Ein bisschen wie in Wacken, wenn Rock- auf Blasmusik trifft: Patrick Gläser möchte das altmodische Image der Orgel entstauben. Bei „Orgel rockt“ spielt er Rock- und Popsongs auf dem Instrument.

Werne

, 21.05.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Projekt „Orgel rockt“ erinnert an den Besuch der Blaskapelle beim Heavy-Metal-Festival Wacken. Es trifft klassische, vielleicht als altmodisch abgestempelte Musik, auf harte Rockmusik. Beide Genres, die unterschiedlicher nicht sein könnten, zu kombinieren, hatte auch Schlagersänger Heino mal ausprobiert.

Pianist Patrick Gläser bringt populäre Musik auf die Orgel. Wie Pop- und Rocksongs auf dem klassischen Instrument klingen, zeigt der gebürtige Rheinländer bei seinem Konzert „Orgel rockt“ am Donnerstag, 23. Mai, ab 19.30 Uhr in der St.-Christophorus-Kirche (Eintritt frei, um eine Spende wird gebeten). Wieso Lieder von Metallica auch in der Kirche funktionieren, erklärt der 48-Jährige im Interview...

Herr Gläser, Sie spielen Rock- und Popsongs auf der Orgel. Wie kann man sich das in der Kombination genau vorstellen?

Die Orgel ist die Königin aller Instrumente. An der Orgel kann ein einzelner Mensch ein Lied spielen, als ob er ein ganzes Orchester zur Verfügung hätte. Das ist eine grenzenlose Klangvielfalt. Auf der Orgel kann man die Melodien deutlicher herausschälen als beim Klavier.

Welche Lieder bieten sich an und welche eher nicht?

Die Orgel verfügt über statische Töne. Manche sagen deshalb, dass man einige bestimmte Lieder nicht auf der Orgel spielen kann. Doch ich mache es trotzdem. Manche Lieder funktionieren sogar besser auf der Orgel. Bei manchen Liedern gibt es aber technische oder physikalische Grenzen. Techno zum Beispiel funktioniert nicht. Und die Orgel kann nicht rappen. Sehr gut funktioniert aber „Bohemian Rapsody“ von Queen. Generell bieten sich sinfonische Rockmusik oder Filmmusik für die Orgel an.

Sie gehen gern auf die Wünsche der Zuschauer ein. Was war der bislang skurrilste Wunsch?

Zum Beispiel Beethovens „Für Elise“. Das ist ein schönes Stück, aber da komme ich mit der Orgel nicht mit. Das kann man nur in einem Orgel-Solo abbilden. Ich möchte aber möglichst die ganze Orgel ausschöpfen.

Und welche Liedwünsche mussten Sie schon einmal ablehnen?

Da ging es vor allem um den Inhalt der Texte. Manche Leute haben sich schon mal „Hells bells“ oder „Highway to hell“ von AC/DC gewünscht. Das klingt für mich nach Provokation. Ich soll „Hells bells“ spielen, damit ich einen Tabubruch für die Kirche begehe. Aber da lasse ich mich nicht instrumentalisieren.

Welches ist Ihr Lieblingslied auf der Orgel?

Da gibt es durchaus mehrere. Mein Favorit ist leider ziemlich unbekannt. Es ist ein Kinderlied von Knorkator. Das ist ein Metal-Lied von einer Szeneband, die skurrile Sachen macht. Das Lied hat mich sofort fasziniert. Ich verbinde damit eine Aussage. Welche das ist, erfahren die Zuschauer bei meinem Konzert. Mehr möchte ich nicht verraten.

„Die Orgel kann nur nicht rappen“: Patrick Gläser spielt Rock- und Popsongs auf der Orgel

Patrick Gläser spielt seit etwa zehn Jahren populäre Musik auf der Orgel. © Daniel Meister-Ninck

Was erwartet die Besucher bei dem Konzert „Orgel rockt“ genau?

Erst einmal muss ich sagen, dass es ein Konzert ist mit Rock-, Pop- und Filmmusik. Es ist kein reines Rockkonzert. Wer das erwartet, wird vielleicht enttäuscht. Bei meinem Konzert herrscht eine gewisse Pop-Lastigkeit. Es geht generell darum, populäre Musik auf der Orgel zu spielen. Das Konzert ist eine bunte Mischung aus den gewünschten Liedern der vergangenen Jahre.

Wie sind Sie überhaupt auf die Idee gekommen, moderne Lieder auf der Orgel zu spielen?

Ich bin ein Quereinsteiger. Ich komme nicht aus der klassischen Kirchenmusik. Ich habe aber schon als Kind gern Dinge ausprobiert, habe Lieder aus dem Radio nachgespielt. Mit sieben oder acht Jahren habe ich mit dem Klavierspielen angefangen. Erst mit 32 Jahren habe ich als Kirchenmusiker angefangen. Bei einem Gottesdienst mit Jugendlichen 2008 in Öhringen habe ich dann das erste Mal ein modernes Lied gespielt. In diesem bewegenden Gottesdienst hat in diesem Moment nichts anderes gezählt. Da musste ich also passend dazu einfach „Nothing else matters“ spielen. Die Atmosphäre war sehr gut spürbar und sie war besonders. In der Nachbargemeinde sollte ich dann mal ein klassisches Konzert spielen. Da war für mich klar, dass ich lieber Rock- und Poplieder spielen wollte. Das hat mich gereizt.

Und wie hat dann der Pastor auf die Idee reagiert?

Für mich war klar, dass er sagen würde: ‚Schön, dass wir gesprochen haben.‘ Aber stattdessen hat er den Ball weitergegeben. Er fand die Idee gut. Und durch diesen Impuls ist das Ganze dann entstanden. Vor etwa zehn Jahren habe ich mit den Konzerten angefangen. Beim ersten Konzert gab es auch die Möglichkeit, Liedwünsche zu äußern. Da habe ich 186 Vorschläge bekommen. Daraus spiele ich nun auf der aktuellen Tour die Hitparade.

Wie sind die Reaktionen auf „Orgel rockt“?

Meistens bekomme ich positive Reaktionen. Es macht Riesenspaß. Es ist toll, wenn ich sehe, wie es die Leute berührt. Aber man hört auch Dinge wie: ‚Das gehört nicht in die Kirche‘ oder ‚Metallica kann man nicht in der Kirche spielen.‘

Patrick Gläser (48) kommt gebürtig aus Langenfeld. Er ist in Leichlingen aufgewachsen und wohnt seit einigen Jahren in Öhringen (Baden-Württemberg). Als Kind hat er die musikalische Früherziehung mitgemacht, mit sieben oder acht Jahren hat er mit dem Klavierspielen angefangen. Er spielt außerdem Blockflöte und sang im Kirchenchor mit. Nach dem BWL-Studium hat er 1997 sein eigenes Musikstudio gegründet. 2003 fing er als Organist mit einer halben Stelle an. Seit etwa zehn Jahren geht er mit „Orgel rockt“ auf Tour. Der Eintritt zum Konzert „Orgel rockt“ ist auf Spendenbasis. Ein Teil der Kollekte ist für die Kirchengemeinde bestimmt. Die Spenden gehen anteilmäßig ans Kapuzinerkloster für die anstehende Renovierung der Kirche. Veranstalter des Konzerts ist der Freundeskreis Kapuzinerkloster Werne e.V.
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