Hat Werne in diesem Jahr noch eine Chance auf einen weißen Winter wie hier Ende 2017? © Jan Hüttemann
Schnee in Werne

Schnee in Werne: Haben wir noch Chancen auf einen weißen Winter?

Oft von der Wetterapp versprochen aber nicht gehalten: Schnee in Werne. Haben wir in diesem Winter überhaupt noch eine Chance auf weiße Spaziergänge? Der Deutsche Wetterdienst (DWD) klärt auf.

Immer wieder wurde den Wernern in den Wetterprognosen der vergangenen Wochen und Tage eine Aussicht auf Schnee versprochen. Teilweise stundenlang war in diversen Apps Schneefall angekündigt. Doch daraus wurde nichts. Und der Schnee, wo er denn überhaupt fiel, war nur dünn und blieb kaum liegen. Haben wir in Werne überhaupt noch eine Aussicht auf einen weißen Winter 2020/2021?

Ein Blick auf die Wetterprognose der kommenden Tage scheint etwas ernüchternd. In dieser Woche soll es am Dienstag und Mittwoch bis zu 6 Grad warm werden. Ab Freitag dann soll die Temperatur nach derzeitiger Prognose wieder gegen den Nullpunkt fallen. Danach soll es wieder wärmer werden, die Temperaturen steigen aller Voraussicht nach auf um die 3 Grad. Doch am 24. und 25. Januar, so verkündet es das Wetterportal wetter.com, stehen die Wetterbedingungen mit -3 bis 1 Grad so günstig, dass es für leichten Schneefall in Werne reichen könnte.

Deutscher Wetterdienst zeigt sich mit Schneeprognose verhaltener

Maria Hafenrichter, Meteorologin beim Deutschen Wetterdienst in Essen (DWD), zeigt sich mit der Schneeprognose etwas verhaltener: „Seriöse Vorhersage bewegt sich in einem Zeitraum zwischen 4 und maximal 10 Tage, wobei auch hierbei die letzten Tage in der Regel als Trend zu sehen sind.“

Donnerstag (14. Januar) bis Samstag sänken die Temperaturen auf minus 1 bis minus 5 Grad, „allerdings voraussichtlich ohne Niederschlag und somit ohne Schnee“, so die Meteorologin weiter. „Es müssen negative Temperatur und Niederschlag zusammenkommen, um Schneefall zu haben.“ In höheren Lagen hatte es zuletzt durchaus Schnee gegeben, so Hafenrichter Anfang der Woche. „Im Flachland fehlten allerdings 1 bis 3 Grad nach unten.“ Und dazu zählt eben auch Werne mit seinen 60 Metern über dem Meeresspiegel, auch Normalnull (NN) genannt. „Mit zunehmender Höhe über NN nimmt die Häufigkeit von Schneefällen generell zu, auch im Frühjahr“, erklärt der DWD auf seiner Internetseite.

Entscheidend ist neben Regen die Temperatur in der Wolke

Schnee entsteht laut DWD, wenn einzelne oder zusammenhängende Eiskristalle, auch Schneesterne genannt, zu Boden fallen. Verketten sich diese Schneesterne, entstehen Schneeflocken. Damit diese entstehen können, müssen bestimmte Voraussetzungen bestehen: Für „ergiebige Schneefälle“, so der DWD, sind tiefe Temperaturen um die 0 Grad mit wenig Feuchtigkeit in der Luft nötig. „Entscheidend für die Schneefallintensität und Flockengröße sind dabei jedoch nicht die Temperaturen in Bodennähe, sondern in der Wolke, in der sich der Niederschlag bildet.“

Auch Dr. Wolfgang Beckröge, Leiter des Referats Klima und Umweltschutz beim Regionalverband Ruhr (RVR) sagt, so ganz einfach ist es mit der Wetter- und entsprechend auch der Schneevorhersage nicht. „Die Schneegrenze steigt ständig nach oben“, sagt Beckröge am Dienstag. Gleichzeitig nehme die Beständigkeit des Wetters immer weiter ab, weil sich die großräumige Zirkulation immer weiter umstelle – ein Problem für die Voraussagen von Meteorologen und Klimatologen.

Doch für diesen Winter hat Beckröge noch gute Neuigkeiten – teilweise: „Dass es nochmal schneit, ist nicht ganz unwahrscheinlich.“ Und zwar könnte es Ende Januar doch nochmal zum lang ersehnten Schneefall kommen. Allerdings: Was dann liegen bleiben wird, wird größtenteils Matsch sein. „Natürlich gibt es immer mal wieder eine kleine Schneedecke, in der Regel aber ist es Matsch oder Schneeregen.“

Generell nehme der Schneefall ab und die Zeiten, in denen es zu Schneefall komme, würden kürzer, sagt Beckröge. Auch wenn man extreme Wetterlagen wie den massiven Schneefall in Madrid nie ausschließen könne. „In Mittelgebirgen werden wir immer seltener solche Lagen haben, dass man da länger Ski fahren kann.“ In niedrigeren Lagen wie in Werne, wo sowieso weniger Schnee falle und liegen bleibe, könnte die Schneedeckendauer um 10 bis 20 Prozent abnehmen. In Mittelgebirgen wie der Rhön um bis zu 40 Prozent. Der Winter wird immer später kommen und der Frühling eher. In 30 bis 40 Jahren, so die Prognose, wird es einen ganzen Monat Frühling mehr geben. In einem Jahrhundert 3 bis 4 Monate mehr. Und kaum noch einen Winter. Eine Lösung: Die eigenen Klimaemissionen reduzieren.

Über die Autorin
Redakteurin
Gebürtige Münsterländerin, seit April 2018 Redakteurin bei den Ruhr Nachrichten, von 2016 bis 2018 Volontärin bei Lensing Media. Studierte Sprachwissenschaften, Politik und Journalistik an der TU Dortmund und Entwicklungspolitik an der Philipps-Universität Marburg. Zuletzt arbeitete sie beim Online-Magazin Digital Development Debates.
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Eva-Maria Spiller

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