Frisches Personal für frisches Gemüse: Hubracht stellt in der Krise ein

dzWochenmarkt

Michael Hubracht sucht mitten in der Corona-Krise für seinen Obst- und Gemüsestand eine Aushilfe. Sein Gemüse ist gefragt - wer aushelfen will, muss anpacken können.

Werne

, 05.05.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Während einige Firmen ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken, wird an anderen Stellen Personal gesucht. Auf Facebook veröffentlichte der Obst- und Gemüsehänder Michael Hubracht eine Stellenanzeige. Er ist erstaunt, als wir ihn auf seine Anzeige ansprechen, denn mit der Krise habe seine Anzeige nichts zu tun. „Hier ist immer allerhand zu tun. Das war schon vor der Krise so und daran hat sich nichts verändert“, erzählt er.

Er suche stetig nach Aushilfen. Ein klein wenig habe sein Gesuch dann aber doch mit Corona zu tun: Um die Warteschlangen zu verkürzen und den Verkauf noch reibungsloser über die Bühne zu bekommen, sei noch mehr Personal im Einsatz.

Eines sollte der neue Mitarbeiter auf jeden Fall können: Anpacken.

Verkaufshelfer für den Markt am Freitag

„Wir machen schwere körperliche Arbeit. Die Obstkisten sind nicht gerade leicht. Deshalb suchen wir Personal unter 50 Jahren“, erklärt Hubracht. Die Aushilfe soll freitags beim Auf- und Abbau des Standes und im Verkauf tätig werden. Die Stelle ist langfristig zu besetzen. Das Bewerbungsgespräch liefe dabei kaum anders ab als vor der Krise.

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„Einfach anrufen (02389 3707) und dann machen wir einen Vorstellungstermin aus. Natürlich mit Sicherheitsabstand“, so der Obsthändler. Wer nicht gerne telefoniert, kann sich auch per WhatsApp bei Hubracht melden - das gilt auch für Bestellungen. Der Hof nimmt an der „Werne bringt´s“-Aktion teil und liefert donnerstags und samstags seine Waren aus. Hubracht ist begeistert von der Resonanz: Rund 15 Bestellungen liefert er an einem Liefertag aus.

Der Obst- und Gemüsehändler kann sich nicht beklagen: Eine Flaute gab es an seinem Stand nie. Seine Kunden sind ihm treu.

Der Obst- und Gemüsehändler kann sich nicht beklagen: Eine Flaute gab es an seinem Stand nie. Seine Kunden sind ihm treu. Zwischenzeitlich gab es Lieferengpässe für importierte Waren, doch jetzt läuft der Transport wieder reibungslos. Deshalb werden die Waren auch wieder etwas günstiger. © Sylva Witzig

Kunden achten mehr auf die Herkunft der Produkte

Auch auf dem Marktplatz liefe es gut: „Wir hatten während der ganzen Krise keine Flaute. Unsere Kunden sind uns treu“, so der Obsthändler. Inzwischen hätten sich die Gesprächsthemen geändert - die Kunden seien weniger besorgt und würden sich vor allem für die Herkunft der Waren interessieren: „Da die Restaurants zu haben, müssen die Leute selber kochen. Sie achten jetzt mehr als zuvor auf Nachhaltigkeit.“

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Allerdings hätten manche Kunden falsche Vorstellungen vom Preis-Leistungsverhältnis: „Man kann keine Bio-Qualität zum Dumpingpreis erwarten“, betont Hubracht. Letztendlich seien die Kunden aber sehr froh, auf dem Markt einkaufen zu können. „An der frischen Luft ist es auch viel sicherer als in einem engen stickigen Laden“, findet der Obsthändler.

Mundschutzpflicht auf dem Markt

Für Markthändler und Kunden gilt die Mundschutzpflicht - Hubracht ist darüber nicht besonders glücklich: „Wir halten den Sicherheitsabstand ein, die Viren fliegen nicht unendlich weit. Wenn man das Ding den ganzen Tag tragen muss, atmet man die ganze Zeit seine eigene verbrauchte Luft ein. Die Maske wird feucht und das Atmen fällt bei körperlicher Arbeit schwer.“

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Auf das Obst und Gemüse hingegen haben aktuell weder die Krise noch das Wetter Einfluss: Bis vor drei Wochen gab es noch Importprobleme für einige Waren - die LKWs wurden stundenlang an den Grenzen aufgehalten. Die Ware verkraftete das nicht so gut und dadurch wurde das importierte Obst und Gemüse teurer.

Die ersten deutschen Erdbeeren sind da - das Hubracht-Team bringt sie an den Mann.

Die ersten deutschen Erdbeeren sind da - das Hubracht-Team bringt sie an den Mann. © Sylva Witzig

Inzwischen habe sich dieses Problem in Luft aufgelöst, erzählt Hubracht. Dadurch seien die Preise wieder etwas gesunken. Außerdem gäbe es nun die ersten deutschen Erdbeeren aus der Region. Das verregnete Wochenende habe den Pflanzen nach der langen Trockenzeit gut getan. Auch der Spargel wächst und gedeiht noch - er würde sich jedoch über etwas wärmere Temperaturen freuen.

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