Das Gebüsch an der Südmauer-Ruine ist verschwunden, doch der Ärger der Nachbarin bleibt

dzWerner Stadtruine

Endlich tut sich etwas an der Ruine: Das Gebüsch an der Südmauer 27 wurde gerodet. Ein nicht nur sprichwörtlicher Lichtblick für Nachbarin Ursula Holtrup (68). Doch der Ärger bleibt.

Werne

, 24.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Weiße Farbe klebt an den Händen von Ursula Holtrup. Die 68-Jährige ist gerade dabei, ihr Fenster zu streichen. Das Fenster, durch das sie jahrelang nicht durchschauen konnte, weil es zugewuchert war. Ursula Holtrup lebt seit fast 16 Jahren an der Südmauer 29 – neben einer Bauruine.

Das Haus mit der Nummer 27 ist verwahrlost, der Garten eine einzige Dschungel-Landschaft. Ein Anblick, über den sich Nachbarin Ursula Holtrup ärgerte. Durch ihr Fenster am Esszimmer konnte sie aufgrund der bis zu zwei Meter hohen Büsche schon seit Jahren nicht mehr blicken, geschweige denn, es öffnen.

Das Gebüsch an der Südmauer-Ruine ist verschwunden, doch der Ärger der Nachbarin bleibt

Der Blick aus dem Fenster im Erdgeschoss ist nach Jahren wieder frei. © Andrea Wellerdiek

Inhaber reagiert nach Medienbericht

Das hat sich vor gut einer Woche geändert. „Endlich kann ich das Fenster wieder aufmachen. Ich kann mal rausgucken und im Esszimmer ist es deutlich heller. Das ist natürlich sehr schön“, sagt Ursula Holtrup. Die Bewohnerin des Nachbarhauses neben der Ruine, die unter Denkmalschutz steht, zeigt sich von den Rodungsarbeiten überrascht.

Lange sei nichts passiert. Die jüngste Berichterstattung dieser Redaktion habe den Inhaber, der sich laut Holtrup in Luxemburg aufhalten muss, wohl zum Handeln gebracht.

Das Gebüsch an der Südmauer-Ruine ist verschwunden, doch der Ärger der Nachbarin bleibt

An dem Fenster ist das Kabel der Telefonleitung aus der Wand gerissen. © Andrea Wellerdiek

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Schäden am Haus entdeckt

Als sie am Wochenende nach Hause kam, war das Gebüsch im Garten plötzlich verschwunden, erzählt Holtrup. Die Freude über die freie Sicht zu ihrem Haus wurde allerdings schnell wieder getrübt. Bei genauem Hinschauen entdeckte die 68-Jährige einige Schäden an ihrem Haus.

Die Platten etwa, die sie selbst vor rund 15 Jahren am Haus entlang als Fußweg angelegt hatte, seien zerstört und aus dem Fundament gehoben worden. Auch die Telefonleitung sei aus der Wand gerissen worden. „Wahrscheinlich hat der Bagger mit den Brombeersträuchern das Kabel mit herausgerissen“, sagt Ursula Holtrup.

Das Gebüsch an der Südmauer-Ruine ist verschwunden, doch der Ärger der Nachbarin bleibt

Ursula Holtrup hat endlich wieder freie Sicht aus dem Fenster im Erdgeschoss. © Andrea Wellerdiek

Inhaber sitzt wohl in Luxemburg

An ihrer Hausfassade sei stellenweise der Putz zerstört worden. Die Schäden müsse Ursula Holtrup auf eigene Kosten reparieren lassen. Wer letztlich für die Rodung des Grüns verantwortlich ist, weiß Holtrup nicht. Den Inhaber der Bauruine würde sie sowieso nicht zu Gesicht bekommen, erzählt Holtrup. Einen Rechtsanwalt einschalten will sie nicht.

Derweil überlegt Holtrup, wie sie ihr Haus nach der Freilegung des Nachbar-Gartens schützen könne. Den schmalen Gang zwischen den Häusern kann man nach der Rodung der Büsche nun einsehen.

Das Gebüsch an der Südmauer-Ruine ist verschwunden, doch der Ärger der Nachbarin bleibt

Ursula Holtrup bei einem Termin Anfang Juli. Das Grün ist nun verschwunden. © Nawid Nabisada (A)

Schutz vor Einbrechern

Vor etwa einem Jahr seien Unbekannte bereits in ihr Haus eingebrochen. Sie hätten sich ausgerechnet über die Bau-Ruine Zugang zu ihrem Haus verschafft. Von der Denkmal-Ruine nebenan seien auch Ratten als unerwünschte Gäste auf ihr Grundstück gekommen, erzählt Holtrup weiter.

Seit der Entfernung des Grüns habe sie aber keine Schädlinge mehr gesehen. Ob die Rodung erst der Anfang für eine Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes war, bleibt abzuwarten.

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An der Bauruine zeigt sich nun ein anderes Bild. © Andrea Wellerdiek

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