Am Kindergarten in der alten Barbaraschule malten Kinder und Anwohner Piktogramme auf den Boden, um Raser zu bremsen. Ansonsten ist laut der Werner Spielstraßen-Initiative nichts passiert, um die Sicherheit zu verbessern - obwohl es angekündigt war. © Sylva Witzig (Archiv)
Verkehrsberuhigung

Spielstraßen-Initiative in Werne: „Wir sind von der Stadt enttäuscht“

Bedingt durch die Pandemie landen viele Projekte erstmal in der Warteschleife. Leider auch, wenn es um die Sicherheit von Kindern geht. Das kritisiert die „Initiative lebendige Spielstraße“ in Werne.

Auf den ersten Blick wirkt es ja schon irgendwie süß – man kommt aber kaum drum herum, in der Aktion auch so etwas wie einen kleinen Akt der Verzweiflung zu sehen: Auf der Facebook-Seite der Gruppe „Familien gestalten Werne“, hinter der die „Initiative lebendige Spielstraße“ steckt, findet sich ein Foto aus dem Oktober 2020. Darauf zu sehen sind ein paar kleine Spielzeug-Verkehrshütchen und selbst gemalte Plakate, die eine klare Botschaft vermitteln: „Liebe Autofahrer, fahrt bitte langsam, hier spielen Kinder!“

Besagte Initiative setzt sich bekanntlich bereits seit gut zwei Jahren für verkehrsberuhigende Maßnahmen ein – damit Kinder in besagten „Spielstraßen“ tatsächlich auch mal spielen können, ohne dass die Eltern gleich Angst um das Leben ihrer Sprösslinge haben müssen. „Wenn man ehrlich ist, befinden wir uns da inzwischen aber eher in einer Sackgasse“, sagt Torsten Swat von der Initiative. Das Wortspiel ist ihm bewusst. Zum Lachen ist ihm aber keineswegs zumute.

Von Legosteinen, Rundtellern und Co. fehlt noch jede Spur

Der Grund: Trotz vieler Bemühungen seitens der Initiative habe sich in den vergangenen beiden Jahren nicht sonderlich viel an der Situation geändert. Am Kindergarten in der alten Barbaraschule hat man im November 2019 in Eigenregie unter Mithilfe des Bauhofs ein Piktogramm auf die Fahrbahn gemalt, nachdem die Stadt die nötigen Materialien besorgt hatte: Schablonen und Spezialfarbe. Danach passierte laut Swat nichts mehr.

Dabei hatte man sich in den Reihen der Initiative zuversichtlich gezeigt, dass diesen ersten Maßnahmen nun weitere folgen würden. Welche Stellen im Stadtgebiet problematisch sind und mit welchen baulichen Konzepten – zum Beispiel „Legosteinen“ und Rundtellern – man die verkehrsberuhigten Bereiche noch ein bisschen mehr beruhigen könnte, hatte die Initiative der Stadt in einem mehrseitigen Schreiben nämlich bereits mitgeteilt. Und letztere habe auch positiv auf das bürgerliche Engagement reagiert, erinnert sich Swat.

„Die Stadt wollte diese Konzepte dann 2020 umsetzen und in ausgewählten Straßen testen. Nichts davon ist geschehen“, so der Sprecher der Initiative. Natürlich habe man Verständnis dafür, dass sich durch die Corona-Krise vieles verzögere und andere Themen Vorrang haben: „Aber wir haben noch nicht einmal mehr Farbe bekommen, um zumindest weitere Piktogramme aufzutragen. Die Stadt hat also Schablonen gekauft und nutzt sie nun nicht. Das können wir nicht ganz nachvollziehen.“

Besagte Piktogramme aufzubringen sei zumindest in der Dr.-Hövener-Straße sowie im Wiehagen vorgesehen gewesen. Und schaden könnten die aller Voraussicht nach nicht. Denn die Pandemie hat laut Swat nicht unbedingt dazu geführt, dass die Verkehrsbelastung nachgelassen hat. Man habe diesbezüglich zwar während des ersten Lockdowns für ein paar Wochen gemerkt, dass viele Menschen im Homeoffice gearbeitet hätten. Im Gegenzug habe dann allerdings der Verkehr durch Paket- und Lieferdienste zugenommen. Und auch der halte sich nicht immer an die Geschwindigkeitsbegrenzung, so Swat.

Anmerkung der Redaktion: Wir haben die Stadt Werne am Dienstag (11. Mai 2021) um eine Stellungnahme gebeten – sowohl telefonisch als auch schriftlich -, bislang aber noch keine Antworten auf unsere Fragen erhalten. Unter anderem wollten wir wissen, wie die Stadt die Entwürfe der Initiative bewertet hat, welche Maßnahmen im vergangenen Jahr eigentlich umgesetzt werden sollten und warum dies offensichtlich nicht geschehen geschehen ist. Außerdem wollten wir wissen, wann nach jetzigem Stand weitere Maßnahmen umgesetzt werden sollen und um welche es sich dabei handelt.

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Redakteur
Geboren 1984 in Dortmund, studierte Soziologie und Germanistik in Bochum und ist seit 2018 Redakteur bei Lensing Media.
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