Null-Euro-Schein aus Werne: Sammlerin (57) zeigt, wie wertvoll Souvenirscheine sein können

dzSammel-Leidenschaft

Frankreich, Australien, Indien oder die USA: Viele Länder erkennen den Markt für Null-Euro-Scheine. Nun bringt auch Werne einen Souvenirschein heraus. Es kann ein lukratives Geschäft werden.

Werne

, 03.05.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Jutta blickt auf ihre Alben. Sie blättert durch und gleitet mit dem Zeigefinger über die bunten Scheine. Nur an drei Stellen ist die Einsteckhülle leer. Hier ist die Sammlung noch nicht vollständig.

Jutta, die ihren vollständigen Namen nicht nennen möchte, hat eine außergewöhnliche Leidenschaft. Sie sammelt Null-Euro-Scheine. Werne bringt solche Souvernirscheine nun als erste Stadt im Kreis Unna heraus. Mit denen kann man natürlich nichts bezahlen, sie haben keinen Nominalwert, sind aber sehr wertvoll.

Null-Euro-Scheine können lukratives Geschäft bedeuten

Die Einnahmen werden für den Erhalt der auf dem Schein zu sehenden Sehenswürdigkeit eingesetzt oder fließen in den Stadthaushalt. Und das Geschäft ist überraschend lukrativ. Sammler geben für spezielle Exemplare Beträge im hohen vierstelligen Bereich aus. Auch in Juttas Sammlung finden sich solche Scheine.

Um den Überblick zu behalten, stellt die 57-Jährige, die in Werne arbeitet, ihre große Sammlung in chronologischer Reihenfolge vor. Zunächst kamen 15-Euro-Souvenirscheine in Frankreich auf den Markt.

Null-Euro-Schein aus Werne: Sammlerin (57) zeigt, wie wertvoll Souvenirscheine sein können

Ab Juni gibt es auch einen Null-Euro-Schein aus Werne (wie hier auf diesem Ausdruck). Auf diesem Souvenirschein ist unter anderem der Ausrufer zu sehen. © Andrea Wellerdiek

Scheine erstmals in Frankreich herausgebracht

Ein Blick in ein Album zeigt, worauf es den Franzosen bei der Gestaltung der Scheine ankam: Sehenswürdigkeiten aus jeder der 15 Provinzen, Politiker oder besondere historische Ereignisse.

„Die Franzosen haben einen besonderen Nationalstolz. In Deutschland gab es früher auch Ersttagsbriefe. Die gibt es bei uns schon lange nicht mehr, bei den Franzosen hingegen schon“, erklärt Jutta. Hier wurden 2015 schließlich auch die ersten Null-Euro-Scheine als Souvenir herausgegeben. Die Idee stammt von Richard Faille, der auch schon Gedenkmedaillen produzierte.

Hohe Sicherheitsstandards für Souvenirscheine

Die Sicherheitsstandards und das Material des Scheins unterscheiden sich dabei nicht von den Banknoten, die man im eigenen Portemonnaie hat: Wasserzeichen, Sicherheitsfaden, Hologramm und fortlaufende Nummern sind inklusive. Der Zusatz „Euro-Souvenir“ darf aber auch nicht fehlen.

Die Null-Euro-Scheine, die laut Jutta eine große Sammel- und Fangemeinde haben, sind in der Regel an den jeweiligen Sehenswürdigkeiten zu kaufen - etwa an einem Automaten. Zwei Euro kostet demnach meistens ein Exemplar.

Null-Euro-Schein aus Werne: Sammlerin (57) zeigt, wie wertvoll Souvenirscheine sein können

Jutta hat einige Sonder-Editionen in ihrer Sammlung - so etwa zur Fußball-WM. © Andrea Wellerdiek

Auflage bestimmt den Preis

Der Souvenirschein aus Werne bietet das Stadtmarketing für 3,50 Euro an. Doch wie bei vielen anderen Sammlerstücken bestimmt auch die Auflage den tatsächlichen Wert des Scheins. Ein Schein mit demTriumph-Bogen in Paris gibt es etwa 10.000 Mal. Er wird im Internet für 150 bis 200 Euro gehandelt.

Sonder-Editionen, die natürlich auch in der Sammlung von Jutta nicht fehlen, sind in noch geringerer Stückzahl im Umlauf, sodass diese noch teurer zu haben sind. Etwa 1000 Scheine gibt es etwa nur von der speziellen Ausführung des Scheins aus der französischen Stadt „Sarlat-La-Canéda“ mit Gänsen als Wahrzeichen. „Eigentlich gehören drei Gänse auf den Schein. Auf der Sonder-Edition sind es aber sechs Gänse“, erklärt die 57-Jährige.

Der 16. Schein aus einem 15-Scheine-Heft

Ähnlich begehrt sind der 16. Schein aus einer Sonder-Edition mit eigentlich nur 15 Scheinen oder die Exemplare, auf denen der Big Ben als eine von vier europäischen Sehenswürdigkeiten noch auf der Rückseite zu sehen ist. Nach der Brexit-Entscheidung und dem anstehenden EU-Austritt wurde das Wahrzeichen durch den Torre de Belém aus Lissabon ersetzt.

Ebenso wertvoll sind die unzähligen Fehldrucke, die Jutta in einem Album zeigt. Fehlschnitte, schiefe Schriften, fehlendes Hologramm - die Fehldrucke zeigen, dass die französische Wertpapierdruckerei Oberthur Technologies die Souvernirscheine als Probescheine für die echten Banknoten drucken lässt.

Null-Euro-Schein aus Werne: Sammlerin (57) zeigt, wie wertvoll Souvenirscheine sein können

Der Markt für Null-Euro-Scheine ist groß. Entsprechend kreativ und teuer bieten einige Städte ihre Souvenirstücke an. Geschenkscheine etwa gibt es für rund 400 Euro im Internet. © Andrea Wellerdiek

Viel Freizeit und Geld investiert

„Es ist gar nicht so einfach, überhaupt die fehlenden Scheine im Internet zu bekommen.“ Entsprechend viel freie Zeit verbringt sie am Computer, um die fehlenden Lücken im Album zu schließen. Entsprechend viel Geld fließt in dieses ungewöhnliche Hobby.

Doch nun hat Jutta, die von ihrem Mann bei ihrer Sammel-Liebe unterstützt wird, sich selbst Grenzen aufgelegt. „Ich sammle noch alle Scheine aus dem Jahr 2018. Ab 2019 sammle ich nur noch deutsche Scheine und jeweils den allerersten aus einem neuen Land, das dazu kommt“, erklärt sie.

Werne steigt mit ein

Immer mehr Länder, darunter auch Nicht-EU-Länder wie die Schweiz, die Vereinigten Arabischen Emirate, Indien, Singapur oder die USA bringen Null-Euro-Scheine auf den Markt. Ab Juni gibt es auch einen Null-Euro-Schein aus Werne.

„Dass Werne als erste Stadt im Kreis einen Schein herausbringt, hätte ich nicht gedacht“, sagt Jutta, die in Werne arbeitet und gleich zehn Souvenirscheine aus der Lippestadt vorbestellen möchte. Es gibt bereits einige Interessenten, die sich für den Souvenirschein aus Werne vorgemerkt haben, so Britta Löchter vom Stadtmarketing.

„Das ist keine Eintagsfliege“

Wie lukrativ diese Souvenirs aus Deutschland sein können, zeigen Beispiele aus anderen Städten. Die Null-Euro-Scheine, die zum Beispiel Bielefeld mit der Sparrenburg in einer Geschenkmappe auf den Markt gebracht hat, sind heute rund 400 Euro wert, erzählt Jutta.

„Das ist keine Eintagsfliege. Man sollte den Ideengeber im Stadtmarketing für den Null-Euro-Schein auf gar keinen Fall zu scharf auslachen. Es gibt genug Verrückte, die das kaufen“, sagt Jutta und schmunzelt.

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