Neuer Quereinsteiger am Berufskolleg in Werne

Zahl steigt in ganz NRW

Bildungsexperten erwarten für Nordrhein-Westfalen in den kommenden Jahren einen deutlichen Anstieg der Zahl der Seiteneinsteiger in den Lehrer-Beruf. Ab März 2017 gibt es auch in Werne wieder einen Quereinsteiger - allerdings am Berufskolleg.

WERNE

, 08.02.2017, 11:43 Uhr / Lesedauer: 2 min
Neuer Quereinsteiger am Berufskolleg in Werne

Zum Schuljahr 2017/18 strafft das Berufskolleg Werne mehrere seiner Bildungsgänge.

Berufsschullehrer sind Fachlehrer und in erster Linie für die Vermittlung praktischer Inhalte verantwortlich. Für den Unterricht sollten sie sich daher im Berufsleben auskennen - das gilt auch für Quereinsteiger. An den Berufsfachschulen des Landes sind Seiteneinsteiger keine Seltenheit.

Insgesamt wurden im Jahr 2016 in NRW 584 Quereinsteiger eingestellt, im Jahr zuvor waren es erst 290. Am Freiherr-vom-Stein-Berufskolleg in Werne gab es zwischen 2003 und 2010 insgesamt sechs, ab März 2017 gibt es einen neuen für die Fachrichtung Elektrotechnik. 

Auch Seiteneinsteiger machen ein Referendariat

„Ab März wird der Kollege unterrichten“, sagte Berufskolleg-Leiter Helmut Gravert. Ab Tag eins steht er vor der Klasse, nebenbei wird er zum Lehrer ausgebildet. Im Mai beginnt seine Ausbildung nach der „Ordnung zur berufsbegleitenden Ausbildung von Seiteneinsteigern und der Staatsprüfung (OBAS)“.

Heißt im Klartext: Der Seiteneinsteiger erlernt die Grundlagen der Erziehungswissenschaften und der Berufspädagogik. Ein wöchentliches Fortbildungsseminar soll bis dahin gewährleisten, dass der Unterricht vor der Klasse funktioniert. Im November beginnt der 18-monatige, berufsbegleitende Vorbereitungsdienst, umgangssprachlich Referendariat genannt.

Quereinsteiger holen Stoff aus der Uni nebenher nach

Auch Referendare, die auf Lehramt studiert haben, absolvieren diesen 18-monatigen Dienst. Der Unterschied: Der Quereinsteiger hat vor dem Start bereits an der Schule gearbeitet. Und: Das, was der Lehramtsstudent während seines Uniaufenthaltes lernt, holt der Quereinsteiger neben dem Unterricht nach.

Nach dem Referendariat folgt das Staatsexamen – das gilt gleichermaßen für Lehramtsstudenten als auch Quereinsteiger. „Wir werden den neuen Kollegen unterstützen und stellen ihm einen Ausbildungskoordinator, quasi einen Mentor, zur Seite“, so Gravert. „Außerdem werden wir in seinem Unterricht hospitieren.“

Lehrermangel ist Ursache für die vielen Seiteneinsteiger

Fast sieben Prozent aller neu eingestellten Lehrer in NRW sind 2016 keine regulär ausgebildeten Lehrkräfte. Und es werden immer mehr, sagen Experten. Der Grund: Lehrermangel – zumindest in bestimmten Fächern. „Nachwuchsmangel haben wir vor allem da, wo die Leute sich für Studienfächer entscheiden, für die es außerhalb des Schulbereichs sehr gute Arbeitsmöglichkeiten gibt“, sagte Klaus Klemm, Bildungswissenschaftler der Universität Duisburg-Essen. Für den sprachlichen und politischen Bereich erreichen das Werner Berufskolleg nach eigenen Angaben zum Beispiel mehr Bewerbungen, für die technische Richtung seien es weniger.

Der neue Quereinsteiger am Berufskolleg habe ein ingenieurwissenschaftliches Studium absolviert. Voraussetzung dafür, dass er eingestellt werden konnte, waren mindestens zwei Jahre Berufserfahrung in dem Fachbereich, in dem er nun auch unterrichten wird – insgesamt 25 Stunden in der Woche. Trotzdem, so Gravert, habe der neue Kollege eine volle Stelle. „Seine Arbeitszeit läuft wohl auf 40 Stunden hinaus, weil er den Unterricht entsprechend vor- und nachbereiten muss.“

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