Neuer Kreisverkehr verhilft alter Wege-Verbindung zu neuem Glanz

dzHistorische Straßenführung

Die Fertigstellung des neuen Kreisverkehres steht bevor. Dadurch ist die trennende Wirkung der ehemaligen B54 aufgehoben und eine alte Verbindung reaktiviert, weiß Historiker Berthold Ostrop.

von Berthold Ostrop

Werne

, 01.07.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In wenigen Tagen wird der neue Verkehrskreisel auf der Münsterstraße, der ehemaligen B54, im Bereich der Burgstraße fertiggestellt und dem Verkehr übergeben. Die Fußgängerbrücke ist verschwunden. Autofahrer und Fußgänger, vor allem Menschen mit Rollator oder Rollstuhl, können nun durch den neuen Kreisel diesen Bereich gefahrlos queren. Für Radfahrer sind, soweit möglich, separate Wege geschaffen worden.

Mit dieser Änderung erfährt Wernes Straßensystem einen kleinen Schritt zurück in die Vergangenheit. Eine Karte von 1919 zeigt noch den historischen Weg aus der ummauerten Werner Innenstadt Richtung Cappenberg, Selm oder Südkirchen. Er führte ursprünglich durch das Burgtor über die Burgstraße, passierte die Horne und führte weiter über den Becklohhof, den Brinkhof, an der alten Windmühle vorbei, den Windmühlenberg hinunter und erreichte die heutige Selmer Landstraße. Die Kettelerstraße ist der Beginn des ehemaligen Weges nach Capelle.

Eine Karte von 1919 zeigt noch den historischen Weg aus der ummauerten Werner Innenstadt Richtung Cappenberg, Selm oder Südkirchen (rot). Er führte ursprünglich durch das Burgtor über die Burgstraße (1), passierte die Horne und führte weiter über den Becklohhof (2) den Brinkhof (3+4), an der alten Windmühle (5) vorbei, den Windmühlenberg (6) hinunter und erreichte die heutige Selmer Landstraße (7). Die Kettelerstraße ist der Beginn des ehemaligen Weges nach Capelle (8).

Eine Karte von 1919 zeigt noch den historischen Weg aus der ummauerten Werner Innenstadt Richtung Cappenberg, Selm oder Südkirchen (rot). Er führte ursprünglich durch das Burgtor über die Burgstraße (1), passierte die Horne und führte weiter über den Becklohhof (2) den Brinkhof (3+4), an der alten Windmühle (5) vorbei, den Windmühlenberg (6) hinunter und erreichte die heutige Selmer Landstraße (7). Die Kettelerstraße ist der Beginn des ehemaligen Weges nach Capelle (8). © : Landesvermessungsamt NRW, Bearbeitung: B. Ostrop

Wie wichtig für die Werner Stadtbewohner dieser Weg bis zur Mühle war, geht aus den Akten unseres Stadtarchivs hervor. Darin ist beispielsweise zu lesen, dass im Jahre 1847 die Verbindung bis zur Mühle chausseemäßig gepflastert wurde. In einer öffentlichen Bekanntmachung, die gewöhnlich sonntags nach dem Gottesdienst verlesen wurde, heißt es: „Morgen nachmittag um 5 Uhr soll das Brechen und Abräumen einer bedeutenden Quantität Bruchsteine auf Kosten der Land- und Stadtgemeinde Werne in dem Bruche bei Schwerdt zu Ehringhausen …. verdungen werden.“

In einer genauen Arbeitsanweisung für das Pflastern selbst ist zu lesen: ….“dass jeden Abend das am Tage gesetzte und verzwickte Pflaster mit einer Ramme wenigstens 70 Pfund schwer festgestoßen ….wobei kein Stein verschont werden darf.“

Bau der Eisenbahnlinie unterbrach historische Verbindungen

Da die in den Jahren 1927/28 gebaute Eisenbahnstrecke von Dortmund nach Münster über Werne unbedingt auf der gesamten Strecke ohne eine Schranke sein sollte, trennte sie auch den alten historischen Ausgang aus der Stadt (auf der Karte grüne Querlinie zwischen Brinkhof und Windmühlenberg). Noch heute ist dem Brinkhof vor der Eisenbahnlinie wegen seiner Breite und der Baumbepflanzung der Charakter einer alten Chaussee anzusehen. Viele weitere Wege und Straßen wurden durchschnitten, wichtige blieben durch den Bau von Brücken oder Unterführungen erhalten.

Aus der Karte ist weiter zu erkennen, dass die alte wichtige Straße von Köln durch das bergische Land über Dortmund, Lünen und Werne nach Münster und weiter in den Norden Deutschlands noch 1919 mitten durch Werne führte (grün eingezeichnet in der Karte). Dabei überquerte sie zweimal die Horne. Mancher Krieger, Reitersmann oder Kaufmann benutzte sie und auch die Pilger nach Santiago de Compostela zogen hierher in das ferne Spanien.

Das Gebäude der alten Windmühle ist vorbildlich renoviert und steht unter Denkmalschutz

Das Gebäude der alten Windmühle ist vorbildlich renoviert und steht unter Denkmalschutz © Berthold Ostrop

Diese historische Straße, früher Kölnische Straße genannt, wurde im Norden Deutschlands auch mit „Ochsenweg“ bezeichnet. Über diese Route trieben Kaufleute im späten Mittelalter Ochsen aus Jütland und Schleswig-Holstein in Schlachtereien bis nach Köln. Am Eingang in die alte Lüner Innenstadt stehen deshalb symbolisch die drei Ochsen. Blökend und kleckernd sind sie auch durch Wernes Innenstadt gezogen.

Wegen des zunehmenden Verkehrs wurde um 1930 westlich der Horne von der ehemaligen Gaststätte Bülhoff bis zur Hornemühle Beine unsere heutige Münsterstraße gebaut (ehemals B 54, weiß angedeutet) und dabei die Horne (blau eingezeichnet) aus ihrem natürlichen Lauf kanalähnlich begradigt.

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