Das neue Shopping-Konzept „Click & Meet" erlaubt das Einkaufen in Läden mit einem vereinbarten Termin. Auch „Düt & Dat" in Werne darf seine Türen für Kunden wieder öffnen. © Charlotte Schuster
Shoppen und Einkaufen

Shoppen mit Termin in Werne: „Das ist besser als nichts.“

Seit Montag (08.März) dürfen Geschäfte wieder öffnen - Allerdings nur mit Termin und Dokumentation zur Nachverfolgung. So verlief der Verkaufsstart für Einzelhändler und Kunden in Werne.

Das Telefon klingelt lautstark. Marita Melcher von dem Second-Hand-Geschäft Düt & Dat in Werne nimmt rasch ab. Eine Kundin ist am Apparat. Sie möchte einen Termin vereinbaren, um schnellstmöglich wieder den Laden durchstöbern zu können. Die Verkäuferin freut sich aus vollem Herzen, dass der Verkauf endlich wieder startet und sie wieder Kunden empfangen darf.

Einkauf bei Düt & Dat mit Termin wieder möglich

Nach monatelanger Zwangspause darf der Einzelhandel in Nordrhein-Westfalen wieder seine Türen öffnen. Darauf haben sich Bund und Länder beim Corona-Gipfel geeinigt. Auch in Werne dürfen Kunden seit Montag (08.März) wieder auf Shopping-Tour gehen, weil die Sieben-Tages-Inzidenz unter 100 liegt – Vorab müssen sie sich jedoch einen Termin machen.

Trotz der Geschäfts-Öffnungen war es in Werne nicht sehr voll. Es kam kein Gedrängel auf und auch Warteschlangen haben sich nicht gebildet.
Trotz der Geschäfts-Öffnungen war es in Werne nicht sehr voll. Es kam kein Gedrängel auf und auch Warteschlangen haben sich nicht gebildet. © Charlotte Schuster © Charlotte Schuster

Das sogenannte „Click and Meet“ Konzept hat ein Teil der Kundschaft von dem Second-Hand-Laden Düt & Dat bereits in Anspruch genommen. Sie konnten entweder telefonisch oder direkt an der Ladentür einen Termin für ihren Einkauf vereinbaren.

Aufgrund der Geschäftsgröße darf immer nur eine Person oder zwei Personen aus dem selben Haushalt Düt & Dat betreten. „Besser so als gar nicht. Wir nehmen das jetzt so wie es kommt und machen das Beste draus“, sagt Marita Melcher optimistisch.

Parfümerie Pieper freut sich, wieder vor Ort zu sein

Auch bei der Parfümerie Pieper können Kunden einen Termin unter der Tel. (02389) 4029067 oder direkt vor Ort vereinbaren. „Der Kunde ruft hier an, macht einen Termin aus und kommt zum Termin-Zeitpunkt“, erklärt Gansu Sarioglo, eine Mitarbeiterin der Parfümerie Pieper. Vor dem Eintritt werden die Kontaktdaten des Kunden aufgenommen und dann kann das Shopping-Erlebnis schon losgehen.

Am Eröffnungstag haben das Angebot schon viele in Anspruch genommen. Ein Großteil habe sich zuvor auch telefonisch angemeldet. Schließlich würden sich solche Neuigkeiten in Werne schnell rumsprechen.

„Wir freuen uns, dass wir wieder da sind. Es macht Spaß, vor Ort da zu sein“, strahlt Sarioglo. Trotzdem hofft sie, dass der Verkauf bald wieder wie gewohnt erfolgen könne – Ohne Termin, aber dafür mit viel persönlichen Kontakt zu den Kunden.

Öffnungen bringen ein Stück Normalität zurück

Eine Wernerin, die ihren Namen nicht nennen möchte, hat direkt am Eröffnungstag der Geschäfte einen Termin bei der Parfümerie Pieper wahrgenommen. „Ich habe da morgens angerufen und dann auch einen Termin bekommen“, erzählt sie begeistert.

Sie habe ein paar Besorgungen in dem Geschäft erledigt und auch noch ein wenig rumgestöbert. Das Corona-Virus habe ihr dabei keine Sorge bereitet. „Ich war ganz alleine in dem Geschäft. Das ist gut organisiert und alle tragen ja auch eine Maske“, verdeutlicht sie. Außerdem sähe sie das Termin-Shopping als ungefährlicher an als das gewöhnliche Einkaufen im Supermarkt. Schließlich würden dabei viel weniger Leute aufeinandertreffen.

„Ich finde das eine gute Alternative. Natürlich würde ich auch lieber ohne Termin einkaufen gehen. Aber was nicht geht, geht nicht“, sagt sie schulterzuckend. Zudem würden die Öffnungen der Läden ein Stück Normalität zurückbringen. Das würde den Leuten nach so einer schwierigen Zeit gut tun.

Terminvergabe auch vor Ladeneingang möglich

Das Schuhgeschäft Pettrup in Werne darf seine Kunden ebenfalls wieder persönlich begrüßen. Auch hier könne ein Termin telefonisch unter der Tel. (02389) 5261508 oder direkt per Nachfrage vereinbart werden.

„Wir müssen uns noch herantasten. Wir haben ja alle noch nie so gearbeitet“, betont eine Mitarbeiterin von Pettrup. Wie lange die einzelnen Shopping-Termine andauern, sei schwer zu sagen. Das komme unter anderem auf die Kunden selbst an. Generell habe sie die Möglichkeit, fünf Leute zu bedienen.

Funktionieren würde das Shopping-Konzept „Click and Meet“, so die Verkäuferin. Leute, die per Termin kommen, würden in der Regel auch etwas kaufen wollen.

Buchhandlungen zählen jetzt mit zur Grundversorgung

Bücher Beckmann als Buchhandlung darf wieder wie gewohnt öffnen – ganz ohne Terminvereinbarung. „Nach der letzten Bund-Länder-Konferenz ist die Buchhandlung neben anderen Spaten zur Grundversorgung gezählt worden“, freut sich Hubertus Waterhues, der Inhaber von Bücher Beckmann.

Hubertus Waterhues darf seine Buchhandlung seit Montag „normal“ öffnen, ähnliche wie Lebensmittelgeschäfte. Terminabsprachen sind nicht nötig, allerdings begrenzt er die maximale Kundenzahl auf fünf.
Hubertus Waterhues darf seine Buchhandlung seit Montag „normal“ öffnen, ähnliche wie Lebensmittelgeschäfte. Terminabsprachen sind nicht nötig, allerdings begrenzt er die maximale Kundenzahl auf fünf. © Sylva Witzig (A) © Sylva Witzig (A)

Somit müssen die Kunden für ihren Besuch keinen Termin ausmachen. Zudem seien die Öffnungen sowie Schließungen nicht mehr von dem Inzidenzwert abhängig. Trotzdem achte Bücher Beckmann darauf, dass nicht mehr als fünf Kunden den Laden gleichzeitig betreten – unabhängig davon, wie viele von der Regierung aus herein dürften.

Denn nur so können sie gewährleisten, dass alle Regelungen eingehalten werden. „Wir sind nicht nur Gewinn optimiert, wir denken an die Sicherheit“, stellt er klar.

Falls keine Kunst-Tulpe vor dem Laden auf dem Tisch zu sehen ist, müssen die Kunden noch kurz draußen warten, bis ein anderer das Geschäft verlässt. Dieses Konzept helfe den Buchhändlern, den Überblick zu behalten, sodass sich nicht zu viele Kunden auf einmal drinnen aufhalten.

Am Eröffnungstag habe sich die Buchhandlung extra breit aufgestellt, um auch mit einem Ansturm von Menschen zurechtzukommen. „Wir wollen möglichst fix die Kunden zufriedenstellen“, erklärt er. Auf diese Weise soll vorgesorgt werden, dass die Menschen vor der Tür nicht zu lange in der Schlange warten müssen.

Einige Kunden hätten auch schon angerufen und Bescheid gegeben, dass sie erst in den nächsten Tagen vorbeikommen. „Kompliment an die Vernunft der Menschen. Sie wissen, dass sie uns morgen, übermorgen, … auch noch erreichen können“, so Waterhues.

Waterhues emotionale Lage ist mindestens drei geteilt

Waterhues hat sich sehr gefreut, seine Bücherei nach so einer langen Zeit wieder öffnen zu können – Dennoch sei seine „emotionale Lage mindestens drei geteilt“, sagt er schmunzelnd.

Auf der einen Seite, ist er fest davon überzeugt, dass Literatur ein Grundbedürfnis der Menschen sei. „Wir können zwar mit biologischen Prozessen überleben, aber der nächste Schritt ist leben. Dazu gehört die geistige Beschäftigung, dazu gehört mit die Literatur“, erklärt er. Das diese Ansicht mittlerweile geteilt und anerkannt werde, habe ihn sehr glücklich gemacht.

Auf der anderen Seite, tue es ihm unendlich leid, dass die großen Bemühungen des stationären Einzelhandels nicht genügend anerkannt würden. „Da blutet mir nach wie vor mein Herz“, sagt er traurig. Für ihn sei es unverständlich, wo das Risiko im Einzelhandel größer sein soll als im vollen Supermarkt.

Aus wirtschaftlicher Sicht habe er sich selbstverständlich gefreut. Die Zahlen der Buchhandlung seien seit Beginn des Lockdowns kontinuierlich in den Keller gegangen. „Der Speck ist langsam weg“, sagt er. Dabei gehe es nicht nur um ihn selbst, sondern auch um die vielen Familien, die davon auch betroffen seien. Nichtsdestotrotz, hält er an seinem Motto fest: „Die Lage kann ruhig hoffnungslos werden, aber sie darf niemals ernst werden.“

Über die Autorin
Freier Mitarbeiter
Neben dem Journalistik-Studium unterstützt Charlotte Schuster die Redaktion in Werne. Im Sommer 2020 hat sie ein Praktikum bei den Ruhr Nachrichten absolviert, welches ihr die schönen Seiten des Lokaljournalismus gezeigt hat.
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Charlotte Schuster

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