Hinter Werne liegt ein Coronajahr mit Höhen und Tiefen. Nach einem in der Rückschau milden Start folgte eine harte zweite Welle. © (A) Felix Püschner
Corona-Jahresrückblick

Rückblick aufs Coronajahr in Werne: Vom seichten Anfang zur bitteren zweiten Welle

Zum Höchststand der Pandemie kratzte Werne an einer 7-Tages-Inzidenz von fast 350, seither hat sich die Lage wieder etwas entspannt. Wir werfen einen Blick zurück auf die Corona-Entwicklung in 2020.

Als Ende 2019 bekannt wurde, dass in der 8425 Kilometer Luftlinie entfernten chinesischen Stadt Wuhan ein neuartiges Virus ausgebrochen sei, hätten wenige Menschen damit gerechnet, dass sich genau dieses binnen weniger Wochen auf der ganzen Welt ausbreiten würde – die Bundesregierung eingeschlossen.

Am 27. Januar wurde bekannt, dass sich ein Mitarbeiter des Autozulieferer-Unternehmens Webasto nahe München bei einer chinesischen Kollegin angesteckt hatte. 15 weitere Infektionen unter den Kollegen folgten. Es dauerte knapp sechs Wochen, da wurde auch der erste Coronafall in Werne bekannt – die Person hatte sich bei einer Person aus Bergkamen infiziert. Was aus heutiger Sicht verblüfft: Nach dem 12. März blieb es in Werne tagelang ruhig.

Der erste Corona-Todesfall in Werne wurde am 14. April bekannt

Erst am 18. März meldete der Kreis Unna für Werne wieder Neuinfektionen – 3 an der Zahl. 4 weitere folgten insgesamt an den beiden darauffolgenden Tagen. Ende März nahm das Infektionsgeschehen zu: Der Kreis Unna meldete vom 30. März bis 4. April täglich ein bis zwei Neuinfektionen. In den Wochen darauf gab es auch Tage ohne neue Meldungen. Den bis dahin höchsten Stand an Neuinfektionen an einem Tag verzeichnete Werne am 13. April – 9 Personen hatten sich mit dem Coronavirus infiziert, zwei Tage später sind es nochmal 7. Unter den Meldungen waren auch die sieben Fälle, die in einer Werner Senioreneinrichtung identifiziert wurden, nachdem dort ein Bewohner erste Symptome aufgewiesen hatte.

Nur einen Tag später – am 14. April – wurde bekannt, dass die erste Person aus Werne infolge einer Coronainfektion verstorben war: ein 81 Jahre alter Mann, der zuletzt in einer Pflegeeinrichtung gelebt hatte. Eine weitere Seniorin verstarb am 13. Mai – danach blieb Werne lange Monate verschont von Todesmeldungen. Auch das Infektionsgeschehen nahm offiziellen Zahlen zufolge ab. So wurde zwischen einschließlich des 3. bis 29. Mai keine einzige Neuinfektion gemeldet.

Auch in den Wochen danach blieb es ruhig, auch wenn zwischenzeitlich am 13. Juni sechs, sowie am 18. Juni drei Neuinfektionen bekannt geworden waren. In der letzten Juliwoche vom 27. Juli bis 2. August steckten sich in Werne insgesamt 20 Personen mit dem Coronavirus an. Am 11. August dann verstarb die dritte Person in Werne, eine Seniorin in einer Pflegeeinrichtung. Doch der Beginn der befürchteten zweiten Welle war es nicht. Noch nicht.

Zwischen dem 22. September und dem 3. Oktober dann wurden 17 Neuinfektionen bekannt, ab dem 12. Oktober dann verging kaum noch ein Tag ohne eine Meldung von Neuinfektionen. Die Zahl der aktuell Infizierten aus Werne stieg vom 13. Oktober mit 11 Fällen auf 80 am 12. November. Den bisherigen Höchststand erreichte die Zahl der aktuell Infizierten in Werne am 4. Dezember mit 180 Fällen.

Ende November meldete Kreis so viele Neuinfektionen wie nie zuvor

Erstmals zweistellig wurden die Neuinfektionen an nur einem Tag in Werne am 30. Oktober mit 16 Fällen. Genau einen Monat später, am 30. November (Montag) wurden mit 39 Fällen an nur einem Tag so viele Neuinfektionen gemeldet wie noch nie seit Ausbruch der Pandemie in Werne. Dabei ist allerdings zu beachten, dass die Fälle auch zum Teil vom vorangegangenen Wochenende stammten, an denen typischerweise keine Neuinfektionen seitens des Gesundheitsamtes in Unna vermeldet werden. Am 25. November hatte der Kreis schon einmal 36 Neuinfektionen binnen eines Tages gemeldet.

Am 27. November teilte der Kreis Unna auf Nachfrage mit, dass unter den Fällen ein Teil der 63 Senioren in mehreren Senioreneinrichtungen in Werne waren, die sich mit dem Coronavirus infiziert hatten. Am 1. Dezember lag die bisher höchste 7-Tages-Inzidenz (Zahl der Neuinfektionen in Werne binnen 7 Tagen gerechnet auf 100.000 Einwohner) bei einem Wert von 348,23 (nach eigener Berechnung basierend auf den durch den Kreis Unna gemeldeten Zahlen).

Mit den hohen Neuinfektionszahlen stieg auch die Zahl der Todesfälle in Werne: 17 der bisher 20 Todesfälle in Werne wurden zwischen dem 27. November und dem 21. Dezember gemeldet. Bei dem Großteil der Fälle handelt es sich um Senioren über 70 Jahren.

Doch nicht nur auf Seniorenheime, auch auf Schulen und Kitas ließen sich Infektionen nach Angaben des Kreises Unna in Werne zurückführen. Viel öfter aber waren es einzelne Infektionen und spielten sich im privaten Rahmen ab, wie die Stadt Werne mehrfach im Laufe des Jahres erklärte. Das Infektionsgeschehen wurde mit Beginn der zweiten Welle zunehmend diffuser, die Kontakte nachzuverfolgen wurde eine Mammutaufgabe für den Kreis Unna, der sich Unterstützung bei der Bundeswehr holte.

Gesundheitsamt meldete keine neuen Infektionen über Feiertage

Seit Anfang Dezember ist die Zahl der Neuinfektionen insgesamt gesunken, wenn auch über den Lauf mehrerer Wochen und mit leichten, kurzfristigen Steigerungen. Vom 24. bis einschließlich 27. Dezember hatte der Kreis Unna keine neuen Zahlen gemeldet, weshalb sich die Zahl der aktuell Infizierten in Werne an diesen Tagen jeweils auf den zuletzt gemeldeten Tag (23. Dezember) beziehen. Zu diesem Zeitpunkt war die 7-Tages-Inzidenz in Werne auf ein Werteniveau von 103,8 gefallen. Am 28. Dezember meldete der Kreis für Werne 16 Neuinfektionen über die Feiertage, die 7-Tages-Inzidenz fiel auf 73,76.

Laut RKI hatten während der Feiertage weniger Menschen in Deutschland einen Arzt aufgesucht, dadurch seien weniger Proben genommen und weniger Laboruntersuchungen durchgeführt worden, heißt es auf der Corona-Seite des Instituts. Entsprechend seien auch weniger Meldungen an die Gesundheitsämter bundesweit gemacht oder nicht flächendeckend an das RKI übermittelt worden.

Über die Autorin
Redakteurin
Gebürtige Münsterländerin, seit April 2018 Redakteurin bei den Ruhr Nachrichten, von 2016 bis 2018 Volontärin bei Lensing Media. Studierte Sprachwissenschaften, Politik und Journalistik an der TU Dortmund und Entwicklungspolitik an der Philipps-Universität Marburg. Zuletzt arbeitete sie beim Online-Magazin Digital Development Debates.
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Eva-Maria Spiller

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