Im Jugend-Stübchen können die Jugendlichen selbst entscheiden, was sie machen wollen. Das ist nur ein Aspekt, den sich die Jugendlichen wünschen, wenn es um ihre Freizeitgestaltung in Werne geht. © Veerle Seelig
Jugendliche in Werne

Nachgefragt im neuen Treff Jugend-Stübchen: Was fehlt Jugendlichen in Werne?

Die Freizeitangebote für Jugendliche sind begrenzt in Werne. Im neuen Treffpunkt, das Jugend-Stübchen, versucht man mit direkter Mitgestaltung einen Ort von Jugendlichen für Jugendliche zu schaffen. Gelingt das?

Neue Anlaufstelle für die Jugend: Das Jugend-Stübchen in Werne zählt bisher um die 17 Jugendliche, die sich in den Ferien fast täglich hier getroffen haben. Das Ziel ist es jedoch, noch viel mehr Jugendliche zu erreichen. „Viele Jugendliche haben oft keinen Rückzugsort oder müssen sich ein Zimmer teilen. Hier hat man dann Platz für sich. Und auch wenn wir von der evangelischen Kirche sind, ist uns egal, ob jemand katholisch oder muslimisch ist. Alle sind hier willkommen“, sagt Rabea Krampe vom Team Jugend-Stübchen.

Mit dem Jugend-Stübchen soll ein Ort geboten werden „wo man gerne hingeht,“ erklärt Christoph Schmid. Die Angebote für Jugendliche in Werne sind eher begrenzt. „Und wenn sind sie nicht kostenlos. Wenn man Geld ausgibt, kann man ins Schwimmbad oder Kino gehen“, so Schmid.

Kaum öffentliche Orte für Jugendliche in Werne

Aber auch öffentliche Orte, wo sich die Jugendliche treffen könnten, fehlen, da sind sich die Teammitglieder der neuen Jugendtreffs einig. Der Skatepark ist zum Beispiel ein Tabu für die Jugendlichen. „Dort herrscht allgemein kein guter Umgang. Da sind oft ältere, die rauchen und Drogen nehmen“, erklärt Linda Neuhaus. Die Jugendlichen würden sich deshalb wünschen, dass die Stadt den Skatepark mehr kontrolliert und aufräumt.

Doch auch andere öffentliche Orte wie Parks oder Grünanlagen seien oft nicht zugänglich. „Es ist einfach schwierig, wenn da Ältere sind und einen wegschicken. Da passt einfach keiner drauf auf“, sagt Leonie Prahl. „Man bräuchte einfach einen öffentlichen Platz, der etwas überwacht wäre, wo Jugendliche miteinander reden könnten“, ergänzt Rabea Krampe.

Aber auch Freizeitangebote in der Schule und in anderen Institutionen gefielen den Jugendlichen nicht. Vor allem fehlte ihnen das Mitbestimmungsrecht. „Die Stadt bietet einfach nichts an, wobei Jugendliche selbst planen können“, kritisiert Krampe.

Einfach mal machen lassen

Das Außergewöhnliche am Jugend-Stübchen: Die Jugendlichen haben die Freiheit, das zu tun, was sie wollen. Auch Leiter Michael Reckmann bemängelt, dass Jugendliche bei vielen Freizeitangeboten kein Mitspracherecht haben: „Das, was wir hier machen und so außergewöhnlich wirkt, ist eigentlich im Gesetz festgeschrieben. Jugendliche müssen das Programm mitgestalten können.“

Die Jugendlichen wünschen sich allgemein, dass ihnen mehr zugetraut werden würde. Oft würden sie sich nicht ernst genommen fühlen. „Jugendliche werden oft chaotisch dargestellt. Aber wenn viele Chaoten an einem Strang ziehen, macht es oft sehr viel Spaß und dabei kommt auch was schönes rum“, meint Krampe.

Wenn etwas schiefläuft, ist das grundsätzlich kein Problem im Jugend-Stübchen. Reckmann ist grundsätzlich nur wichtig, dass kommuniziert wird und sich alle vertrauen. „Wenn ich nicht hinkriege, dass die mir sagen, wenn sie Unsinn gemacht haben. Dann habe ich was falsch gemacht“, so Reckmann.

Selbstständige Programmplanung im Jugend-Stübchen

Die Basis ist dementsprechend eher freundschaftlich und konstruktiv. „Hier ist ein Ort, wo man alles sagen darf und auch eine Meinung haben darf. Michael ist auch nicht wie ein Elternteil. Er ist da, aber wir organisieren hier alles. Wenn wir Hilfe brauchen, dann können wir zu ihm“, erklärt Krampe.

„Er schreibt uns nicht vor, was wir zu tun und zu lassen haben“, ergänzt Prahl. Somit durfte das Jugend-Stübchen an sich auch frei gestaltet werden. Zusammen ist man dann zu Ikea gefahren und hat Möbel ausgesucht. Nun gibt es einen Raum mit Elektrogeräten. Die sogenannte „Friendzone“, wo man es sich auf Sofas gemütlich machen kann sowie eine Küche.

Das Konzept des Jugend-Stübchens kommt gut bei den Jugendlichen an. In Schul-AGs sei es oft so, dass einem vorgeschrieben wird, was man machen soll. „Die AGs von Schülern sind eigentlich ziemlich cool, aber von den Lehrern kriegt man öfter etwas vorgeschrieben“, erklärt Schmid.

„Den Ideen sind hier keine Grenzen gesetzt“

Im Jugend-Stübchen können die Jugendlichen allen Interessen nachgehen. Bisher gab es Ausflüge nach Münster zum Shoppen, eine Übernachtung in der Auferstehungskirche in Herbern. Zudem ist ein Ferienlager in der Planung. Darüber hinaus treffen sich die Jugendlichen jeden Donnerstag ab 17 Uhr zur Team-Besprechung. Dort werden weitere Aktionen geplant.

In den Ferien trafen sie sich aber meist täglich. Die Interessen der Jugendlichen sind allgemein sehr vielseitig. Von Philosophie, über Klimaschutz bis hin zu Themen rund um LGBTQ.

Ein Wunsch ist zum Beispiel, mit der Klimaaktivistin Luisa Neubauer zu sprechen. „Den Ideen sind hier erstmal keine Grenzen gesetzt. Warum soll man ihr nicht einen Brief schreiben und sie nach einem Gespräch fragen?“, meint Reckmann.

„Jeder kann hierhin kommen, wie er will“

Die sogenannte „PhiloSOphie“-Gruppe des Jugend-Stübchens befasst sich viel mit Themen rund um den Klimaschutz. Aber auch LGBTQ ist ein Thema, das die Jugendlichen bewegt. „Oft wird so getan, als könnten wir uns dazu nicht äußern. Nach dem Motto: ‚Ihr versteht das doch gar nicht‘“, so Prahl.

Im Jugend-Stübchen haben die Jugendlichen die Chance, dass sie sich über alle Themen auszutauschen, die sie beschäftigen. „Und das ist gleichzeitig das Motto, das über allem steht. Jeder kann hierhin kommen, wie er will“, verdeutlicht Reckmann.

Als Fazit der Jugendlichen lässt sich sagen, dass sie in der Freizeitplanung viel mehr mit einbezogen werden sollten. Manchmal hilft es, einfach mal zu fragen, was in ihren Köpfen vorgeht.

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