Öffnungszeiten, Blockplätze, Personal: Jugenddezernent zu Kita-Situation

dzUmfrage-Ergebnis

Das Thema Kinderbetreuung war ein zentraler Baustein unserer groß angelegten Umfrage zur Zufriedenheit mit der Stadt in Werne. Zu den Ergebnissen hat das Jugenddezernat Stellung genommen.

Werne

, 06.10.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wie gut ist das Kita-Angebot in Werne und reicht das Angebot, das die Träger in der Stadt anbieten? In unserer groß angelegten Umfrage zur Zufriedenheit mit der Werner Stadtverwaltung, an der insgesamt 355 Personen teilgenommen haben, war auch das Thema Kinderbetreuung ein elementarer Baustein.

330 Kindergartenplätze gibt es aktuell in Werne in den privaten Einrichtungen etwa der AWO, des DRK oder der Kirchen. Und weder im U3- noch im Ü3-Bereich gebe es fehlende Plätze. „Der Bedarf ist zu 100 Prozent abgedeckt“, sagt Alexander Ruhe, Jugenddezernent der Stadt Werne.

In Sachen Kita haben wir die Teilnehmer gebeten, sich zu folgender Aussage zu äußern: „Die Kitas bieten ein gutes Betreuungsangebot“. 350 Personen haben diesen Punkt beantwortet. Die Mehrheit der Teilnehmer (85 Personen) stimme für „trifft eher zu“, 47 für trifft voll und ganz zu. „Trifft eher nicht zu“ wählten 37 Personen. „Trifft gar nicht zu“ wählten 13 Personen. 168 Personen äußerten sich zu dieser Frage nicht und wählten „kann/will ich nicht beantworten“ - möglicherweise, weil es sich um Personen handelt, die keine Kinder im Kindergartenalter haben.

Zu der Frage, wie man das Kitaangebot in Werne verbessern könnte, machten die Teilnehmer folgenden Vorschläge:

  • Flexiblere Öffnungszeiten (12x)
  • Bessere Randzeitenbetreuung (2x)
  • Längere Öffnungszeiten (1x)
  • Gleiche Betreuungszeiten in allen Kitas (2x)
  • Mehr 35 Stunden-Blockzeit-Plätze (1x)
  • Mehr 45 Stunden-Plätze (1x)
  • Mehr Plätze (6x)
  • Mehr Personal (6x)
  • Besseres Kitapersonal (2x)
  • Bessere Lösungen/mehr Plätze über die Mittagszeit (3x)
  • Bessere Betreuung in den Ferien (2x)
  • Mehr Kitas (1x)
  • Mehr U3-Plätze (2x)

Elf Personen hingegen hatten keine Verbesserungsvorschläge und waren mit der aktuellen Situation zufrieden. Insgesamt sagt Alexander Ruhe, sei bei der Umfrage ein guter Wert herumgekommen. Gleichzeitig wisse er auch, dass es mit Sicherheit Punkte gebe, die man noch ausbauen könne.

Wunsch nach flexibleren Öffnungszeiten bei den Eltern

Einer dieser Punkte: der Wunsch nach flexibleren Öffnungszeiten. Dies sei auch ein Thema, mit dem sich das Land NRW beschäftigt. Im Rahmen des sogenannten „Flexibilisierung des Betreuungszeiten“-Programmes stellt das Land NRW Städten und Gemeinden zusätzliche Mittel zur zeitlich flexibleren Gestaltung von Betreuungsangeboten zur Verfügung. 40 Millionen Euro sind das pro Jahr, von denen jährlich 65.600 Euro nach Werne gehen. Daraus ergebe sich eine Vollzeitkraft pro Jahr, so Ruhe. Derzeit sei es aber so, dass die Bedarfe, die ans Jugendamt herangetragen worden sind, auch abgedeckt worden seien.

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Zu Anfang des Kindergartenjahres hatten die Kita-Einrichtungen einen entsprechenden Bedarf in den Elternschaften abgefragt. Die 15 Kinder, für die ein flexiblerer Bedarf gemeldet wurde, werden über die Randzeitenbetreuung über eine Tagespflege weiterbetreut. Weiterer Bedarf sei bei der letzten Abfrage im September nicht gemeldet worden.

„Trotzdem merken wir, dass sich Eltern eventuell flexiblere Öffnungszeiten wünschen“, so Ruhe. „Aus Sicht der Eltern ist das nachvollziehbar, aus Sicht der Kitas ist das eine finanzielle Rechnung.“ Denn müsse etwa eine Erziehungskraft ein Kind betreuen, trage sich das finanziell nicht. Deshalb könne es hier nur eine kitaübergreifende Lösung geben. „Wir bleiben da dran und werden die Träger immer wieder damit konfrontieren“, so Ruhe. Gleichzeitig müssten Eltern entsprechenden Bedarf aber auch an die Einrichtungen oder das Jugendamt melden.

Ebenso spüre das Jugendamt seit einigen Jahren auch einen Wunsch nach mehr Blockplätzen von 25, 35 oder 45 Stunden. „Das muss aber auch leistbar sein“, so Ruhe. „Die Einrichtungen sind baulich nicht so ausgelegt, dass es für jedes Kind ein Mittagessen gibt.“ In heute neu entstehenden Einrichtungen bedenke ein Investor einen Speisesaal oft mit, gefördert werden die vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) aber nicht, weil sie als nicht erforderlich angesehen werden, so Ruhe, da die Kinder laut LWL auch in den Gruppenräumen essen könnten. Früher seien die Kinderzahlen geringer gewesen, so Ruhe. Da sei das Thema Mittagessen keine so große Herausforderung gewesen. Heute sehe das anders aus.

Jugenddezernent: „Einen Personalmangel gibt es ganz klar“

Zum Thema einheitliche Öffnungszeiten sagt Ruhe hingegen: „Wir versuchen, die Blockplätze vom Jugendamt zu verteilen. Aber wie die Einrichtungen die Zeiten verteilen, entscheiden die Einrichtungen autonom.“ Leichte Unterschiede in den Öffnungszeiten finde das Jugendamt aber auch nicht verkehrt, so Ruhe. Für einzelne, kurzfristige Engpässe finde die jeweilige Einrichtung auch Lösungen, langfristiger Bedarf hingegen werde über die Randzeitenbetreuung abgedeckt.

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Zum Thema Personal sagt Ruhe Folgendes: „Einen Personalmangel gibt es ganz klar. Das ist kein Arbeitgebermarkt. Gute Erzieher suchen sich ihre Stellen aus und nicht umgekehrt.“ Das mache sich in der Personalfluktuation bemerkbar. Gleichzeitig seien nicht genügend Kräfte auf dem Markt. „Das ist ein Problem“, so der Jugenddezernent. Gleiches gelte für die Schulsozialarbeiter. Da der finanzielle Rahmen durch den öffentlichen Dienst festgesetzt sei, versuche man, Erziehungskräften eher über Weiterbildungsmöglichkeiten, Flexibilität in den Arbeitszeiten und individuelle Lösungen entgegenzukommen, so Ruhe. Der Jugenddezernent sagt aber auch: „Erzieher sind eher unterbezahlt mit Blick auf das, was sie leisten.“

Die Anmeldebögen für das neue Kindergarten-Jahr sollen den Planungen der Stadt zufolge noch in dieser Woche verschickt werden. Man hoffe, dass die Bögen dann in der kommenden Woche bei den Eltern sind, so das Jugenddezernat. Dann haben die Eltern bis zum 6. November Zeit, die Anmeldungen bei den Wunscheinrichtungen einzureichen.
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