So sichert sich Spargelbauer Johannes Laurenz den Respekt seiner rumänischen Erntehelfer

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Spargelbauer Johannes Laurenz (34) spricht rumänisch, um sich mit seinen Erntehelfern zu verständigen. Dafür erntet er viel Akzeptanz von den Arbeitern. Und sie kommen wieder - trotz Heimweh.

Werne, Stockum

, 21.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Alo, Emil. Ce mai faci?“ - Johannes Laurenz begrüßt einen seiner Erntehelfer. Der 34-jährige Spargelbauer spricht nicht deutsch oder englisch, sondern rumänisch mit seinen Mitarbeitern. Ganz selbstverständlich.

„Ich möchte mit den Leuten direkt sprechen und nicht über einen Vorarbeiter oder ständig mit einem Dolmetscher. Ich möchte die Leute verstehen. Wenn ich ihre Sprache verstehe, bringen sie mir Akzeptanz entgegen“, sagt Johannes Laurenz.

Rumänische Sprache selbst angeeignet

Er habe sich das meiste selbst beigebracht, erzählt der Spargelbauer. Und das aus ganz pragmatischen Gründen. Nach seinem Studium zum staatlich geprüften Agrarbetriebswirt habe er unter anderem in einem Betrieb in Brandenburg mit 2500 Mitarbeitern gearbeitet. Die meisten von ihnen kamen aus Rumänien.

„Da habe ich rumänisch gelernt. Ich kann ja nicht als einziger Deutscher verlangen, dass sie deutsch lernen. Da zeigen die mir doch einen Vogel“, sagt Laurenz. Er sei aber generell sehr offen und an Sprachen interessiert. „Auch wenn ich in der Schule in Französisch nicht so der Burner war“, gesteht der Landwirt.

So sichert sich Spargelbauer Johannes Laurenz den Respekt seiner rumänischen Erntehelfer

Johannes Laurenz spricht mit seinem Mitarbeiter Emil auf Rumänisch. Laurenz hat sich die Sprache selbst angeeignet. © Andrea Wellerdiek

Johannes Laurenz spricht fließend, „wenn es um die Arbeit geht“

Dass er Kenntnisse in der romanischen Sprache erworben hat, half ihm aber auch dabei, rumänisch zu lernen. Es ließe sich viel vom Französischen ableiten. Messer, Salat, Danke, Bitte. Angefangen mit den wichtigsten Wörtern bei der Arbeit hat er die rumänischen Kollegen immer besser verstanden. Mittlerweile spricht er die Sprache fließend, „wenn es um die Arbeit geht“.

Auch heute auf dem eigenen Hof Schulze Blasum in Stockum ist es dem 34-Jährigen wichtig, sich direkt mit seinen rund 30 Mitarbeitern unterhalten zu können. „Ich zeige ihnen, dass ich mich für sie und ihre Kultur interessiere. Ich kenne alle Mitarbeiter mit Namen“, erklärt Johannes Laurenz. Das sei nicht selbstverständlich - auch nicht in den kleinen Betrieben.

Lästereien gibt es hier nicht

Häufig würde der Chef nur mit dem Vorarbeiter, der deutsch oder englisch kann, kommunizieren. Dieser gibt es an die Erntehelfer weiter. Das könne dazu führen, dass die Mitarbeiter lästern. Laurenz habe in einem Betrieb selbst einmal erlebt, dass die Arbeiter schlecht über den Landwirt in seiner Gegenwart sprachen. „Ich habe dann auf Rumänisch geantwortet. Da waren die ganz schön überrascht“, sagt Laurenz.

Dass er einen guten Kontakt zu seinen rumänischen Mitarbeitern hat, zeigt die geringe Fluktuation. Etwa 80 Prozent der Kräfte helfen seit Jahren auf dem Hof Schulze Blasum mit. Während ihrer Zeit leben sie dann in Wohncontainern auf dem Hof. Dort leben sie laut Laurenz in Familien oder unter Freunden zusammen.

So sichert sich Spargelbauer Johannes Laurenz den Respekt seiner rumänischen Erntehelfer

Etwa 30 Erntehelfer beschäftigt Johannes Laurenz auf dem Hof Schulze Blasum. Etwa 80 Prozent der Hilfskräfte kommt in jedem Jahr wieder. © Andrea Wellerdiek

Für drei Monate in Deutschland

Sie würden es sich heimisch einrichten, erzählt Laurenz. „Manche bringen auch ihre eigenen Gardinen mit“, sagt der 34-Jährige. Auch Johannes Laurenz ist manchmal hier. „Wenn ich diese Linie zu den Wohncontainern überschreite, sage ich immer: Hier sind wir alle gleich. Das ist unsere Freizeit.“ Zum dritten Mal hat er Ostern seine Erntehelfer auch wieder zu einem Fußballturnier eingeladen: Deutschland gegen Rumänien.

„Man hat gesehen, dass die Spargelhelfer deutlich fitter sind. Sie haben mit 9:0 gewonnen“, erzählt Laurenz. Und weiter: „Sie finden es cool, dass der Chef mitspielt. Aber ich musste ihnen ein paar Mal sagen, dass sie dem Chef auch mal den Ball abnehmen dürfen.“

Mindestlohn und Leistungszulagen

Maximal drei Monate bleiben die Erntehelfer in Deutschland. Solange dürfen die Rumänen hier sozialversicherungsfrei arbeiten. Johannes Laurenz zahlt ihnen nach eigenen Aussagen den Mindestlohn (aktuell 9,19 Euro) plus Leistungszulagen. Außerdem gibt es eine medizinische Zusatzversicherung.

Oft kommt nur ein Verdiener aus der rumänischen Familie nach Deutschland. Denn eine kurzfristige Beschäftigung ist für Rumänen hier nur möglich, wenn sie nicht berufstätig sind. „Ich darf nur Hausmänner oder -frauen einstellen. Das heißt, dass ich meistens nur den Ehemann oder die Ehefrau einstellen darf“, erklärt Laurenz.

Familien oft auseinandergerissen

Somit seien oft die Familienverbände auseinandergerissen. Heimweh sei deshalb ein großes Problem bei den Mitarbeitern, so Laurenz. Der Spargelbauer kennt die Sorgen seiner Mitarbeiter. Dass er rumänisch kann, hilft ihm dabei. Würde er nicht mit ihnen direkt kommunizieren können, würde er vielleicht gar nicht von den Problemen der Mitarbeiter erfahren.

Johannes Laurenz kann aber nicht nur rumänisch sprechen. Auch auf polnisch kann er sich verständigen. Doch mittlerweile sei es etwas eingeschlafen, wie er erzählt. Das liegt vor allem auch daran, dass heute keine polnischen Arbeiter für die Erntesaison nach Deutschland kommen.

Polen fehlen und sorgen für Personalprobleme

„Die polnische Wirtschaft hat sich verbessert, sodass die Leute auch dort Arbeit finden. Das freut mich natürlich für sie. Aber für uns macht es das nicht leichter“, sagt Laurenz. Deshalb hätten einige Landwirte große Personalprobleme. „Da hat ein Bauer schöne Erdbeeren auf den Feldern, aber niemanden, der sie pflücken kann. Da geht es um Existenzen“, sagt Laurenz, der froh ist, dass er auf den größten Teil seiner rumänischen Mitarbeiter wieder zählen kann.

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