Maurice, Maximilian, Greta: Deshalb kann ein Name das ganze Leben prägen

dzPsychologe erklärt

Es ist nur ein Wort, doch der Name kann das ganze Leben einer Person prägen. Namen können Schulnoten, Jobchancen und Sozialleben beeinflussen, erklärt Psychologe Dr. Christian Lüdke.

Werne

, 09.01.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was denken Sie, wenn Sie den Namen Ahmed lesen? Er ist einer der beliebtesten Namen in Werne 2019. Denken Sie an eine Person mit dem Namen, die Sie kennen? Verbinden Sie etwas Bestimmtes damit? So oder zumindest so ähnlich ist es bei jedem Namen, sagt der Lüner Psychologe Dr. Christian Lüdke - und das kann sich auf das ganze Leben einer Person auswirken.

„Der Name ist eine Art von Prophezeiung“, sagt der Kinder- und Jugendpsychologe - und die eilt einem voraus, bevor man überhaupt etwas anderes vermitteln kann.

Namen haben Einfluss auf unsere Lebensgeschichte

„Wir verbinden mit Namen negative und positive Dinge und beziehen das dann auf die Person“, sagt Lüdke. Als Beispiel nennt er Maximilian und Maurice. „Mit Maximilian verbindet man einen intelligenten Mann aus der oberen Gesellschaftsschicht“, so Lüdke. Bei Maurice sei hingegen das Gegenteil der Fall.

„Das hat Einfluss auf unsere Lebensgeschichte und Eltern wollen, dass der Name ihres Kindes einen möglichst hohen Status widerspiegelt“, sagt Lüdke. Doch warum überhaupt?

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Die Verbindung zwischen Name und Eigenschaften stammt laut Lüdke aus der Antike. Damals waren es aber besonders die Nachnamen, die das anzeigten. Müller, Bäcker und Co. waren Berufsbezeichnungen und ein direkter Hinweis auf das Leben dieser Person.

Maurice, Maximilian, Greta: Deshalb kann ein Name das ganze Leben prägen

Dr. Christian Lüdke ist Kinder- und Jugendpsychologe. © Privat

„Das hat sich bis heute - oft unbewusst - durchgezogen“, sagt er Psychologe. Auf Schulnoten, Berufschancen und Ansehen kann der Vorname einen Einfluss haben. „Vor Jahren gab es einen wissenschaftlichen Test mit Lehrern, der das bewiesen hat“, so Lüdke.

Greta als Beispiel für Namen mit Vorurteilen

Damals sollten die Lehrer Klausuren von Schülern bewerten: eine Gruppe anonym, die andere mit sichtbaren Namen. Laut Lüdke seien die Klassenarbeiten von Schülern mit eher negativ behafteten Namen wie Kevin oder Jacqueline mindestens eine halbe Note schlechter bewertet worden als dieselbe Klausur, die ohne Name kontrolliert wurde.

Das liegt daran, dass Menschen ab dem dritten Lebensjahr Worte zu 95 Prozent mit Bildern verknüpfen. „Greta ist da ein gutes Beispiel“, so Lüdke. „Einige Menschen sind genervt von Greta Thunberg. Deshalb ist der Name für sie negativ behaftet - und das, obwohl es ganz wundervolle andere Assoziationen zum Namen Greta gibt.“

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Auch im Berufsleben bestimmt der Name über die Chancen mit. „Hier erhalten die Verantwortlichen unbewusst einen Eindruck durch den Namen. Besonders, weil oft keine Fotos mehr anhängen“, sagt Lüdke.

Doch Leid durch den eigenen Namen hat Lüdke in seiner 30-jährigen Berufslaufbahn nur selten erlebt: „Ein oder zwei Personen haben unter ihrem Vornamen gelitten“, doch das hatte tiefergehende psychologische Gründe. Häufiger könnten hingegen Spitznamen verletzend sein.

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