Sondermann-Filiale Werne geschlossen - Insolvenz ist nicht der Grund

dzBäckerei in Werne

Wer in der Bäckerei-Filiale von Sondermann einkaufen möchte, muss mit einem eingeschränkten Angebot Vorlieb nehmen. Die Filiale an der Lünener Straße ist geschlossen. Aus gutem Grund.

Werne

, 08.09.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Einkauf am Bäckerei-Standort von Sondermann-Brot, Drolshagen, an der Lünener Straße 19 in Werne gestaltet sich im Moment anders als sonst. Kunden müssen mit einem eingeschränkten Angebot Vorlieb nehmen. Außerdem können sie das Geschäftslokal nicht betreten. Der Grund ist deutlich sichtbar: Renovierungsarbeiten in der Filiale.

Seit vergangener Woche (36. KW) ist der große Verkaufspavillon an der Lünener Straße geschlossen. Stattdessen steht ein Verkaufswagen direkt davor auf den Parkplätzen. Dort können sich die Kunden mit Brot, Brötchen und Kuchen eindecken. „Es handelt sich um keine besonders aufwendige Renovierung“, sagt ein Firmensprecher auf Anfrage der Redaktion am Montag (7. September): „Ich gehe davon aus, dass wir in ein paar Tagen wieder öffnen.“

Wer in das geschlossene Ladenlokal blickt, könnte Zweifel an diesem Zeitplan haben. Denn er entdeckt zusammengeräumtes Mobiliar in einer Ecke. Die Verkaufstheke ist komplett demontiert. Der Fußbodenbelag ist zum Teil schon herausgestemmt. Die Filiale beherbergte nicht nur einen Verkauf, sondern auch ein Café.

Die Bäckerei-Filiale an der viel befahrenen Straße hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Bis heute prangt der Schriftzug „Westermann“ außen an der Fassade, obwohl Sondermann den Betrieb schon vor Jahren übernommen hat.

Die Bäckerei-Filiale von Sondermann, die immer noch den alten Namen Westermann trägt, ist geschlossen, der Verkauf geht im Wagen davor weiter.

Die Bäckerei-Filiale von Sondermann, die immer noch den alten Namen Westermann trägt, ist geschlossen, der Verkauf geht im Wagen davor weiter. © Jörg Heckenkamp

Die Sondermann-Gruppe geriet 2018 in Schwierigkeiten und musste einen Insolvenzantrag für bestimmte Firmenteile stellen. Vergangenen Monat kam eine weitere schlechte Nachricht über die Zukunft etlicher Filialen hinzu. Von einst rund 100 Standorten bleibt wohl nur gut die Hälfte. Die Werner Filiale scheint offenbar von Schließungsplänen nicht betroffen zu sein. Im Gegenteil: Momentan sind Handwerker mit der Aufwertung beschäftigt.

„Der Geschäftsbetrieb.... muss eingestellt werden.“

In einem Schreiben vom 9. August 2020 aus dem Hause Sondermann heißt es unter anderem: „Den Geschäftsbetrieb der Unternehmensteile, über die im November 2018 das Insolvenzverfahren eröffnet wurde, muss eingestellt werden. (...) Mit den Auswirkungen der Corona-Maßnahmen auf Innenstädte und Umsätze ist die Perspektive auf eine unternehmerische Lösung für den bis dahin stabilen Geschäftsbetrieb der insolventen Bereiche verloren gegangen“, so Geschäftsführer Hermann Sondermann.

Ende August 2018 hatte Sondermann für die Hälfte seiner Tochtergesellschaften Anträge auf Eröffnung von Insolvenzverfahren gestellt, um die mittelständisch geprägte Gruppe weiter zu sanieren. Der Bäckereibetrieb erwirtschaftete damals mit 780 Beschäftigten in der Produktion und in gut 100 Filialen im Raum Siegerland, Sauerland, Bergisches Land, Rheinland sowie im Ruhrgebiet einen Jahresumsatz von knapp 20 Millionen Euro.

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