Nach Sim-Jü-Rückzieher: Vergesst Verträge! Deshalb sollten mehr Städte handeln wie Werne

dzKommentar Klare Kante

Hätte die Stadt Werne nach dem Sim-Jü-Rückzieher eines Karussells auf den Vertrag bestehen sollen? Nein! So handelt in einem Geschäft, in dem das Geld regiert, wenigstens einer menschlich.

Werne

, 18.09.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sim-Jü ist in Werne heilig - aus gutem Grund. Die Stadt verwandelt sich in eine große Kirmes mit vielen Besuchern und gut gelaunten Menschen. Doch so romantisch wie das Kirmes-Geschäft nach außen wirkt, so hart umkämpft ist es im Hintergrund. Das zeigt nicht zuletzt der Sim-Jü-Rückzieher des Karussells Infinity.

Ein geschlossener Vertrag mit einer Veranstaltung? Ist dem Bremer Freimarkt egal. Man frage nicht nach diesen Kriterien, heißt es aus Bremen. Ganz nach dem Motto: Was ich nicht weiß, kann mir auch keiner vorwerfen. Und so bietet man einem vertraglich gebundenen Schausteller einen noch verlockenderen Deal an, dem er nicht widerstehen kann.

Sim-Jü-Macher sind sich ihrer Strahlkraft bewusst

Doch in einer komplizierten Situation zeigt eine Seite große Menschlichkeit. Statt groß zu lamentieren oder gar einen großen Streit vor Gericht vom Zaun zu brechen, ermöglichen die Sim-Jü-Verantwortlichen Alina Mertens und Jürgen Menke dem Schausteller seinen Abwanderungs-Wunsch. Diese Einstellung verdient Respekt.

Auch, weil sich die Männer und Frauen hinter Sim-Jü der Strahlkraft bewusst sind - denn die Liste der Bewerber ist lang und so brauchte man auch nicht viel Zeit, um einen Nachfolger zu finden: Kleiner Aufwand, keine Verschlechterung, dafür eine gute Tat verbracht.

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Dass die Stadt Werne so handelt, gefällt allerdings noch lange nicht allen. Das Telefon in der Redaktion klingelt, Leser kommen vorbei oder kommentieren auf Facebook.

So etwas dürfe sich Sim-Jü nicht bieten lassen. Die Stadt müsse auf Erfüllung des Vertrages bestehen. Doch warum geht man mit der Stadt so hart ins Gericht? Natürlich stellt diese Entscheidung keinen Freifahrtschein für Schausteller dar, sich jederzeit aus Verträgen herauszustehlen. Das dürfte jedem klar sein. Und das möchten auch nur die wenigsten Schausteller - denn die Sim-Jü-Strahlkraft ist weiterhin ungebrochen.

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Wenn man einem Schausteller entgegenkommt, ohne großartige Nachteile in Kauf nehmen zu müssen, fällt niemandem ein Zacken aus der Krone.

Ob nun das zunächst angekündigte Infinity oder der Neuzugang Fighter vom 26. bis 29. Oktober auf dem Kurt-Schumacher-Platz steht, wird letztlich wohl nur den wenigsten auffallen. Für Adrenalin und Höhenrausch ist auch so gesorgt - und auch für ein weiteres Stück Romantik in dem sonst so harten Business.

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