Einer der Räume des neu gestalteten Obergeschosses behandelt das Alltagsleben um das Jahr 1900. © Michael Falkenstein
Museum in Werne

Neuer Bereich im Museum Werne: Zwischen Grubenlampe und Dreschflegel

Das Obergeschoss des Stadtmuseums wird völlig neu gestaltet. Doch was bekommen die Besucher eigentlich dort zu sehen, wenn‘s fertig ist? Wir geben einen kleinen Vorgeschmack.

Den Themen „Kohle und Sole“ widmet das neue Museumskonzept gleich einen ganzen Raum. Das überrascht kaum, denn genau diese beiden Dinge bescherten Werne insbesondere zwischen 1870 und 1910 einen wirtschaftlichen Aufschwung, nachdem es um den Wohlstand der Lippestadt zuvor lange Zeit nicht wirklich gut bestellt war. Die Bevölkerung wuchs und der Strukturwandel katapultierte Werne in die Moderne. Aber das Leben fand damals natürlich nicht nur auf dem Pütt und im Kurbad statt. Zudem profitierten längst nicht alle Bürger von den Elementen Sole und Kohle.

Darum thematisiert einer der neuen Museumsräume künftig das „Alltagsleben um die Jahrhundertwende“. Statt Spaten, Grubenlampe und Lohnbuch der Zeche, findet man hier unter anderem Milchkanne, Kachelofen und Dreschflegel. Die Gegensätze machen einen Konflikt deutlich. Den zwischen Tradition und Moderne, der sich sowohl in der Wirtschaft als auch im Privaten widerspiegelt.

Zwei Welten treffen aufeinander

Im neuen Museumskonzept wird die Ausgangslage im 19. Jahrhundert so beschrieben: „Die preußischen Reformen führen zu einem Einbruch der Wirtschaft in der Kernstadt, viele Händler und Handwerker verlieren ihr Auskommen, die gemeinschaftliche Nutzung von Weideflächen fällt weg. Während Unternehmer wie zum Beispiel die Firma Moormann expandieren können, sind viele Bürger als Tagelöhner in der Landwirtschaft unterwegs. Zwischen der Stadtgemeinde und der Landgemeinde Werne besteht eine stetige Spannung. Zugleich wird die Welt um Werne größer.“

So sollen die Räume im 1. OG einmal aussehen.
So sollen die Räume im 1. OG einmal aussehen. © Michael Falkenstein © Michael Falkenstein

Letzteres zeige sich etwa darin, dass Waren aus den Kolonien gekauft werden können. Das Kurbad sorgt ab 1874 für Tourismus, die Zeche hingegen ab 1899 für viele Zuwanderer. Um die Jahrhundertwende nehmen darüber hinaus größere Teile der Gesellschaft an nationalen politischen Debatten teil. „Begleitend entwickelt sich die nationalistische Andenkenkultur mit ihrer Verherrlichung der Kriege des 19. Jahrhunderts“, heißt es weiter.

Die Auffächerung des Hauptthemas in mehrere kleinere Kernthemen wird auch im Raum „Alltagsleben um die Jahrhundertwende“ umgesetzt. Zu den Kernthemen gehören:

  • Lebensbedingungen der Werner Bürgerinnen und Bürger in der Landwirtschaft
  • Tradition und Religion: Trachten und Symbole der bäuerlichen Alltagskultur
  • Industrialisierung und bürgerlicher Wohlstand um die Jahrhundertwende
  • Vergrößerung der Perspektive auf nationale und globale Vorgänge, Kolonialismus
  • Als Gegenreaktion dazu: nationalistische Erinnerungskultur an die Kriege des 19. Jahrhunderts

Für diese Unterthemen stehen verschiedener Exponate bereit. Fest eingeplant sind hier:

  • Holzschuhe
  • Milchkanne
  • Sense
  • Dreschflegel
  • Kommode
  • Trachtenhaube
  • Babyhaube
  • Arbeitshaube
  • Kachelofen
  • Kruzifix
  • Moormann-Fass
  • Moormann-Fenster
  • Schautafel: Güter aus den Kolonien
  • Reservistenkrug
  • Bild: Erinnerung Dienstzeit Soldat
  • Zeugnisheft katholische Volksschule

Und den Ansatz, Bezüge zur Gegenwart herzustellen, verfolgt man natürlich auch in diesem Raum. Was dem Museumsteam in diesem Fall vorschwebt? Zum Beispiel Importe made in China, die Entwicklung der Innenstadt oder die Tendenz „Supermarkt statt Selbstversorgung“.

Der Blick ins Museum – Bürger können mitgestalten

  • Wir stellen die geplanten neuen Räume des Stadtmuseums im Zuge einer kleinen Serie vor.
  • Bürger haben nach wie vor die Möglichkeit, an der Neugestaltung des Museums mitzuwirken – und zwar im Zuge eines Workshops auf der Homepage der Stadt Werne. Dort ist das gesamte Konzept inklusive der bislang vorgesehenen Exponate aufgeführt. Wer möchte, kann Anregungen geben und beispielsweise anmerken, welche Exponate ihm besonders wichtig sind oder auch persönliche Anekdoten zu den Ausstellungsthemen mitteilen.
  • Es gibt auch eine Druck-Version. Diese kann auf der Museums-Homepage heruntergeladen sowie in der Christophorus-Kirche oder auf Anfrage im Museum abgeholt werden (Tel. 02389/780773).
Über den Autor
Redakteur
Geboren 1984 in Dortmund, studierte Soziologie und Germanistik in Bochum und ist seit 2018 Redakteur bei Lensing Media.
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