Marga-Spiegel-Schule: Während Lehrer Pläne schmieden, bleiben Schüler daheim

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Leere Klassen, emsiges Treiben im Verwaltungstrakt der Marga-Spiegel-Sekundarschule: Seit Montag müssen die Schüler daheim bleiben. Damit sie trotzdem etwas lernen, geben die Lehrer alles.

Werne

, 17.03.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Blick in die Marga-Spiegel-Schule verrät: Hier ist nichts mehr so, wie es noch am Freitag war. Wo in der vergangenen Woche noch Schüler lernten, aßen und lachten, herrscht nun Stille. Die Klassenräume, mit bunten Plakaten geschmückt, sind verwaist. Ab und an verirrt sich ein Schüler in das Gebäude, um sein Lehrmaterial aus der Klasse zu holen - und wirkt in der Leere beinahe deplatziert.

Am Freitag nach Schulschluss wurde publik: Alle Schulen und Kindergärten in NRW müssen aufgrund der Verbreitung des Coronavirus ab Montag (16. März) bis zu den Osterferien schließen. Im Verwaltungstrakt der Schule hingegen herrscht reges Treiben: In den Morgenstunden beraten die Lehrer, wie sie weiter vorgehen wollen. Im Flur erstellen sie eine „To-Do-Liste“ aus kleinen bunten Zetteln.

Schulleiter Hubertus Steiner stellte mit seinem Kollegium eine To-Do-Liste für die schulfreie Zeit auf.

Schulleiter Hubertus Steiner stellte mit seinem Kollegium eine To-Do-Liste für die schulfreie Zeit auf. © Sylva Witzig

„Es ist ein sehr seltsames Gefühl in einer Schule ohne Schüler“, berichtet Schulleiter Hubertus Steiner. Den ersten schulfreien Tag beschäftigt sich das Kollegium unter anderem mit dem Aufstellen von Dienstplänen und der Verteilung der Aufgaben: „Ich hatte ein sehr unruhiges Wochenende und habe mir viele Gedanken darüber gemacht, wie es hier weitergehen wird. Wir haben jetzt alle Hände voll zu tun, um den Schülern das Lernen von Zuhause aus zu ermöglichen.“

Der erste Tag der Schulschließung an der Marga-Spiegel-Schule - an diesem Tag sind mehr Lehrer als Schüler vor Ort.

Der erste Tag der Schulschließung an der Marga-Spiegel-Schule - an diesem Tag sind mehr Lehrer als Schüler vor Ort. © Sylva Witzig

Das funktioniert über den Schul-Messenger Schoolfox. Die Schüler bekommen so Lehrmaterial und Hausaufgaben zugeschickt, die dann auch von den Lehrern benotet werden. Für die kommenden drei Wochen laden die Lehrer das Lehrmaterial im System hoch. Selbst für die eher praktischen Fächer wie Musik und Sport gäbe es theoretisches Material, mit dem sich die Schüler beschäftigen können.

Der erste Tag der Schulschließung an der Marga-Spiegel-Schule - auf dem Schulhof ist es in der Mittagszeit ungewohnt still.

Der erste Tag der Schulschließung an der Marga-Spiegel-Schule - auf dem Schulhof ist es in der Mittagszeit ungewohnt still. © Sylva Witzig

Im sportlichen Bereich lernen die Schüler dann beispielsweise etwas über die olympischen Spiele. „Die Schüler sollen keinesfalls fünf Wochen Corona-Ferien haben“, betont Steiner. „Die kommenden Wochen werden für die Schüler sehr familiär, weil beinahe alle öffentlichen Einrichtungen geschlossen wurden. Wichtig ist, dass die Eltern ihre Kinder motivieren, die Zeit tatsächlich zum Lernen zu nutzen.“ Über Schoolfox seien auch die Eltern mit den Lehrern vernetzt. „Wir haben es mit einer gefassten, tollen Elternschaft zu tun“, sagt Steiner.

Gähnende Leere im Foyer der Marga-Spiegel-Schule. Normalerweise herrscht hier reges Treiben.

Gähnende Leere im Foyer der Marga-Spiegel-Schule. Normalerweise herrscht hier reges Treiben. © Sylva Witzig

Besorgte Nachfragen habe es nur vereinzelt gegeben. Häufig ginge es dann darum, ob die Schüler noch Dinge aus der Schule abholen dürfen und ob Praktikumsstellen besucht werden müssen. „Wir haben beispielsweise eine Schülerin, die gerade ein Praktikum beim Zahnarzt absolviert. Da sagen wir ganz klar, dass sie dort nicht aufschlagen muss“, so Steiner.

Von außen deutet nichts darauf hin, dass die Schule aktuell eine beinahe schülerfreie Zone ist.

Von außen deutet nichts darauf hin, dass die Schule aktuell eine beinahe schülerfreie Zone ist. © Sylva Witzig

Für Schüler, deren Eltern in sensiblen Bereichen wie Arztpraxen arbeiten, wird eine Notgruppe eingerichtet. Maximal fünf Kinder sollen pro Raum betreut werden. Dafür werden die Klassenräume genutzt.

Die Schulleitung und der Hausmeister bleiben immer als Ansprechpartner in der Schule. Die Lehrkräfte teilen sich auf und sind gestaffelt vor Ort. „Viele machen Home Office“, erzählt Steiner. 93 Lehrer, 10 Integrationshelfer und 3 Schulsozialarbeiter arbeiten an der Schule und müssen sich nun neu organisieren.

Ensar, Demir, Mustafa und Wesley (alle 10. Klasse) sehen die Schließung ihrer Schule eher kritisch. Nach den Osterferien stehen einige Prüfungen an. Dafür müssen sie nun selbstständig lernen.

Ensar, Demir, Mustafa und Wesley (alle 10. Klasse) sehen die Schließung ihrer Schule eher kritisch. Nach den Osterferien stehen einige Prüfungen an. Dafür müssen sie nun selbstständig lernen. © Sylva Witzig

Organisieren müssen sich jetzt auch die Schüler: Den kompletten Lehrstoff der nächsten drei Wochen müssen sie sich aneignen. „Für die zehnte Klasse wird es schwierig, das selber hinzubekommen. Nach den Osterferien stehen acht Prüfungen an. Meiner Meinung nach hätte man das irgendwie anders lösen können“, sagt Mustafa (16), der zum Abholen von Lehrmaterial in der Schule ist

„Das Leben ist auf Pause. Manche feiern das, aber diese soziale Isolation ist schon erschreckend“, gibt sein Stufenkollege Wesley (15) zu bedenken. Lockerer sieht das Luca (17): „Solange in Werne keine schlimmen Fälle auftreten, bin ich ganz gelassen und freue mich über die freie Zeit. In das Lehrmaterial habe ich noch gar nicht reingeschaut.“

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