Sim-Jü in kleiner Form: „Auswahl der Schausteller ist das Schwierigste“

dzSim-Jü in Werne

Sim-Jü wird nicht in gewohnter Form stattfinden, weil Großveranstaltungen bis Ende Oktober verboten sind. Ideen für eine kleine Kirmes in Werne gibt es. Dabei müsste es bittere Absagen geben.

Werne

, 25.06.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Auch wenn es noch keine offizielle Absage der Sim-Jü-Kirmes in Werne gab, ist klar, dass es eine Kirmes in gewohnter Form in Werne 2020 nicht geben wird. Im Hintergrund feilt man bei der Stadt schon an einer alternativen Veranstaltung - gemeinsam mit den Protagonisten.

„Man versucht, den Schaustellern zu helfen, die in diesem Jahr noch keinen Euro verdient haben. Es wird nächstes Jahr sicher einige Schausteller geben, die es nicht durch die Krise schaffen“, sagt auch Jürgen Menke (63), der langjährige Marktmeister von Sim-Jü und der Maikirmes in Werne.

Keiner möchte auf Sim-Jü in Werne verzichten

Auch im Sinne der Schausteller möchte man in Werne nicht gänzlich auf Sim-Jü verzichten. „Es wird aber eine ‚abgespeckte Version‘ geben müssen“, so Menke. Und die würde mit deutlich weniger Schaustellern als sonst stattfinden. Das heißt, dass dem Großteil der Schausteller für die Kirmes in Werne abgesagt werden muss.

„Hier eine Entscheidung zu treffen, wird das Schwierigste sein: Wem sagt man zu und wem sagt man ab? Wo macht man den Strich? Und nach welchen Kriterien wird überhaupt entschieden“, erklärt Menke die Problematik.

Eigentlich sind gut 200 Geschäfte bei Sim-Jü in Werne vertreten. In diesem Jahr wird es keine Sim-Jü in gewohnter Form geben aufgrund der Corona-Pandemie. Die Verantwortlichen denken aber beispielsweise über eine kleine Kirmes in Werne nach.

Jürgen Menke ist seit gut 17 Jahren als Marktmeister der Sim-Jü-Kirmes tätig. Zum 1. Juli geht der gebürtige Werner in Rente.

Jürgen Menke ist seit gut 17 Jahren als Marktmeister der Sim-Jü-Kirmes tätig. Zum 1. Juli geht der gebürtige Werner in Rente. © Jörg Heckenkamp (A)

Kleine Kirmes auf dem Hagen?

Er könne sich sehr gut eine kleine Variante von Sim-Jü an zentraler Stelle wie etwa dem Parkplatz Am Hagen vorstellen, so Jürgen Menke. Etwa 50 Geschäfte könnten dort Platz finden. Auf das Fest- und Gewerbezelt muss in diesem Jahr sicherlich verzichtet werden.

Zwei Fahrgeschäfte zusätzlich könnte man stattdessen dort aufbauen, rechnet Menke vor. „Wenn man dann genügend Platz zwischen den Fahrgeschäften hält, dann könnte man eine kleine Kirmes gut auf einem Platz händeln.“

„FunDOmio“ als Beispiel aus Dortmund

Wie das Ganze aussehen kann, davon möchte sich Menke bald selbst ein Bild machen und den temporären Freizeitpark „FunDOmio“ an den Dortmunder Westfalenhallen besuchen. Hier können 5000 Besucher täglich für einen festen Eintrittspreis so viele Karussells fahren, wie sie möchten.

Auch in Werne müsste es eine begrenzte Besucherzahl geben, die durch Einlässe kontrolliert wird. Dazu könnte man den Parkplatz Am Hagen komplett einzäunen. In Werne dürften es aufgrund der deutlich kleineren Fläche aber auch deutlich weniger Besucher sein als in Dortmund, so Menke.

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Der erfahrene Marktmeister hofft, dass es eine alternative Veranstaltung zur typischen Sim-Jü-Kirmes gibt. „Ich glaube, viele Bürger suchen eine Abwechslung in dieser Zeit“, sagt Menke und weiter: „Wenn man alle gesundheitlichen Voraussetzungen erfüllen kann, dann kann man auf jeden Fall so eine Veranstaltung machen.“

Mit welchen Schaustellern das passiert - das wird die größte Herausforderung bei der Planung einer Kirmesveranstaltung sein. Für den geplanten Sim-Jü-Termin (24. bis 27. Oktober) haben bereits alle Schausteller zugesagt. Sie alle haben Verträge, die aufgrund der corona-bedingten Absage der Kirmes nichtig werden könnten.

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50 Prozent der Schausteller sind laut Jürgen Menke schon seit 20 bis 30 Jahren auf der traditionellen Kirmes in Werne zu Gast. Sie alle werden sich dennoch fragen müssen, ob sich eine kleine Variante von Sim-Jü für sie lohnt.

Personell können gerade die Betreiber von großen Fahrgeschäften womöglich auch nicht aus dem Vollen schöpfen, glaubt Menke. Denn sie beschäftigen derzeit gar keine Aushilfskräfte, um selbst Kosten zu sparen.

„Als Stadt hat man eine Verantwortung“

Auf der anderen Seite werden sie händeringend versuchen, Einnahmen zu generieren. Denn wenn nach der Kirmessaison womöglich auch die Weihnachtsmärkte abgesagt werden müssen, „dann sieht es ganz schön düster aus für manche Schausteller“, glaubt Jürgen Menke.

Umso wichtiger sei es auch für die gebeutelte Branche, eine kleine Veranstaltung in Werne auf die Beine zu stellen. „Als Stadt hat man auch eine gewisse Verantwortung für die Schausteller, die immer hierhin gekommen sind, um Vergnügen zu bringen“, sagt der langjährige Marktmeister.

Ein besonderes Sim-Jü-Jahr für den Marktmeister

Für ihn selbst wird es auch ein besonderes Sim-Jü-Jahr - und zwar in zweierlei Hinsicht. Zum ersten Mal überhaupt droht der Kirmes eine Absage oder wird sie in deutlich abgespeckter Version und mit strengen Hygieneauflagen stattfinden.

Zum anderen kann Jürgen Menke das Geschehen und die Vorbereitungen rund um Sim-Jü mit gewissen Abstand beobachten. Denn der gebürtige Werner geht zum 1. Juli in Rente - nach gut 16 Jahren als Marktmeister für Sim-Jü und die Maikirmes in Werne.

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