Hotelchef benimmt sich daneben - und darf trotzdem zum Stammeskönig nach Nigeria

dzReise nach Nigeria

Wenn Könige einen Gast empfangen, dann handelt es sich meist um Staatsmänner. Horst Nußbaum ist kein Staatsmann, sondern Inhaber des Stadthotels. Und dennoch hat er eine königliche Einladung.

Werne

, 10.09.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Horst Nußbaum (53) ist sichtlich stolz, als er sein ausgedrucktes Flugticket in den Händen hält. Der Inhaber des Stadthotels im Kolpinghaus reist am 11. September für zwei Wochen nach Nigeria. Das klingt zwar auf Anhieb nicht nach einem Weltereignis – sondern eher nach einem untypischen Urlaubsziel –, doch Nußbaum kann immerhin von sich behaupten, der Besuch erfolge auf Einladung ihrer Majestät.

Und das stimmt so auch. Denn vor gut einem Monat hatte Nußbaum ganz besondere Gäste: His Royal Majesty Obi Jeff Mafiana Eze-Anochie IX, Obi Agba Onicha Olona und Rosemary Ngozi Mafiana, Ugo Eze. Oder einfacher formuliert: Jeff Mafiana, König des Stammes Agba im 28.000 Einwohner zählenden Dorf Onicha Olona und seine Frau. Die beiden waren angereist, um Reggae-Musiker Toni Tuklan zum „Mund des Königs“ zu weihen, zum Sprecher ihrer Majestät also.

„Königlichen Besuch gibt’s sonst nur vom Schützenkönig.“
Horst Nußbaum

Und wo residierte das Königspaar während seines Aufenthalts in der Lippestadt wohl? Genau, im Kolpinghaus. Auch wenn Nußbaum das erst für einen Scherz hielt. „Toni kam zu mir und sagte: ‚Du Horst, der König kommt.‘ Und ich dachte mir: ‚Ja ja, ist klar‘. Irgendwann hab ich‘s ihm dann aber doch geglaubt“, erklärt der 53-Jährige und lacht.

Royaler Besuch in Werne. Und dann auch noch im Kolpinghaus. Das hat man nicht alle Tage. Normalerweise übernachten hier Monteure – und am Wochenende Radfahrer. Oder Schauspieler nach ihrem Auftritt im Kolpingsaal. Sven Martinek und Oliver Mommsen waren beispielsweise schon hier. Genauso wie Ingo Naujoks. „Aber noch kein König. Na gut, Schützenkönige schon. Aber das war‘s dann auch schon“, sagt Nußbaum.

Ein Stammeskönig in zivil

Er habe sich daraufhin erst einmal schlau gemacht, wer denn da so demnächst durch die Pforte des Kolpinghauses stolziert. Schon eine prominente Persönlichkeit, dieser Stammeskönig. Vom Einflussbereich her irgendwo zwischen einem Landeskönig und Wernes Bürgermeister. Auf der Ehrfurcht-Skala aber wesentlich weiter oben als letzterer.

Hotelchef benimmt sich daneben - und darf trotzdem zum Stammeskönig nach Nigeria

Begleitet wird Horst Nußbaum bei seiner Reise von Jörg Uwe Lipinski, Uche Sunday Alphonsus Ojiodu und Toni Tuklan. Für Tuklan steht nach seiner Weihe zum Sprecher des Königs in Werne nun die nächste Zeremonie in Nigeria an. © Horst Nußbaum

Und dann kam der Tag, als König Jeff tatsächlich durch die Eingangstür des Kolpinghauses spazierte. Aber er stolzierte nicht. Er hatte auch keine Krone auf oder Leute um sich herum, die ihm mit Palmenblättern Luft zuwedelten. „Seine Frau und er waren ganz in zivil. Eher sogar sportlich gekleidet. Und weil ich Rheinländer bin, hab ich ihm dann auch erst einmal die Hand geschüttelt und auf die Schulter geklopft“, sagt Nußbaum.

Mund des Königs staunte

Da stand dem „Mund des Königs“ selbiger weit offen. Denn ganz so angemessen war die herzliche Begrüßung natürlich nicht. Und das dämmerte nach zwei Tagen auch Nußbaum, nachdem er das Königspaar jeden morgen auf dieselbe Weise begrüßt und ihm abends eine gute Nacht gewünscht hatte.

„Wir haben viel über wirtschaftliche Themen gesprochen. Aber auch über Weizenbier. Da hat er sich ein bisschen drin verliebt.“
Horst Nußbaum

Der König habe nämlich unter anderem Gäste aus Frankreich und Belgien hier empfangen. Und die seien immer ganz anders auf ihn zugegangen als der gute Horst aus dem Rheinland. Statt seiner Hand reichte Jeff ihnen nur sein Zepter. „Also habe ich Toni irgendwann gefragt, ob ich von der Etikette her vielleicht etwas falsch mache. Und er meinte: ‚Ja, alles. Aber mach ruhig weiter so. Der König mag dich anscheinend.‘“

Ein rätselhaftes Programm

Das tat er offensichtlich so sehr, dass er seinen Gastgeber gleich zum Gegenbesuch einlud. Und der sieht darin gewiss keine gewöhnliche Urlaubsreise. „Ich werde dort bestimmt nicht mit Shorts in der Sonne liegen“, sagt Nußbaum. Er hoffe natürlich, viel von der Kultur kennenzulernen. Aber was genau auf ihn zukommt, weiß der 53-Jährige noch nicht. Denn beim Blick auf den Zettel mit dem Programm, den man ihm gegeben hat, ist Nußbaum ratlos: Von „Onotu Iduolu“ über „Ndi Nze in Hiding“ bis hin zu „Itu - Odoh“ ist alles dabei. Klingt so, als könnte der herzliche Rheinländer wieder viele Hände schütteln.

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