1952 sollte Sim-Jü wegen der Kinderlähmungs-Epidemie abgesagt werden. Auf den letzten Drücker wurde das Volksfest dann doch genehmigt. In diesem Jahr hingegen wird die Kirmes erstmals wieder abgesagt. © Repro Rainer Schulz
Sim-Jü in Werne

Sim-Jü stand schon mal kurz vor dem Aus – 2020 wird Befürchtung erstmals wahr

Ein Jahr ohne Sim-Jü: Zum ersten Mal fällt die Traditionsveranstaltung in Werne tatsächlich aus. Schon einmal stand die Kirmes vor dem Aus - auch seinerzeit war ein Virus der Grund.

Werne verwandelt sich Ende Oktober eigentlich immer traditionell in eine große Kirmes. Doch aufgrund der Entwicklung in der Corona-Pandemie mussten die Verantwortlichen der Stadt die Kirmes in ihrer ursprünglichen Form und schließlich auch die kleinere Variante, die Mini-Sim-Jü, in diesem Jahr absagen.

Zum ersten Mal nach sehr langer Zeit findet in der mehr als 650 Jahre alten Geschichte des Simon-und-Juda-Marktes, so wie Sim-Jü eigentlich heißt, in diesem Jahr wieder keine Kirmes statt. Denn auch die Maikirmes, die kleine Schwester von Sim-Jü wenn man so will, fand in der Corona-Krise nicht statt. Wie in vielen anderen Orten müssen auch die Bürger und Kirmes-Fans in Werne 2020 ohne Jahrmarkt auskommen.

Sim-Jü stand in den 50er-Jahren schon einmal auf der Kippe

Die Sim-Jü-Kirmes, die ihren Ursprung mit der Verleihung des Marktrechtes bereits im Jahr 1362 hat, war eigentlich vom 24. bis 27. Oktober geplant. Doch nun gibt es die erstmalige Absage. Einzig im Mittelalter gab es Jahre, in denen keine Kirmes in Werne stattgefunden hat. Aber in den vergangenen Jahrhunderten gab es nie eine Absage.

Rainer Schulz - auch bekannt als „Mr. Sim-Jü“ - ist froh über das Alternativ-Event, das Ende Oktober auf dem Hagen stattfinden soll.
Rainer Schulz – auch bekannt als „Mr. Sim-Jü“ – ist froh über das Alternativ-Event, das Ende Oktober auf dem Hagen stattfinden soll. © Felix Püschner © Felix Püschner

Sogar während des Ersten und Zweiten Weltkriegs hat es laut Kirmes-Experte Rainer Schulz (76) zumindest immer eine kleine Sim-Jü-Kirmes gegeben. „Und wenn es nur eine Kuchenbude und ein kleines Karussell war.“

Ein Blick in das langjährige Sim-Jü-Archiv zeigt, dass die Traditionsveranstaltung in der Lippestadt allerdings schon einmal auf der Kippe stand. Mitte August 1952 führte die Polio-Epidemie dazu, dass sämtliche Volksfeste im Ruhrgebiet und Münsterland abgesagt wurden, erzählte Schulz jüngst im Gespräch mit unserer Redaktion.

„Die Verordnung galt bis 31. Oktober.“ Diesen Erlass entdeckte er nun in alten Aufzeichnungen wieder. Ebenso wie einen Zeitungsartikel aus der damaligen Zeit: Darin wurde bekannt gegeben, dass die Kirmes in Werne doch stattfinden könne und die Gefahr, dass Sim-Jü der Entwicklung rund um die Kinderlähmung zum Opfer fallen würde, beseitigt sei.

„Die in der Polizeiverordnung zum Schutze gegen die Kinderlähmung enthaltenden einschränkenden Bestimmungen werden aufgehoben“, hieß es weiter. Während der Jahrmarkt 1952 also doch stattfinden konnte, musste hingegen der Viehmarkt abgesagt werden. Denn aufgrund der Maul- und Klauenseuche durften die Viehhändler ihre Tiere nicht präsentieren.

Kirmes-Sonntag wurde 2002 abgesagt

Ebenso ein Teil der Sim-Jü-Kirmes musste in der jüngeren Vergangenheit abgesagt werden. Wegen Orkanböen des Sturmtiefs „Jeanett“ wurde der gesamte Kirmes-Sonntag im Jahr 2002 aus Sicherheitsgründen abgeblasen. Die Wetterstationen meldeten Windstärken von 140 Stundenkilometern. Daraufhin entschieden sich die Verantwortlichen, die Sim-Jü-Kirmes um einen Tag, also bis Mittwoch, zu verlängern.

Über die Autorin
Redaktion Werne
Studium der Sportwissenschaft. Nach dem Volontariat bei Lensing Media zunächst verantwortlich für die digitale Sonntagszeitung, nun in der Lokalredaktion Werne der Ruhr Nachrichten.
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Andrea Wellerdiek

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