Klaus Hellinger aus Werne ärgert sich über Unbekannte, die unerlaubterweise seine Mülltonnen befüllen. © Felix Püschner
Müllentsorgung

Mülltonnen-Ärger in Werne: „Soll ich deswegen jetzt eine Kamera installieren?“

Die Mülltonnen des Werners Klaus Hellinger erfreuen sich offensichtlich großer Beliebtheit. Denn darin landet nicht nur Hellingers eigener Müll. Ein Umstand, der den Werner auf die Palme bringt.

Klaus Hellinger öffnet den Deckel seiner Mülltonne. Die scheint heute (12. Januar) ordnungsgemäß befüllt zu sein. Wobei die Betonung auf „heute“ liegt. Denn der Werner hat sich in der jüngeren Vergangenheit schon häufiger über den Inhalt der Behälter aufgeregt. Der Grund: Offensichtlich hatten Fremde die Tonnen unerlaubterweise mit ihren Abfällen befüllt – und dann auch noch falsch. „Die haben da Sachen reingeschmissen, die da nicht reingehörten, zum Beispiel Grünschnitt in die Wertstofftonne“, schimpft Hellinger.

Dass es sich bei den Übeltätern um andere Hausbewohner gehandelt haben könnte, schließt der Werner aus. Er wohne ja in einem Zweiparteienhaus. „Und mein Nachbar war es mit Sicherheit nicht. Den stört das ja genauso wie mich.“ Die Mitarbeiter der Müllabfuhr hätten nun bereits angekündigt, dass sie die Tonnen beim nächsten Vergehen stehen lassen würden.

„Es geht mir da auch ein bisschen ums Prinzip. Man kann seinen Müll nicht einfach bei anderen abladen.“

Klaus Hellinger

Zudem drohe den Hausbewohnern ein Bußgeld. Hellinger ist ratlos: „Es kann doch nicht sein, dass wir dann zur Rechenschaft gezogen werden. Was sollen wir denn machen? Sollen wir deswegen jetzt eine Überwachungskamera installieren oder uns auf die Lauer legen?“

Auf frischer Tat ertappt habe er noch niemanden. Wahrscheinlich kämen die Übeltäter nachts oder in den frühen Morgenstunden. Genau das macht die Angelegenheit auch aus Sicht der Stadt Werne problematisch, wie Michele Bachara von der Abteilung Straßen und Verkehr auf Anfrage unserer Redaktion erklärt. Das Verhängen eines Verwarngeldes sei dadurch schwierig.

In den vergangenen fünf Jahren sei so etwas auch noch nicht passiert. Allerdings liege das in erster Linie daran, dass es nicht nötig gewesen sei. Zwei bis drei Stellen seien ihr bekannt, an denen das Problem der falsch befüllten Mülltonnen in diesem Zeitraum einige Male vorgekommen sei. Weil man in einem der Fälle vermutet habe, dass einer der Nachbarn dafür verantwortlich war, habe man die Stadtwerke Selm, die für die Abholung der Tonnen in Werne zuständig sind, darüber informiert.

Mülltonnen werden nur in Ausnahmefällen stehen gelassen

Die Folge: Deren Mitarbeiter ließen die Tonne bei ihrer nächsten Tour tatsächlich ungeleert stehen – woraufhin sich der der Übeltäter anscheinend einsichtig zeigte. Denn anschließend sei die Tonne stets korrekt befüllt gewesen. Verena Ginter, Geschäftsführerin der Stadtwerke Selm, betont ebenfalls, dass falsch befüllte Mülltonnen nur gelegentlich vorkämen. Es sei auch keine signifikante Zunahme zu beobachten.

Und nur in Ausnahmefällen lasse man Tonnen nicht geleert stehen. „Wir sind sehr kulant und bürgerfreundlich unterwegs, aber bei Mülltonnen, bei denen der Deckel aufgrund der deutlichen Überbefüllung weit offen steht und offenkundig Abfälle herausschauen, die falsch einsortiert wurden, können wir kein Auge zudrücken“, sagt Ginter.

Es handle sich dabei dann um vergleichsweise drastische Fälle. Würden mal kleinere Dinge wie Kaugummipapier falsch einsortiert, dann drücke man hingegen durchaus ein Auge zu. Bei Auffälligkeiten – vor allem, wenn sie häufiger vorkommen – suche man natürlich zunächst den Dialog mit den Bürgern. „Wir treten eigentlich auch nicht an die Stadtverwaltung heran, damit sie ein Bußgeldverfahren einleitet“, so Ginter.

Dass sich Bürger über falsch befüllte Tonnen ärgern, kann Ginter nachvollziehen. Eine mögliche Lösung, um die Behälter vor Fremden zu schützen, sei ein Mülltonnenschloss. Auch Hellinger hat daran schon gedacht. Wirklich weiter hilft ihm das allerdings nicht. „Wir stellen die Tonnen ja sowieso schon erst spät abends oder früh morgens vor das Haus. Dann müsste ich ja jedes Mal warten, bis die Müllabfuhr vor der Tür steht, um die Tonnen wieder aufzuschließen“, sagt Hellinger. Dann könne er sich auch gleich auf die Lauer legen und auf die Täter warten.

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Geboren 1984 in Dortmund, studierte Soziologie und Germanistik in Bochum und ist seit 2018 Redakteur bei Lensing Media.
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