Der Baubetriebshof der Stadt Werne räumt am Donnerstag,11. Februar auf dem Marktplatz den zusammengeschobenen Schnee weg. Die Mitarbeiter sind weiterhin von 3.30 Uhr bis 20 Uhr täglich im Einsatz. Dennoch gibt es Kritik von Bürgern. © Jörg Heckenkamp
Schnee-Chaos in Werne

Räumdienst in Werne pausenlos im Einsatz, dennoch gibt es Kritik von Bürgern

Werne ist noch immer eine einzige weiße Landschaft. Aufgrund der Mengen an Schnee ist der Räumdienst weiter im Einsatz. Die Lage auf den Straßen entspannt sich nur langsam. Ein Zwischenfazit.

Man sieht immer noch weiß: Der Räumdienst des Baubetriebshofes ist immer noch dabei, die historischen Mengen an Schnee von Straßen, Gehwegen und Plätzen in Werne zu beseitigen. Sind mittlerweile alle Straßen frei? Wo gibt es Gefahrenstellen? Was gilt jetzt für Anwohner? Wir klären die wichtigsten Fragen.

Wie sieht die Lage für den Verkehr aus? Sind mittlerweile alle Straßen geräumt?

Die Straßen, die in den Zuständigkeitsbereich der Stadt Werne gehören, sind mittlerweile mehrmals geräumt und gestreut worden, erklärt Detlef Bruns, Baubetriebshofleiter in Werne. Dazu gehören auch Wirtschaftswege in Außenbezirken, die seit Mittwoch geräumt wurden. Dazu zählen nicht landwirtschaftliche Wege. Da sind die Landwirte selbst gefragt und müssen mit dem Trecker die Wege frei räumen. Am Mittwoch bereits sind die Straßen zum dritten, am Donnerstag teilweise zum vierten Mal von Schnee befreit worden, berichtet Bruns. Darüber hinaus gibt es aber Straßen, bei denen der Kreis Unna oder der Landesbetrieb Straßen NRW für den Schneedienst zuständig sind – so etwa auf der Bundesstraße 54 Richtung Lünen.

Manche Straßen im Stadtgebiet sind noch mit Schnee bedeckt, kritisieren Bürger. Woran liegt das?

Aufgrund der tiefen Temperaturen kann sich schnell eine Eisdecke bilden. „Schon am Sonntag haben wir beim Räumen kleine Eisflächen auf Straßen entdeckt. Die sind nicht nur schwer zu lösen, sondern auch gefährlich. Deshalb haben wir teilweise bewusst eine Schneeauflage liegen gelassen. Ein Restrisiko, dass diese einfrieren kann, bleibt aber bestehen. Nur weil die Straßen nicht schwarz sind, heißt das nicht, dass wir sie nicht geräumt haben“, erklärt Bruns.

Einige Bürger kritisieren, dass öffentliche Gehwege oder Wege und Einfahrten, die sie selbst frei geschippt haben, von Fahrzeugen des Räumdienstes wieder mit Schnee zugeschoben wurden. Wie kann das sein?

Das lässt sich nicht vermeiden, wie Detlef Bruns erklärt. „Leider können wir diese Menge an Schnee aber auch nicht aufnehmen. Es geht leider nicht anders“, so der Baubetriebshofleiter. Auch die eigene Arbeit sei davon betroffen. „Auch unsere eigene Arbeit wird zunichte gemacht. Manchmal schieben wir uns frei geräumte Bereiche wieder selbst zu“, sagt Bruns. Das kommt etwa dann vor, wenn Straßen von den Schneemassen befreit werden, dann aber die Gehwege wieder zugeschoben werden. Das Problem ist denkbar einfach: Irgendwo muss der Schnee nun einmal hin.

Mit wie vielen Mitarbeitern ist der Räumdienst derzeit im Einsatz?

Mit allen verfügbaren Kräften aus dem Baubetriebshof. Mitarbeiter, die eigentlich für die Grünpflege zuständig sind, sind ebenfalls für den Räumdienst eingeteilt. Etwa 30 Mitarbeiter kümmern sich zurzeit in zwei Schichten darum, das Schnee-Chaos so gering wie möglich zu halten. „Wir sind nach wie vor mit allen Fahrzeugen im Einsatz – und zwar von 3.30 Uhr an“, sagt Detlef Bruns. Seit Donnerstag sind die Mitarbeiter dabei, Seitenstreifen und Parkplätze zu räumen. Neben dem Marktplatz werden nun auch weitere Teile der Steinstraße von Schnee befreit, damit ab Dienstag (16. Februar) auch weitere Beschicker wieder zum Wochenmarkt kommen können. Auch die Bushaltestellen werden verstärkt in den Fokus genommen, seitdem die Busse wieder verkehren, so Bruns.

Gibt es auf den Straßen besonders gefährliche Stellen?

Überall ist weiter Vorsicht geboten. „Langsam klart es sich auf. Aber in der Nacht zu Freitag wird es besonders kalt. Deshalb ist auf jeden Fall mit Glatteis zu rechnen“, sagt der Experte. Auf vielen Straßen kann sich so ein Schmierfilm bilden, sodass Verkehrsteilnehmer besonders vorsichtig sein müssen. Am Donnerstagmorgen haben sich vereinzelt Gefahrenstellen ausgemacht: An der Raiffeisenstraße zum Gewerbegebiet Wahrbrink hat sich – wohl durch die vielen Fahrten hier mit Lkw – eine 14 bis 15 Zentimeter tiefe Kante in das Eis gesetzt. Hier haben Mitarbeiter des Räumdienstes mit Radlager und viel Handarbeit das Problem gelöst, erzählt Bruns. Es war aufgefallen, als man selbst dort mit einem Fahrzeug zum Salzstreuen unterwegs war.Eine weitere Gefahrenstelle bildete der Nordbecker Damm. Auf der Brücke, die über die Nordlippestraße führt, hat sich sehr viel Schnee gebildet. Nun ist diese Straße auch wieder passierbar.

Es gab Kritik über noch mit Schnee bedeckte, öffentliche Gehwege und Überquerungshilfen. Wann ist hier Besserung in Sicht?

„Wir können nicht überall sein. Wie soll das auch gehen bei einer Schneedecke von 50 Zentimetern? Wir können nicht an allen Fronten gleichzeitig kämpfen“, sagt Bruns dazu. Nach und nach werden aber alle Übergänge und Gehwege bedient.

Ebenso haben sich Anwohner beschwert, dass vor ihrer Haustür die Straße noch nicht geräumt wurde. Wann ist hier mit dem Räumdienst zu rechnen?

Teilweise gar nicht. Denn: „In verkehrsberuhigten Straßen sind die Anlieger für das Räumen der Gehwege und der Straße verantwortlich“, erklärt Adrian Kersting, Leiter des Tiefbauamtes der Stadt Werne. So muss jeder Anwohner nicht nur den Gehweg vor seinem Haus, sondern auch bis zur Hälfte der Straße frei räumen. So steht es in der Ortssatzung für Werne.

Die Eurobahn der RB-Linie 50, die zwischen Dortmund und Münster verkehrt, nahm ihren Betrieb am Donnerstag (11. Februar), 16.30 Uhr, wieder auf. Ab dann fuhren die Züge zunächst im Zwei-Stunden-Rhythmus. Die erste Fahrt ab Dortmund in Richtung Münster war bereits für 14.30 Uhr angekündigt, dann allerdings gab es eine Verzögerung. „Das Fahrzeug war zugefroren. Deshalb konnte es nicht wie geplant um 14.30 Uhr los gehen“, erklärt eine Sprecherin von Keolis, dem Eurobahn-Betreiber, am Nachmittag.

Über die Autorin
Redaktion Werne
Studium der Sportwissenschaft. Nach dem Volontariat bei Lensing Media zunächst verantwortlich für die digitale Sonntagszeitung, nun in der Lokalredaktion Werne der Ruhr Nachrichten.
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Andrea Wellerdiek

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