Die Geschichte belegt: Das Osterfest ist weit mehr als bloß bunte Eier

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Christen in aller Welt feiern am Wochenende Ostern. Es geht um mehr als nur bunte Eier. Ein Blick in die Geschichte zeigt, wieso es an diesen Tagen zum Streit kam oder geböllert wurde.

von Heidelore Fertig-Möller

Werne

, 18.04.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Bunte Eier, eine üppige Festtafel, Schokoladenhasen und unzählige Dekoartikel. Für viele Menschen gehören diese Dinge zum Osterfest dazu. Die „Heilige Woche“ oder die österliche Karwoche beginnt übrigens schon Tage zuvor.

Am Palmsonntag, der Sonntag vor dem Osterfest, erinnert man sich an die Geschichte vom Einzug Jesu in Jerusalem, als er von der Bevölkerung wie ein König mit Palmzweigen begrüßt wurde. Aus diesem Grunde werden in vielen Kirchen am Palmsonntag Zweige als Symbol des Lebens verteilt. Da es in den nördlichen Ländern keine Palmen gab, nahm man unter anderem Weidenzweige, Buchsbaum und Obstzweige.

Verkehrsverein:
Einen Blick auf verschiedene Palmstöcke zeigt der Verkehrsverein in seinem Schaufenster am Roggenmarkt 5 noch bis Ende April.

In Westfalen findet man oft kunstvoll geschnitzte und verzierte Palmstöcke, die von Ort zu Ort unterschiedliche Formen (etwa mit sogenannten Krüllen) aufweisen und mit immergrünem Buchsbaum, Palmgebäck, Rosinenketten, Backobst und bunten Bändern verziert sind. Auch in Polen und Spanien gibt es diesen Brauch der Palmstöcke.

„Smachtlapp“ im Fokus

Am Mittwoch der Karwoche wurde früher in vielen Kirchen Westfalens das Fastenvelum, das sogenannte Hungertuch, unter feierlichem Geläut heruntergelassen, das den Altarraum für die Gläubigen verhüllte. Dieses im Volksmund „Smachtlapp“ genannte Tuch, oft aus dem 16. und 17. Jahrhundert, gibt es heute nur noch in wenigen Originalexemplaren, zum Beispiel im Museum Telgte.

Am Gründonnerstag wird denen, die sich schuldig gemacht haben, die Vergebung zugesprochen. Wahrscheinlich ist darauf der Name „Gründonnerstag“ (Tag der greinenden, der weinenden Büßer) zurückzuführen.

Gründonnerstag war der Nächstenliebe gewidmet

In den vergangenen Jahrhunderten war der Gründonnerstag der tätigen Nächstenliebe gewidmet. Es wurde beispielsweise in den Klöstern Westfalens besonderes Brot an die Armen verteilt. Von Gründonnerstag bis Ostersonntagmorgen schweigen alle Kirchenglocken. Den Kindern hat man früher erzählt, dass die Glocken nach Rom zum Papst fliegen und dort neu „geschmiert“ werden.

Der Termin für das Osterfest schwankt immer zwischen dem 21. März und dem 25. April, da vor fast 1700 Jahren beim Konzil von Nicäa das christliche Osterfest auf den Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsanfang festgelegt worden ist. Diese Zeit des Frühlings war in der Lebenswelt der bäuerlichen Bevölkerung durch die jährliche Frühjahrsbestellung bestimmt. Das wurde in den konfessionell gemischten Gebieten am Karfreitag sehr deutlich.

Bauern misteten die Ställe aus

Während dieser Tag für die evangelische Bevölkerung einer der höchsten kirchlichen Feiertage ist – man legte Festtagskleidung an, ging zur Kirche, empfing das Heilige Abendmahl und fastete –, nutzten die katholischen Bauern diesen Tag gerne dazu, um die Ställe auszumisten und Jauche abzufahren.

Bis zu dem Zeitpunkt, an dem der Karfreitag zu einem gesetzlichen Feiertag in der Bundesrepublik Deutschland in den 50er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts erhoben wurde, war er für die katholische Bevölkerung außerhalb der Gottesdienstzeit ein ganz gewöhnlicher Arbeitstag. Es wurde auch oft die Wäsche gewaschen, diese dann im Garten aufgehangen und das Haus geputzt. Dies konnte oft zu Reibereien mit der evangelischen Bevölkerung führen, nicht nur in Westfalen.

Ostern war im Mittelalter ein wichtiger Stichtag

Ostern war im Mittelalter ein wichtiger Stichtag im Jahr. An diesem Termin mussten die Bauern einige Abgaben an ihren Grundherren oder den Pfarrer abliefern. Als das wichtigste „Zahlungsmittel“ standen in dieser Jahreszeit Eier in reichlicher Fülle zur Verfügung, zumal sie in der vorangegangenen Fastenzeit nicht verzehrt werden durften.

Zu Ostern wurde auch der Schinken vom herbstlichen Schlachten erstmals angeschnitten oder der halbe Schweinskopf kam auf den Frühstückstisch. Es galt die Regel, dass man an diesen Ostertagen sich einmal richtig satt essen durfte. So ist es nicht verwunderlich, dass es oft zu regelrechten Wettessen kam.

In bäuerlichen Haushalten rechnete man mit einem Verbrauch von 8 bis 10 gekochten Eiern pro Person und Mahlzeit. Es soll vorgekommen sein, dass junge, kräftige Knechte 20 bis 30 Eier auf einmal gegessen haben.

Wettprahlen über die Menge der verzehrten Eier

Beim Abbrennen des Osterfeuers am Sonntagabend wurde dann geprahlt, wie viele Eier man in diesem Jahr gegessen hätte. Beim Abbrennen des Osterfeuers, urkundlich bereits 1342 erwähnt, war auch das Böllern weit verbreitet. Chinaböller wie heute gab es nicht – also blieben nur Milchkannen als gefährliche Alternative. Sie wurden mit Wasser und Karbid gefüllt. Ein Gas entwickelte sich, dass man durch ein Loch im Boden per Lunte anzündete, bis der Deckel mit einem lauten Knall in den abendlichen Osterhimmel flog.

Am Ostermontag ging man dann „nach Emmaus“, das bedeutete die Männer und die jungen Burschen besuchten an diesem Feiertag das Wirtshaus, während die Frauen zu Hause kochten.

Der Brauch des Ostereiersuchens durch die Kinder kam erst im 19. Jahrhundert auf, wurde dann aber im 20. Jahrhundert entscheidend durch die Schokoladenindustrie gefördert.

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