„Jesus wäre auch bei Facebook“ - Pater Tobias nutzt längst Soziale Medien zum Austausch

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Das Erzbistum Köln lädt Priester zum Social-Media-Seminar. Pater Tobias (55), gebürtig aus Werne, ist längst in Sozialen Netzwerken aktiv. So erreicht er vor allem kirchenfremde Menschen.

Werne, Cappenberg, Selm

, 11.05.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Als Cowboy zu Karneval, als Marathon-Pater im Oman, als Botschafter für soziale Projekte, als Privatperson in Werne oder als Priester in der Kirche. Pater Tobias zeigt sich in allen Facetten im Internet. Der 55-Jährige, der gebürtig aus Werne kommt, ist schon seit etwa zehn Jahren in den Sozialen Netzwerken Facebook, Twitter, Youtube und Instagram aktiv.

Dass das Erzbistum Köln Priester nun zum Social-Media-Seminar einlädt, hält Pater Tobias für längst überfällig. „In den Zeiten, in denen vor allem negativ über die Kirche berichtet wird, ist es umso wichtiger, Werbung für den lieben Gott und die Kirche zu machen.“ Und das geht nicht nur im sonntäglichen Gottesdienst, bei dem man nicht selten nur dieselben Gesichter sieht.

„Jesus wäre auch bei Facebook“ - Pater Tobias nutzt längst Soziale Medien zum Austausch

Fast täglich postet Pater Tobias Inhalte auf Facebook. So sehen seine Freunde wie Pater Tobias privat ist. © Screenshot Facebook

Kirchenfremde Personen folgen Pater Tobias auf Facebook

Über Soziale Netzwerke erreicht Pater Tobias, der aus der Kirchengemeinde Cappenberg stammt, andere, kirchenfremde Personen, wie er sagt. Bei Instagram etwa sind es vor allem sehr junge Menschen. Bei Facebook hingegen folgt ihm ein anderes Publikum. „Das sind auch ältere Frauen, die sich einsam fühlen, weil sie ihren Partner verloren haben“, erklärt der Pastor.

Für den gebürtigen Werner gilt in der digitalen wie in der realen Welt die Prämisse: Tue Gutes und sprich darüber. Dabei fragt er sich auch oft: Was würde Jesus tun? „Jesus würde heute auf jeden Fall auch die Sozialen Netzwerke nutzen. Jesus wäre auch bei Facebook. Ihm würde es auch darum gehen, möglichst vielen Menschen über die gute Sache zu erzählen“, sagt Pater Tobias.

Werbung für die gute Sache

Ob ein Video auf dem Youtube-Kanal oder ein Schnappschuss auf Instagram: Pater Tobias nutzt die Sozialen Netzwerke, um auf seine Arbeit aufmerksam zu machen. Und die ist vielseitig.

Zunächst ist er Priester in der Gemeinde Herz-Jesu in Duisburg-Neumühl. Er berichtet von seiner täglichen Seelsorge, den Gottesdiensten, Taufen oder Hochzeiten. „Das hat die Leute berührt. Dafür gibt es am meisten Klicks“, erzählt Pater Tobias selbst etwas überrascht.

Bibelvers auf dem Smartphone

Auf Facebook folgen Menschen Pater Tobias, die ihm sonst nicht in die Kirche folgen. „Es sind vor allem kirchenfremde Personen. Es ist schön, wenn ich ihnen über diesen Weg Gottes Wort näher bringen kann“, sagt der 55-Jährige. So finden seine Facebook-Freunde auch regelmäßig Bibelverse, Botschaften oder Impulse.

Damit erntet er viele Likes, wie Pater Tobias sagt. „Das zeigt mir, dass das Verlangen nach einem guten Gebet da ist. Die Menschen sind sehr empfänglich dafür. Ein Vers tut ihnen gut, wenn sie ihn gerade unterwegs auf dem Smartphone lesen.“ Manche von ihnen kämen später in seine Gottesdienste, „um den Pfarrer mal live zu sehen“.

Negative Reaktionen

Aber es gibt auch negative Reaktionen. Diese kämen vor allem von den „Super-Katholiken“, wie Pater Tobias sie nennt. Das sind Menschen, die jeden Sonntag in den Gottesdienst kommen. „Sie kritisieren, dass ich immer in der Öffentlichkeit stehen muss. Aber es geht mir dabei nicht um meine Person, sondern um die Sache“, sagt der Geistliche, der im Kloster in Duisburg-Hamborn lebt.

So berichtet er auch über seine Extremläufe - etwa den 172 Kilometer langen Lauf durch die Wüste im Oman. Mit der Teilnahme an verschiedenen Läufen möchte er für Kinder- und Jugendprojekte Geld sammeln. Bei Facebook können seine Freunde nicht nur seine Erlebnisse in der Wüste verfolgen, sondern auch die Arbeit bei seiner Firma „LebensWert“ kennenlernen oder die aktuelle Speisekarte in seinem syrisch-deutschen Restaurant in Duisburg lesen.

„Man kann zeigen, dass die Kirche gar nicht so verstaubt ist.“
Pater tobias

Für Pater Tobias sind die Sozialen Netzwerke kein Hexenwerk. „Ich bin ja quasi damit aufgewachsen.“ Er hat sich alles selbst beigebracht. Insgesamt hat er sechs Facebook-Seiten. Die Mitarbeiter von „LebensWert“ unterstützen ihn bei der Pflege der Seiten. Fast täglich ist von Pater Tobias etwas auf Facebook zu lesen. So hat er auch eine eigene Gemeinde in den Sozialen Netzwerken. 5000 Freunde folgen ihm bei Facebook, gut 1000 bei Instagram.

„Jesus wäre auch bei Facebook“ - Pater Tobias nutzt längst Soziale Medien zum Austausch

Etwa 5000 Freunde folgen Pater Tobias auf Facebook. Sechs Seiten zu verschiedenen Institutionen pflegt der Geistliche. © Screenshot Facebook

Wo auch immer er Werbung machen kann, zieht er alle Register. „Ich bin sofort auf jeder Plattform dabei, auf der ich den Menschen den lieben Gott und die Kirche näher bringen kann und Werbung für die gute Sache machen kann.“ Und er möchte darüber hinaus das Image der Kirche insgesamt ein Stück verbessern. „Man kann zeigen, dass die Kirche gar nicht so verstaubt ist, wie manche denken.“

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Der Werner Andreas Breer gehört als Pater Tobias der Prämonstratenser-Abtei in Duisburg-Hamborn an. Er ist Pastor der Gemeinde Herz Jesu in Duisburg-Neumühl und Geschäftsführer des Projektes „LebensWert“, das er 2007 selbst initiiert hat. Er coacht außerdem Führungskräfte und hält Vorträge.
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