Friedrich Mülln von der Soko Tierschutz kündigte in Werne die Veröffentlichung einer „schwarzen Liste“ an. Darauf werden Namen von kriminellen Firmen genannt. © Jörg Heckenkamp
Tierquälerei-Skandal in Werne

Namen werden genannt: Soko Tierschutz kündigt „schwarze Liste“ an

Mecke ist kein Einzelfall. Deshalb erhöht die Soko Tierschutz nun den Druck und veröffentlicht eine „schwarze Liste“ mit Namen von kriminellen Viehhandelsfirmen. Darunter ist auch ein Lieferant von Mecke.

Keine Ausnahme: Zum Ende des Bürgergesprächs zum Mecke-Skandal in Werne sind noch einmal plakativ mehrere Bilder von Tierquälerei zu sehen, die die Soko Tierschutz vielerorts aufgedeckt hat. Der Fall Mecke, in dem erschütternde Zustände und Gewalt gegenüber Tieren in der Viehsammelstelle bekannt wurden, ist kein Einzelfall. Friedrich Mülln engagiert sich seit 27 Jahren für den Tierschutz. Neben den kriminellen Machenschaften von Marko Mecke in Werne haben er und sein Team erst im März auch das illegale Schächten von Rindern und Schafen bei der Firma Prott in Selm ans Licht gebracht.

Um den Druck auf Behörden, Politik und Verantwortliche der Fleischindustrie zu erhöhen, kündigte Friedrich Mülln am Mittwochabend (18. August) in Werne an, dass die Soko Tierschutz eine „schwarze Liste“ veröffentlichen wird. Darauf werden die Tierschützer Namen von kriminellen Viehhandelsfirmen nennen.

Viehhandelsfirmen haben sich auf illegales Geschäft spezialisiert

„Seit 2018 haben wir bei mehreren Schlachthöfen illegale Krankschlachtungen oder Totschlachtungen beobachtet. Dabei haben wir Viehhandelsfirmen identifiziert. Etwa ein Dutzend dieser Firmen hat sich darauf spezialisiert, kranke Tiere von Bauernhöfen abzuholen, um sie zu Schlachtbetrieben zu liefern“, erklärt Mülln. Genau diese Firmen werden namentlich auf der „schwarzen Liste“ dokumentiert, die die Soko Tierschutz laut Mülln wohl Ende September veröffentlichen wird.

„Damit möchten wir Transparenz schaffen und der Öffentlichkeit und den Betrieben zugänglich machen, welche Firmen beteiligt sind.“ Die Chefs der Schlachtbetriebe selbst könnten damit nicht mehr behaupten, sie hätten nichts von den kriminellen Verhältnissen gewusst. Die Liste werde „die schlimmsten Finger in der Viehhandelbranche“ bekannt geben, verspricht Tierschützer Mülln.

Lieferant von Mecke auf der Liste

Dazu zählt auch die Firma Hunecke, die laut Mülln als wichtigster Lieferant für Mecke in Werne gilt. „Die Firma ist berüchtigt in der Branche“, so der Tierschützer weiter. Die Viehhandlung Hunecke aus Westerkappeln war bereits 2018 in einen Skandal mit kranken Tieren in Bad Iburg involviert. Obwohl laut Mülln rechtskräftige Urteile gegen die Verantwortlichen von Hunecke verhängt wurden – es gab eine Geldstrafe – geht der Handel mit kranken Tieren weiter. Grund genug für die Soko Tierschutz, nun den Druck auf die gesamte Branche zu erhöhen. „Wenn der Staat es nicht schafft, dann müssen wird das tun“, sagt Mülln.

Auf der „schwarzen Liste“ wird es auch Firmennamen geben, die im Zusammenhang mit dem Prott-Skandal aus Selm stehen. Diese Liste schickt die Soko Tierschutz an die großen Fleischkonzerne und Schlachtbetriebe in Deutschland. „Wir erhoffen uns, dass sie nicht mehr mit diesen Firmen, die für ihre Kriminalität berüchtigt sind, zusammenarbeiten werden.“

Soko Tierschutz hat keine Angst vor Klagen

Angst, dass der Verein selbst verklagt werden könnte, wenn man die „schwarze Liste“ veröffentlicht, hat man bei der Soko Tierschutz nicht. Solange es sich um die Veröffentlichung von Firmennamen handelt, sei man auf der rechtlich sicheren Seite, so Friedrich Mülln. Zumal gegen die Firmen rechtskräftige Urteile vorlägen. „Wenn man uns verklagen will, dann ist das auch in Ordnung. Jeder Prozess bringt wieder eine große Öffentlichkeit“, sagt Friedrich Mülln, der sich schon lange für den Tierschutz einsetzt – auch mit verdeckten Aufzeichnungen in Tierhaltungsbetrieben. Mit diesem gesammelten Material konnten nun die Zustände in der Viehsammelstelle der Firma Mecke in Werne überhaupt aufgedeckt werden.

Über die Autorin
Redaktion Werne
Studium der Sportwissenschaft. Nach dem Volontariat bei Lensing Media zunächst verantwortlich für die digitale Sonntagszeitung, nun in der Lokalredaktion Werne der Ruhr Nachrichten.
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Andrea Wellerdiek

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