Rückkehr der Schwalben: Hunderte Zugvögel zurück in Werne – warum das eine kleine Sensation ist

dzSchwalbenjahr 2019

Ihre schwarzen Silhouetten nähern sich dem Eingang zum Stall. Sie fliegen umher, bleiben nicht still. Die Schwalben sind zurück in Werne. Für Landwirte ein Moment des Glücks.

Werne

, 13.08.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was für ein Anblick, wenn sich die vielen Schwalben dem großen Eingangstor zum Rinderstall nähern. Man sieht sie dann vor blauem Himmel, ihre schwarzen Silhouetten zeichnen sich deutlich ab, sie bleiben nicht still, fliegen stetig umher.

Rückkehr der Schwalben: Hunderte Zugvögel zurück in Werne – warum das eine kleine Sensation ist

Schwalben sitzen in ihrem Nest. © picture alliance / Julian Strate

  • In Deutschland kommen am häufigsten zwei verschiedene Arten von Schwalben vor: die Mehl- und die Rauchschwalben. Letztere sind hauptsächlich im ländlichen Raum zu finden, weil sie auf den Gehöften und in den Viehställen Nahrung und den erforderlichen Nistplatz finden.
  • Eine alte Weisheit besagt: Wo die Schwalbe ihr Nest baut, bringt sie den Bewohnern Glück und Frieden. Der Vogel gilt seit jeher als Glücksbringer.

Diesen Anblick genießt Familie Fleige aus Werne im Moment jeden Tag. Rund 100 Nester hängen an der Decke des Stalls, 200 bis 300 Schwalben finden hier ihren Platz. „Nicht alle Nester sind voll“, sagt Benedikt Fleige. Aber was macht das schon? Die Vögel sind wieder da. In großer Anzahl. Nach Jahren der Abstinenz.

Mehr Vögel bedeuten auch: wieder mehr Nahrung

„Westfälische Bauern freuen sich in diesem Jahr über ausgesprochen viele Schwalben“, sagt Hans-Heinrich Wortmann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Ruhr-Lippe. Er spricht gar vom Schwalbenjahr 2019.

In den vergangenen drei, vier Jahren sei das Aufkommen nicht sehr hoch gewesen, langsam baue sich der Bestand wieder auf. „Das heißt natürlich, dass die Schwalben hier nun wieder genug Insekten als Nahrung finden“, so Wortmann, der selbst einen landwirtschaftlichen Betrieb in Kamen führt.

Hans-Heinrich Wortmann und auch Robert Schulze Kalthoff, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Werne, sprechen an diesem Morgen im August von einem „positiven Gefühl“, als sie versuchen, die Flugbahnen der Vögel mit den Augen zu verfolgen. „Das ist immer toll anzusehen“, sagt Wortmann „Schwalben gelten ja auch als Glücksbringer“, sagt Landwirtin Carola Fleige.

Rückkehr der Schwalben: Hunderte Zugvögel zurück in Werne – warum das eine kleine Sensation ist

Freuen sich über die vielen Schwalben in Werne (v.l.): Hans-Heinrich Wortmann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Ruhr-Lippe, Robert Schulze Kalthoff, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Werne, und Benedikt und Carola Fleige vom Hof Fleige in Werne. © Vanessa Trinkwald

Im September geht es zurück in den Süden

In den alten Gemäuern des Hofes fühlen sich die Zugvögel wohl. Sie sind nicht das ganze Jahr bei uns anzutreffen. Die kalte Jahreszeit verbringen sie im südlichen Afrika. Im April kommen sie wieder nach Mitteleuropa. Sie ziehen im Laufe des Sommers ihre Jungen auf und machen sich dann wieder auf ihren langen und gefährlichen Weg Richtung Süden.

„Für so einen kleinen Vogel ist das eine Meisterleistung“, sagt Robert Schulze Kalthoff und berichtet, wie sich die Tiere orientieren können. Schwalben fänden nach einem Flug über Tausende Kilometer nicht nur zum selben Ort zurück, sondern häufig zum selben Nest, das sie im Vorjahr bewohnt haben.

Rückkehr der Schwalben: Hunderte Zugvögel zurück in Werne – warum das eine kleine Sensation ist

Hunderte Nester befinden sich an den Dachbalken. © Vanessa Trinkwald

Rückkehr der Schwalben: Hunderte Zugvögel zurück in Werne – warum das eine kleine Sensation ist

Die Nester bauen die Vögel aus Lehm. © Vanessa Trinkwald

Aus den Nestern am Dachbalken des Stalls blicken die Jungtiere. Sie sind kaum zu erkennen, ihr gräuliches Gefieder gleicht der Farbe der Nester. Die bestehen aus Lehm. Sollte es während der Zeit des Nestbaus trocken sein, „hilft ein Eimer Wasser in einer ausgetrockneten Pfütze“, sagt Carola Fleige. Die Familie hat die Schwalben gerne auf ihrem Hof und gibt beim Bauen der Nester gerne Unterstützung.

Das Tor zum Rinderstall ist offen. Offene Ställe machen es den Schwalben leicht, sie haben „freien Flug“. Im September ist dann wieder Schluss mit dem wirren Bild am Himmel. „Am Tage von Maria Geburt fliegen die Schwalben furt“, zitiert Carola Fleige eine alte Bauernregel.

Schwarz-gelbes Vogelhäuschen

Ein besonderer Unterschlupf für Vögel fällt an diesem Morgen übrigens auch noch ins Auge: ein schwarz-gelbes Vogelhäuschen. Nicht für die Schwalben, sondern für die Meisen. „Ein schwarz-gelbes Häuschen für die schwarz-gelben Vögel“, sagt Carola Fleige und lacht. Eigentlich sind hier alle Arten willkommen.

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Das schwarz-gelbe Vogelhäuschen ist für die Meisen bestimmt. © Vanessa Trinkwald

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