Abstand halten? Das ist auf Sim-Jü in Werne normalerweise nur selten möglich. Nun gibt es nur eine Empfehlung, an diesen Stellen eine Maske zu tragen. © Jörg Heckenkamp
Meinung

Sim-Jü ohne Maskenpflicht? Da wird mir schon ohne Karussellfahrt schlecht!

Weil das Land NRW seine Corona-Regeln lockert, entfällt die Maskenpflicht auf Sim-Jü in Werne. Ohne Schutz ins Gedränge? Da wird mir schon ohne Karussellfahrt schlecht. Oder entfällt jetzt auch der Besucher-Ansturm?

Die Sim-Jü-Kirmes in Werne ist eine Familienkirmes. Groß und Klein erfreuen sich an den drehenden Karussells, dem Duft von Mandeln, Bratwurst oder dem Treffen mit alten Bekannten. Nicht selten müssen sich Besucher förmlich durch die enge Steinstraße schieben, wenn sich die Fußgängerzone in eine Kirmes-Meile verwandelt – sehr zur Freude der Schausteller. Erfreulich wird das Ganze aber nicht, wenn immer noch das Corona-Damoklesschwert über uns schwebt wie die gruseligen Horrorfiguren über dem Eingang in die Geisterbahn.

Eine Kirmes wie Sim-Jü durchzuführen sei verantwortbar, erklärte das Land NRW jüngst. Voraussetzung ist ein Hygienekonzept. Doch genau das bröckelt nun. Die Maskenpflicht im Freien entfällt gänzlich. Es wird lediglich empfohlen, dort eine Maske zu tragen, wo nicht genügend Abstand eingehalten werden kann. Kontrolliert wird das Ganze nicht. Ordnungsamt, Sicherheitsdienst und Polizei werden sich in Sim-Jü mit ihren stichprobenartigen Kontrollen also auf das Einhalten der 3G-Regel (Besuch nur für Geimpfte, Genesene und Getestete) beschränken. Vielleicht fällt bis Ende Oktober sogar noch diese Regel.

Appell einer Ärztin zu Sim-Jü in Werne

An eine unbeschwerte Kirmes kann ich unter diesen Voraussetzungen nur schwer denken. So sehr ich mir eine freudige und friedliche Kirmes für die Besucher und eine lukrative Kirmes für die Schausteller und die Stadt wünsche, umso mehr Bauchschmerzen bekomme ich, wenn ich daran denke, wenn sich Tausende Menschen eng beieinander auf der Kirmes tummeln, ohne eine Maske zu tragen.

Auch ohne Karussellfahrt wird mir schlecht bei dem Gedanken, dass auch viele Kinder und Jugendliche, die womöglich noch nicht geimpft sind, die Kirmes besuchen. Ich kann mich da nur der Werner Kinderärztin Jasmin Lidgett anschließen, die dringend daran appelliert hat, die Abstandsregeln einzuhalten. „Die Kinder gehen dahin und sind überwiegend nicht geimpft“, sagte sie im Gespräch mit dieser Redaktion und berichtete, dass der Erkältungsschub in der Vergangenheit immer zu Sim-Jü begonnen habe.

Besucher-Ansturm zweifelhafter denn je

Ich schließe mich auch der Empfehlung der Stadt Werne an, dort eine Maske zu tragen, wo man nicht genügend Abstand einhalten kann. Das könnte für das gesamte Kirmesgelände gelten, wenn genügend Besucher kommen. Dass die Menschen in Scharen auf die Kirmes vom 23. bis 26. Oktober kommen, ist für mich seit der angekündigten Lockerung der Regeln zweifelhafter denn je.

Ob man Sim-Jü in diesem Jahr mit der gesamten Familie und womöglich nicht-immunisierten Kindern besuchen möchte, muss jeder selbst wissen. Genauso wie jeder Besucher sich für oder gegen das Tragen einer Maske auf der Kirmes entscheiden darf.

Über die Autorin
Redaktion Werne
Studium der Sportwissenschaft. Nach dem Volontariat bei Lensing Media zunächst verantwortlich für die digitale Sonntagszeitung, nun in der Lokalredaktion Werne der Ruhr Nachrichten.
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Andrea Wellerdiek

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