein. Doch wie soll das ohne Geräuschkulisse gehen?“

Andreas Nozar, Betreiber des Restaurants Stilvoll im Rathaus, ist entsetzt darüber, dass der Straßenmusiker des Marktplatzes verwiesen wurde.

Andreas Nozar, Betreiber des Restaurants Stilvoll im Rathaus, ist entsetzt darüber, dass der Straßenmusiker des Marktplatzes verwiesen wurde. © Mario Bartlewski (A)

Lesen Sie jetzt