An mehreren Stellen können sich Bürger in Werne mittlerweile testen lassen. Nach dem fünften soll mindestens ein weiteres Schnelltestzentrum schon bald hinzu kommen. © Jörg Heckenkamp (A)
Entwarnung in Werne

Schnelltest-Zentrum am Solebad von Schließungsplänen nicht betroffen

Nachdem das Testkit-Unternehmen CoviMedical angekündigt hat, 80 Prozent seiner Testzentren vorübergehend zu schließen, gibt es Entwarnung am Solebad: Das Testzentrum bleibt geöffnet.

Das Unternehmen CoviMedical aus Dillenburg, das auch im Kreis Unna Schnelltestzentren betreibt, hat am Donnerstag (8. April) angekündigt, 70 bis 80 Prozent seiner bundesweiten Schnelltestzentren übergangsweise zu schließen. Der Grund: Die Krankenkassen, die die Schnelltests im Auftrag des Bundes bezahlen sollen, zahlten nicht, wie David Timms von CoviMedical auf Anfrage der Redaktion erklärte.

150.000 bis 200.000 Tests pro Woche fielen bei CoviMedical in den bundesweiten Zentren an. Doch dafür muss das Unternehmen selber erst einmal in Vorleistung gehen. Auch das Schnelltestzentrum Am Hagen in Werne wird mit Kits von CoviMedical beliefert. Doch wie Jörn Busch von Satis&fy als Betreiber mitteilte, seien die Testungen Am Hagen weiter gewährleistet. Die Stadt Werne und Satis&fy übernähmen nun erst einmal die Zwischenfinanzierung für CoviMedical, so Busch. Werne als Standort sei nicht von den vorübergehenden Stopps in anderen Städten betroffen, so Timms und Busch. Außerdem gebe es Am Hagen noch ausreichend Testkits, so Busch. Ebenso wenig bestehe bei der Belieferung oder der Bestellung Gefahr.

CoviMedical fordert wöchentliche Zahlungen der Krankenkassen

„Weil die Krankenkassen sehr langsam in der Bezahlung sind, hat CoviMedical erst einmal richtig gesagt, dass sie ein paar Zentren schließen werden, um den politischen Druck zu erhöhen.“ Und das scheint auch zu funktionieren, wie David Timms erklärt: „Es gibt angeblich zum 15. eine monatliche Zahlung. Aber das bringt uns nix, wenn man expandieren will.“ Wichtig seien entweder wöchentliche oder mehrfach monatliche Zahlungen. Eigentlich will CoviMedical wegen der stark gestiegenen Nachfrage nach Zentren bundesweit 30 bis 40 weitere eröffnen. Denn: „Die Testzahlen haben sich locker verdoppelt“, so Timms. Entsprechende Mitarbeiterkraft sei vorhanden, aber es fehle eben am Geld. „Wir brauchen die Mittel.“

Rund 10 Millionen Tests, so sagt Timms, seinen bisher nicht bezahlt worden. Allein an den Ostertagen seien 2,5 Millionen angefallen. In Werne seien seit Eröffnung des Testzentrums Am Hagen bisher über 10.000 Schnelltests durchgeführt worden, so Buch. Auch in Werne sei der Wunsch der Stadt da, noch mehr Testmöglichkeiten anzubieten, sagt David Timms. Bis die Zahlungen da sind, werden die rund 80 Prozent der bisher 69 Testzentren von CoviMedical bundesweit keine neuen Testtermine vergeben. Die bestehenden Testtermine wird das Unternehmen aber weiterhin erfüllen, nur keine neuen mehr herausgeben, bis die Krankenkassen sich zu klaren Zahlungen verpflichten.

„Die Ostertage haben das zum Eskalieren gebracht“, so Timms. Doch das immer noch hohe Testaufkommen habe nichts mehr mit Ostern, sondern mit der steigenden Inzidenz zu tun, die die Leute verunsicherte. „Die Leute kaufen sich mit einem negativen Test frei.“ Etwa für den Friseurbesuch oder die Shoppingmall, sagt Timms. „Alles ist auf einmal erlaubt mit einem negativen Test.“ Allein in einer Stadt wie Unna mit 80.000 Einwohnern bedeute das mehrere Tausend Tests pro Tag. Auch aus der Politik wünscht sich Timms mehr Bewegung. Immerhin sei das Thema nun auch schon von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in der Bundespressekonferenz thematisiert worden. Außerdem sei nicht zu vergessen, dass die Tests den Staat nichts kosteten, da CoviMedical allein 100 Mitarbeiter aus der Kurzarbeit geholt habe. „Das sind enorme Kosten, die der Staat spart.“

Über die Autorin
Redakteurin
Gebürtige Münsterländerin, seit April 2018 Redakteurin bei den Ruhr Nachrichten, von 2016 bis 2018 Volontärin bei Lensing Media. Studierte Sprachwissenschaften, Politik und Journalistik an der TU Dortmund und Entwicklungspolitik an der Philipps-Universität Marburg. Zuletzt arbeitete sie beim Online-Magazin Digital Development Debates.
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Eva-Maria Spiller
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