Radstation auf der Suche nach Rädern

WERNE Nicht nur die Perthes-Radstation am Bahnhof verschmähen die Werner "Drahtesel"-Besitzer (wir berichteten). Ähnlich ist die Situation der Awo-Station in der Tiefgarage am Roggenmarkt. Auch hier parken die Werner lieber im Freien, als die überdachten und bewachten Plätze zu nutzen.

von Von Rudolf Zicke

, 19.07.2008, 08:45 Uhr / Lesedauer: 2 min
Auch in der Radstation der AWO, Tiefgarage, sind die Fahrradständer kaum benutzt.

Auch in der Radstation der AWO, Tiefgarage, sind die Fahrradständer kaum benutzt.

Es ist in der Innenstadt wie am Bahnhof: Unzählige Fahrräder stehen im Freien, doch in der bewachten Tiefgarage herrscht gähnende Leere. "Wir haben die anfangs 70 Stellplätze inzwischen auf 60 reduziert", erklärte Peter Nitsch von der Arbeiterwohlfahrt (Awo); diese seien in Spitzenzeiten bis zu 50 Prozent ausgelastet, ansonsten seien nur 10 zu 20 Plätze belegt. Was Nitsch noch mehr ärgert, ist die geringe Nachfrage nach den Serviceleistungen der Radstation, also zum Beispiel nach Fahrradreparaturen und nach einer Reinigung des Drahtesels in der Fahrradwaschstraße.

Personal wird ausgetauscht

"Die ersten drei Monate nach der Eröffnung vor zwei Jahren war die Situation sehr gut", blickt Nitsch zurück, doch dann habe die Nachfrage deutlich nachgelassen. Seitdem sei es ein stetiges Auf und Ab, wirklich gut ausgelastet sei die Station nie. Wo er die Ursache für das mangelnde Interesse der Werner an der Einrichtung sieht? "Wir suchen zuerst einmal bei uns", sagt Nitsch. Deshalb werde jetzt ein Teil des vierköpfigen Personals - außer dem Stationsleiter sind dort drei Ein-Euro-Kräfte beschäftigt - gegen Mitarbeiter aus einer der anderen zehn Awo-Radstationen ausgetauscht. "Wenn sich dann nichts zum Besseren ändert, wissen wir: Unsere Leute sind nicht schuld."Neue Tarife in Planung

Am Standort in der Tiefgarage könne es kaum liegen, meint Nitsch; er sei zwar sicher nicht der beste, seine Existenz dürfte sich aber inzwischen in der Bevölkerung herumgesprochen haben. Derzeit laufen verschiedene Überlegungen, wie mehr Radler gelockt werden könnten. "Wir denken darüber nach, die Tarife zu überarbeiten und neben der Tageskarte für einen Euro eine Zwei-oder Drei-Stunden-Karte für 25 Cent einzuführen. Die wäre dann für Leute, die nur mal eben zum Einkaufen in die Stadt kommen, interessant", glaubt Nitsch. Zusätzliche Maßnahme könnten eine Erweiterung der Reparaturzeiten - bislang von 11 bis 14 Uhr - und Aktionstage sein.In Lünen steigen Leute vermehrt aufs Rad

An eine Beendigung des über fünf Jahre laufenden Vertrages mit der Stadt denkt Peter Nitsch trotz aller Probleme nicht, hofft dabei auch auf Auswirkungen der hohen Spritpreise: "Wir erleben es gerade in Lünen. Da steigen die Leute scharenweise vom Auto aufs Fahrrad um." Die Radstation am Markt sei ausgelastet wie nie zuvor. "Und wer viel Rad fährt hat, auch mal ´ne Panne", schmunzelt Nitsch. So sei die Zahl der Reparaturen in der Lüner Awo-Einrichtung um etwa 25 Prozent gestiegen.

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