Familie Ursache feiert eine Woche später Ostern. Dimitri (35 ) und Frau Catalina (33) gehören der rumänisch-orthodoxen Kirche an. Sie verfolgen besondere Rituale. Dazu gehört auch Hausputz.

Werne, Lünen

, 24.04.2019 / Lesedauer: 4 min

Der Körper, die Seele, das Haus - alles muss rein und sauber sein vor den Osterfeiertagen. Deshalb wird die Wohnung oder das Haus blitzeblank geputzt. Und die Männer, aber vor allem wohl die Frauen, kaufen sich neue Kleidung. Es sind Rituale, die die Mitglieder der rumänisch-orthodoxen Kirche in diesen Tagen pflegen. Diese Traditionen gehören für viele Menschen des orthodoxen Glaubens dazu wie die 40-tägige Fastenzeit.

Das ist aber auch die Zeit der großen Beichten. Dazu kommen die Gläubigen aus der Region zu Dimitri Ursache, der gebürtig aus einem Dorf in Rumänien kommt. Er ist Priester in der rumänisch-orthodoxen Gemeinde von Münster und wohnt mit seiner Frau Catalina Roxana und Tochter Adela Maria in Lünen.

„Mit den Ritualen putzen wir unsere Seelen, den Körper und den Kopf, damit alles vorbereitet ist für die Auferstehung Jesu“, erklärt der 35-Jährige. Das Osterfest mit dem Ostersonntag als wichtigsten Feiertag, begehen die Mitglieder der rumänisch-orthodoxen Kirche am 28. April - also genau eine Woche nach der Katholischen Kirche.

Anders als in der Katholischen Kirche: Familie Ursache feiert eine Woche später Ostern

Typisch: Traditionell zum Osterfest werden die Wohnungen mit Eiern dekoriert. Die Exemplare, die Catalina zeigt, wurden aufwendig mit Bienenwachs handgemacht in der Heimat Rumänien hergestellt. © Andrea Wellerdiek

Untypische Tradition

Ähnlich wie bei den Katholiken und Protestanten steht die ganze Woche im Zeichen von der Kreuzigung Jesu und seiner Auferstehung. Für Priester Dimitri Ursache ist die Vorbereitung auf das wichtigste Fest in der rumänisch-orthodoxen Kirche sehr zeitintensiv.

Von Montag bis Freitag leitet er einen Gottesdienst in der Dyckburgkirche in Münster. Jeder Abend steht unter einem anderen Thema, die Geschichte und der Weg zur Kreuzigung werden nacherzählt. Eine - wohl für Katholiken eher untypische - Tradition geschieht am Karfreitag. Ein mit einem geweihten Tuch und Ikonen versehener Tisch steht dafür in der Mitte der Kirche.

Unter den Tisch kriechen

Alle Mitglieder der Kirche küssen das Tuch und die Ikonen auf dem Tisch, bücken sich und gehen unter der Tischkante hindurch. „Das soll zeigen: Heute begrabe ich dich. Morgen werde ich mit dir auferstehen“, erklärt Catalina Roxana. An Ostersonntag dann wird es besonders besinnlich in der Gemeinde.

Etwa 400 Menschen erwartet Priester Dimitri Ursache in dem Gottesdienst, der von 23 bis 2 Uhr angesetzt ist. „Das Evangelium wird vor der Kirche vorgelesen. Dann geht jedes Gemeindemitglied mit einer Kerze drei Mal um die Kirche. Wir singen zusammen: Christus ist auferstanden“, erzählt Dimitri Ursache.

Teilen von Gebäck

Und die Gläubigen sagen es von da an auch immer, wenn sie sich begrüßen. Das geht sogar bis zu Himmelfahrt, erklärt Ursache. Nach dem Gottesdienst, nicht nur an Ostern, gilt übrigens: „Nach der Liturgie ist vor der Liturgie“, so Ursache.

Die Gemeinde trifft sich traditionell, um gemeinsam Kaffee und Kuchen zu essen. Generell würden die Gläubigen eng zusammen stehen, meint Ursache. Ein Beispiel ist dafür auch das gemeinsame Teilen des typischen Gebäcks, das es zu Ostern gibt: Paska.

Anders als in der Katholischen Kirche: Familie Ursache feiert eine Woche später Ostern

„Nach der Liturgie ist vor der Liturgie“, sagt Dimitri Ursache. Gern kommen die Gemeindemitglieder nach dem Gottesdienst noch zusammen. © Dimitri Ursache

Kein Essen an Karfreitag

Den Käsekuchen gibt es nur zu Ostern, erklärt Ursache. Und jeder Gläubige isst das Gepäck. Wer es selbst nicht zubereiten kann, bekommt es von Nachbarn oder Gemeindemitgliedern. Auf den Tisch kommt bei den Mitgliedern der rumänisch-orthodoxen Kirche an den Feiertagen ansonsten traditionell Lammfleisch.

Und an Karfreitag? Wird da auf Fleisch verzichtet wie bei den Katholiken? „An Karfreitag wird am strengsten gefastet. Da essen und trinken wir gar nichts“, sagt Ursache. Das habe sogar seine Großmutter im Alter von 93 Jahren noch so auf eigenen Wunsch gemacht, erzählt er.

Eine Priester-Familie

Dimitri Ursache, dessen Vater und Brüder auch Priester sind, hält sich selbst auch an die Regeln seiner Religion. Seine Frau Catalina Roxana, die ihre Tochter noch stillt, muss genau wie ältere oder kranke Menschen nicht mit fasten. Die 33-Jährige probiert es aber dennoch so gut es geht, erzählt sie.

Weil sie während des Medizinstudiums den Wunsch hatte, von Rumänien nach Deutschland zu gehen, hat es sie und ihren Mann Anfang 2012 nach Werne verschlagen. In der Lippestadt lebte das Ehepaar sechs Jahre lang. Bis heute arbeitet Catalina Roxana im St.-Christophorus-Krankenhaus in der Inneren Medizin.

Anders als in der Katholischen Kirche: Familie Ursache feiert eine Woche später Ostern

Dimitri Ursache wurde im Herbst 2016 in der Dyckburgkirche zum Priester geweiht. Auch sein Vater und seine Brüder sind als Priester tätig. © Dimitri Ursache

Katholischer Priester ist wie ein Bruder

Seit zehn Monaten ist auch Töchterchen Adela Maria auf der Welt, seit gut einem Jahr lebt die Familie nun in Lünen. Von hier aus betreut Dimitri Ursache die Gemeinde, die sich von Münster, an die niederländische Grenze, über Werne nach Südkirchen streckt. Ursache, der im Herbst 2016 zum Priester geweiht wurde, hat hier eine neue private und spirituelle Heimat gefunden.

Sehr geholfen habe ihm dabei vor allem Pfarrer Jürgen Streuer aus der Katholischen Gemeinde in Münster. „Er ist wie ein Bruder für mich. Wir sind auch privat sehr gut befreundet“, erzählt Ursache.

Streuer war es auch, der es Ursache ermöglicht hat, seine eigene Gemeinde in der Dyckburgkirche zu empfangen. Das ist möglich, weil hier am Sonntag keine Gottesdienste der Katholiken stattfinden.

Gemeinsame Segnungen

„Jürgen hat unsere orthodoxe Spiritualität gesehen und uns das Angebot gemacht. Das war ein Traum für uns, diese Kirche für unsere Gottesdienste zu bekommen“, sagt Dimitri Ursache. Seitdem gibt es auch gemeinsame Segnungen aus der orthodoxen und katholischen Gemeinde.

Im Januar sei ein ökumenischer Gottesdienst mit der evangelischen Kirche geplant, so Ursache weiter. Er selbst möchte diese starke Gemeinschaft über die Konfessionen hinweg stärken.

Auch die Tatsache, dass die Katholiken und die Orthodoxen mit einer Woche Abstand - in zwei Jahren ist es sogar ein Monat - Ostern feiern, bereitet ihm Kopfschütteln. „Wir sind doch alle Christen. Das ist doch nicht normal, dass wir zwei Termine haben. Christus ist nur einmal auferstanden und nicht zwei Mal.“ Dennoch feiern einige Gläubige einfach zwei Mal das Osterfest.

  • Die unterschiedlichen Ostertemine liegen - vereinfacht gesagt - sowohl an der unterschiedlichen Berechnung nach dem julianischen oder gregorianischen Kalender sowie an astronomischen Gründen.
  • Etwa 87 Prozent der Bevölkerung in Rumänien gehören der orthodoxen Kirche an.
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