Pro & Contra: Kann ein Cent pro dünnem Plastikbeutel wirklich etwas bewirken?

dzAktion von Aldi

Aldi nimmt nun einen Cent pro Knotenbeutel. Das ist ein wichtiger Schritt zum Plastik-Ende, meint Andrea Wellerdiek. Das ist nur eine Marketing-Aktion, sagt Till Goerke. Unser Pro & Contra.

Werne, Stockum

, 18.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Bei Aldi kosten die dünnen Plastikbeutel in der Gemüse- und Obstabteilung bald einen Cent pro Stück. Die sogenannten Knotenbeutel sollen irgendwann ganz der Vergangenheit angehören. Auch Lidl mit einer Filiale etwa in Stockum, reagiert nun. Das Unternehmen kündigt eine optimierte Form der Plastikbeutel an.

Über den einen Cent pro Knotenbeutel kann man diskutieren. Kann dieser kleine Betrag wirklich etwas für den Umweltschutz bewirken oder ist das nur eine PR-Aktion von Aldi? Unsere Redakteure diskutieren die Frage: Ist ein Cent pro Knotenbeutel sinnvoll?

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Ein Cent kann viel bewirken

Von Andrea Wellerdiek

Einen Cent für den Knotenbeutel ist eine gute Idee. In Zeiten, in denen die Plastiktüten schon bei vielen Kunden der Vergangenheit angehören und sie sich wie selbstverständlich mit mitgebrachten Beuteln ausstatten, ist es nur folgerichtig, auch die dünnen Plastiktüten aus den Supermärkten zu verbannen.

Zumal ich immer wieder beobachte, dass die Plastikbeutel gern als Ersatz für den Einkaufsbeutel genutzt werden. Da werden in die Knotenbeutel aus der Gemüse- und Obstabteilung nicht nur Äpfel und Birnen eingepackt, sondern der gesamte Einkauf.

Da reicht längst nicht nur ein Beutel: fünf bis zehn Exemplare müssen es sein. Bei Aldi kostet jede Tüte bald einen Cent. Bei zehn Tüten sind das zehn Cent. Das ist vergleichbar mit dem Betrag, der für eine Plastiktüte fällig wird. Somit kann der eine Cent für die dünne Tüte ein Umdenken bewegen.

Klar, es ist nur ein Cent und tut nicht weh. Doch Aldi setzt so ein Zeichen und macht darauf aufmerksam, bewusster mit Plastik umzugehen. Wenn das dazu führt, dass die Kunden bald Papier- statt Plastiktüten so selbstverständlich nutzen wie die Beutel aus Stoff, ist schon viel erreicht.

Ein Cent juckt niemanden

Von Till Goerke

Da hat sich Aldi aber mal etwas ganz Raffiniertes einfallen lassen. Knotenbeutel sollen zukünftig Geld kosten. Doch mit Blick auf die Summe, die Aldi verlangt, ist bei mir Schmunzeln angesagt. Denn mit sage und schreibe einem Cent will der Discounter seine Kunden pro Knotenbeutel beim Bezahlen zur Kasse bitten. Hallo?

Geht’s noch? Da kann man es doch einfach auch gleich sein lassen. Ich meine, wen juckt schon ein Cent, wenn der gesamte Einkauf vielleicht 50 Euro kostet? Niemanden!

Selbst wenn ich nur für fünf Euro einkaufe und gleich mal drei Knotenbeutel mitnehme – die drei Cent machen den Braten nicht fett. Mehr noch, sie interessieren mich schlicht nicht. Für mich ist die Aldi-Aktion reines Marketing. So kann der Discounter sagen, er tue etwas für die Umwelt und das in Bezug auf die Knotenbeutel auch noch als Erster. Die Konkurrenz ist jetzt unter Druck gesetzt.

Taktisch kluger Schachzug der schlauen Aldi-Köpfe, aber mit Umweltschutz hat das mal so gar nichts zu tun. Ich bin ganz bei der Forderung der Deutschen Umwelthilfe, die pro Knotenbeutel eine Abgabe von mindestens 22 Cent fordert. Dann würde mich das auch jucken.

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