Neues Gesetz zu Passfotos: Händler Willi Kraak macht sich große Sorgen um seine Existenz

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Wenn alles so kommt, wie geplant, verdient das Fotohaus Kraak an der Bonenstraße ab Mitte 2022 deutlich weniger Geld. Grund sind Sicherheitsüberlegungen des Innenministeriums.

Werne

, 10.01.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Bundesinnenministerium plant eine Änderung bei der Herstellung von Passbildern. In einem Gesetzentwurf heißt es, das Foto sei „in Gegenwart eines Mitarbeiters“ aufzunehmen und „elektronisch zu erfassen“. Für Willi Kraak und viele Hunderte andere Fotohaus-Betreiber hieße das: Sie sind raus aus dem Geschäft mit den lukrativen Passbildern. Das Gesetz könnte Mitte 2022 inkrafttreten.

„Die Herstellung von Passbildern ist eine handwerkliche Arbeit“, sagt der gelernte Fotograf und Inhaber des gleichnamigen Geschäftes, Willi Kraak (52). Dabei sei der Gewinn im Verhältnis zum Umsatz deutlich höher als etwa beim Verkauf von Kameras oder Objektiven. Kraak glaubt daher, dass eine Umsetzung dieses Gesetzesvorhabens zum massenhaften Verlust von Arbeitsplätzen in der Branche und zur Aufgabe mancher Fotostudios führen würde.

Neues Gesetz zu Passfotos: Händler Willi Kraak macht sich große Sorgen um seine Existenz

Willi Kraak mit der Schablone, die ihm vorgibt, wie er die Passbilder aufzunehmen hat. © Jörg Heckenkamp

Aber was will der Gesetzgeber mit der Neuerung bezwecken? Anlass für die Neuregelung ist nach Angaben des Ministeriums die Sorge vor Bildmanipulationen durch so genanntes Morphing. Dabei werden mehrere Fotos zum Bild eines einzigen Gesichts verschmolzen.

„Ist ein auf dem Pass enthaltenes Lichtbild auf diese Weise manipuliert, kann nicht nur der Passinhaber, sondern unter Umständen auch eine dritte Person, deren Gesichtszüge im Passbild enthalten sind, den Pass zum Grenzübertritt nutzen“, heißt es laut Agentur dpa im Entwurf. Es sei nötig, die Dokumente fälschungssicher zu gestalten, damit deutsche Bürger auch in Zukunft visafrei in die meisten Staaten reisen könnten, argumentiert das Ministerium.

„Selbstbedienungsterminals“ in 5500 Ausweisbehörden geplant

Künftig sind „Selbstbedienungsterminals“ bei den insgesamt 5500 Pass- und Ausweisbehörden in Deutschland geplant. Die Fotostudios schauten in die Röhre. „Aber was ist mit Passbildern von Kindern“, fragt Willi Kraak, „oder von hochbetagten oder bettlägerigen Menschen?“ Auch die brauchen alle zehn Jahre einen neuen Ausweis mit aktuellem Bild.

Er sei immer wieder in Werner Senioreneinrichtungen unterwegs, um von den Bewohnern vor Ort aktuelle Aufnahmen zu machen. „Wie sollen die zum ‚Selbstbedienungsterminal‘ kommen“, fragt er sarkastisch.

Neues Gesetz zu Passfotos: Händler Willi Kraak macht sich große Sorgen um seine Existenz

Die geplante Änderung bei der Anfertigung von Passbildern würde erhebliche Gewinneinbrüche bedeuten, sagt der Werner Fotohändler Willi Kraak. © Jörg Heckenkamp

Weiterer Kritikpunkt des Werner Fotografen und Händlers. „Oft mache ich mehrere Aufnahmen, manchmal bis zu zehn, aus denen der Kunde dann wählen kann.“ Das sei ein Service, den viele Kunden schätzten. Künftig wäre wohl nur ein Bild möglich, das der Antragsteller dann nehmen müsse.

Nicht nur die Umsatz- und Gewinneinbußen bei dem eigentlichen Passbild-Geschäft machen dem Händler zu schaffen. Sondern auch die Nebeneffekte. „Wer zum Passbild kommt, ist schon mal im Laden, sieht sich um und nimmt einen Bilderrahmen mit oder sonst etwas.“ Auch das würde entfallen. Kraak: „Für uns Händler wäre ein solches Gesetz eine Katastrophe.“

Brandbrief an den Bundesinnenminister

Aus diesem Grund schießt auch die ehemalige Ringfoto-Gruppe, heute United Image Group, scharf gegen den Gesetzesentwurf. Die Gruppe, die nach eigenen Angaben 1200 mittelständische Fotofachgeschäfte vertritt, warnt in einem Brief an Bundesinnenminister Horst Seehofer vor den existenzbedrohenden Folgen einer solchen Regelung.

In dem Brandbrief heißt es unter anderem: „Die handwerkliche Erstellung der Passbilder ist für jeden Fotofachhändler eine unabdingbare Verdienstquelle und sichert nachhaltig das wirtschaftliche Überleben seines Unternehmens und seiner Mitarbeiter.“

Hoffen auf einen Kompromiss bei den Passbildern

Aber da das Verfahren noch am Anfang steht, kann sich noch einiges tun. Willi Kraak aus Werne hofft, dass eine Kompromisslösung zum Tragen kommen kann, die die Anfertigung der Bilder beim Fotografen und eine entsprechend sichere Übertragung zu den Ämtern beinhaltet.

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